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"Divinity 2: Ego Draconis": Gespaltene Persönlichkeit

Wie aus einem Drachentöter selbst ein Drache werden kann, zeigt das episch angelegte Rollenspiel "Divinity 2: Ego Draconis" der belgischen Larian Studios.

Nach den mäßig erfolgreichen Action-Ablegern der "Divine Divinity"-Reihe führen die belgischen Larian Studios ihre "göttliche" Geschichte mit dem wesentlich ansprechenderen Rollenspiel-Epos "Ego Draconis" fort. PC-Besitzer schlüpfen darin anfangs in die Rüstung eines Drachentöters, ehe sie selbst auf magische Weise zum Schuppentier werden, um auch in die verborgensten Regionen der Spielwelt Rivellon vorzudringen ...

Erst unglaublich viel lernen und dann alles wieder vergessen - das ist das seltsame Initiationsritual, das angehende Drachenritter über sich ergehen lassen müssen. Als Ersatz für das verlernte Wissen erwerben sie die Fähigkeit, die Sprache der Drachen zu verstehen, Gedanken zu lesen und Geister sehen zu können. Für den Spieler, der seinem Helden-Charakter im Editor lediglich ein paar äußere Merkmale verpasst, bevor es in medias res geht, eröffnen sich so einige ungewöhnliche Möglichkeiten, die er aus anderen Rollenspielen noch nicht kennt.

Doch zunächst heißt es, quasi bei Null anzufangen: Den Helden verschlägt es in ein pittoreskes, idyllisch in Szene gesetztes Städtchen, in dem er sich mit den Einwohnern über Drachensichtungen unterhält und die ersten Aufträge annimmt. Bereits hier zeigen sich die Stärken von "Ego Draconis": die stimmige Fantasy-Atmosphäre, die hervorragend geschriebenen und von professionellen Synchronsprechern vertonten Dialoge sowie die große Handlungsfreiheit. So bieten nicht nur die meisten Aufgaben mehrere unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten. Der bewusste Verzicht auf rollenspieltypische Klassen macht es auch möglich, seinen Charakter im Lauf des Spiels sehr flexibel mit den unterschiedlichsten Fertigkeiten aus den Bereichen Magie, Nah- und Fernkampf auszustatten.

Apropos: Durch das Vermöbeln von Goblins, Imps und anderem fiesen Fantasy-Getier oder das Absolvieren von Aufgaben erwirbt der Held Erfahrungspunkte, die er in den Ausbau seiner Talente stecken kann. Später lassen sich bei Meistern die Entwicklungsstufen gegen Bares noch weiter steigern - bis man schließlich in der Lage ist, jederzeit in die Drachengestalt zu wechseln und so nicht nur spezielle Flugeinlagen zu bestehen, sondern auch größere Strecken schneller zu überwinden.

Intrigen statt Schläge

Doch nicht nur die Bewegungsfreiheit stellt den Spieler in dieser riesigen Welt vor die Wahl. Oft ist es auch möglich, die Bewohner von Rivellon gegeneinander auszuspielen oder Aufträge unterschiedlich anzugehen. Nicht selten wird dabei die Moral auf die Probe gestellt: Soll man dem örtlichen Hauptmann helfen, einen Banditenhaufen auffliegen zu lassen? Oder schlägt man sich lieber auf die Seite der Schurken? Der eingeschlagene Weg beeinflusst nicht nur die Art der Belohnung, sondern auch, wie sich die Nicht-Spieler-Charaktere dem Helden gegenüber verhalten.

Die Fähigkeit des Gedankenlesens ist ebenfalls kein bloßes Gimmick, sondern ein witziges Mittel, um die Interaktion mit anderen Personen in ungeahnte Richtungen zu lenken. So erwirbt man beispielsweise das Vertrauen seines Gegenübers und profitiert infolgedessen beim Feilschen von günstigeren Preisen. Oder man gelangt an brisante Informationen, die sich für eine Erpressung nutzen lassen. An anderer Stelle bekommt man nur auf diese Art und Weise wichtige Hinweise auf verborgene Schätze.

Divinity 2: Ego Draconis

Hersteller/Vertrieb

Larian Studios/dtp entertainment AG

Genre

Rollenspiel

Plattform

PC, Xbox 360

Preis

ca. 50 Euro

Altersfreigabe

ab 12 Jahren

Durchaus stimmungsvoll inszeniert, ist das auf der betagten Gamebryo-Engine basierende "Ego Draconis" technisch nicht ganz auf dem neuesten Stand. Der Faszination des Spiels, die aus der spannend erzählten Story, abwechslungsreichen Quests und der enormen Handlungsfreiheit resultiert, tut dies jedoch keinen Abbruch. Die einfache Maussteuerung sorgt dafür, dass sich auch Einsteiger schnell im Reich Rivellon einleben können. Allenfalls im Detail zeigt das Interface Schwächen - etwa, wenn man nach erfolgreichen Kämpfen jedes Beutestück einzeln per Mausklick aufsammeln muss. Auch eine Vergleichsanzeige fehlt, die das neue mit dem alten Schwert vergleicht. Doch diese Probleme sollten mit dem Erscheinen des ersten Patches behoben sein.

Fazit

Eingefleischte Rollenspiel-Fans werden mit dem unkonventionellen Drachenritter-Epos der Larian Studios bestens bedient. Aber auch Neulingen fällt es leicht, mit Drachenschwingen ihre Runden über Rivellon zu drehen und dabei großzügig über die etwas detailarmen Landschaften hinwegzusehen.

Herbert Aichinger/Teleschau / TELESCHAU
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