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Wiederbelebtes Computerspiel Duke Nukem Forever Vom Baller-King zum Action-Opa


Der Duke lebt. Nach 14 Jahren Abstinenz feiert der platinblonde Mega-Rambo jetzt sein großes Comeback. Ausgestattet mit großen Waffen und noch größerem Ego muss er erneut die Erde von fiesen Aliens befreien. Doch hat sich das Warten gelohnt?
Von Christoph Fröhlich

Es ist eine Geschichte von Hochmut und Fall, eine griechische Tragödie im digitalen Zeitalter. Duke Nukem sollte seinem Erfinder eine Menge Geld einspielen, doch trieb ihn stattdessen in den Ruin. Duke Nukem stellte seine Anhänger auf eine Geduldsprobe: 14 Jahre mussten die Fans auf die Wiederbelebung ihres Helden warten.

Mit dem Computerspiel "Duke Nukem 3D" katapultierte sich der Hersteller 3D Realms im Jahr 1996 an die Spitze der Spiele-Branche. Der blonde Baller-König mit ordinären Sprüchen wurde zum Liebling der Gamer-Gemeinde. Noch nie zuvor war ein derart eindimensionales Spiel so erfolgreich: riesige Waffen, Aliens mit Schweineköpfen und Stripperinnen. Hunderte Stripperinnen, deren einzige Aufgabe es war, den Duke zu verwöhnen. Doch ausgerechnet sie wurden von den Aliens entführt. Das ließ der Duke nicht auf sich sitzen und so musste er das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Er kämpfte allein gegen die Alien-Eindringlinge und schickte sie mit markigen Einzeilern wie " Mein Stiefel, dein Gesicht; das perfekte Paar" ins Nirvana.

Unterhaltsame Ballerorgie

Es war der Humor, der den Duke von anderen Baller-Spielen abgrenzte. Das machte den Hersteller 3D Realms auf einen Schlag reich. Um noch reicher zu werden, musste schnell eine Fortsetzung her. Die sollte nicht weniger als "das beste Spiel aller Zeiten" werden, wie Firmen-Mitbegründer George Broussard stets betonte. Um die hochgesteckten Ziele zu erfüllen, kauft die Firma die teuerste Grafik-Software jener Zeit, die "Quake -II-Engine". Das Spiel sollte mehr Möglichkeiten bieten und besser aussehen als die Konkurrenz. Der Duke sollte den Genre-Thron erneut verteidigen. Geplanter Termin: 1997.

Doch der Zeitplan ist zu eng, das Spiel muss immer wieder verschoben werden. Bereits nach einem Jahr ist die Grafik wieder veraltet, der Kauf der teuren Grafik-Engine nutzlos. Also alles noch einmal von vorn: neue Modelle, neue Texturen, 14 Monate verschenkte Arbeitszeit. So passiert es immer wieder, jahrelang werden die Pläne verworfen und das Spiel neu entwickelt. Das alles interessiert Broussard nicht, die Geldreserven sind groß. Doch die Fragen zum Erscheinungstermin werden immer lauter, seine einzige Antwort: "It's done when it's done" - "Es ist fertig, wenn es fertig ist". Duke Nukem Forever - der Name wird zum Programm.

Erfolgreiche Wiederbelebung

Im Jahr 2009 werden die Geldmittel knapp, Broussard wird zum Bittsteller. Doch die Firma TakeTwo verweigert ihm weiteres Geld.Sie haben die Rechte an Duke Nukem und glauben, dass er das Projekt nicht beenden kann. Mehr als einmal musste der Duke als Aprilscherz herhalten, der Baller-König ist zum Action-Opa geworden. Anfang 2009 dann das Aus: Das Programmiererteam von 3D Realms wird nach Hause geschickt, die Arbeiten an Duke Nukem Forever werden eingestellt.

Doch so leicht lässt sich der Duke nicht unterkriegen. Der Duke hat einen würdevollen Abschied verdient, meint Randy Pitchford, Chef von Gearbox. Er hat erfolgreich Actionspiele entwickelt, war früher selbst als Entwickler an Duke Nukem Forever tätig. Er sichert sich das Projekt und erstellt einen straffen Zeitplan. Unter seiner Leitung wird das Projekt nur einmal verschoben. Jetzt steht das Spiel in den Regalen und die Fans fragen sich: "Hat sich das Warten gelohnt?"

Technisch veraltet

Von seinem Charme hat der Duke auf seine alten Tage nichts verloren. Er hat in jeder Situation einen flotten Spruch auf den Lippen, er liebt seine Stripperinnen und ist mittlerweile ein erfolgreicher Geschäftsmann. Trotzdem sieht man dem Spiel die lange Entwicklungszeit an: Die Grafik ist nicht mehr auf dem neuesten Stand, die Ladezeiten sind lang, die künstliche Intelligenz ist beschränkt. Dass das Spiel dennoch Spaß macht, dafür sorgen die kreativen Einfälle und die kurzweilige Umsetzung: Gleich zu Beginn muss der Duke einen fünf Meter großen Zyklopen auf einem Football-Feld töten, dem er nach gewonnenem Kampf das Auge ausreißt und mit ihm ein Tor schießt. Hier trifft bitterböser Humor auf Splatter, denn an Blut wird nicht gegeizt.

Duke Nukem Forever ist weit weg vom besten Spiel aller Zeiten. Manche würden es nicht einmal ein gutes Spiel nennen. Doch für die Fans der alten Spiele dürfte sich auch der neue Teil lohnen. Wer jedoch schon früher nichts mit der Spiele-Reihe anfangen konnte, den wird auch der neueste Teil nicht überzeugen.


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