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Mit der Digitalkamera unterwegs: Gute Urlaubsbilder beginnen vor der Reise

Fotos aus dem Urlaub können mehr sein als die üblichen Alibiaufnahmen von Stränden, Kirchen und Hotelpools. stern.de gibt Tipps, wie einzigartige Reisefotos gelingen können. In Teil eins unserer Reihe geht es um die richtige Vorbereitung.

Von Michael Hennemann

Die Geschichte der Fotografie ist seit jeher eng mit der Entwicklung des Reisens verbunden. Den Startschuss zur breiten Verfügbarkeit der Fotografie auch bei Laien legte George Eastmann 1888, als er mit der Kodak-Box in Serienfertigung ging. Gleichzeitig wurde der moderne Tourismus geboren, denn bessere Verkehrsbedingungen sowie wirtschaftlicher Wohlstand ermöglichten zunehmend weiteren Bevölkerungsschichten Reisen in ferne und exotische Länder. In den meisten Fällen war die handliche Rollfilmkamera der ersten Stunde mit im Gepäck, um die Erlebnisse, Landschaften und Menschen während der Reise realitätsnah im Bild festzuhalten.

Die Kodak-Box ist inzwischen Geschichte, lichtempfindliche Fotodioden haben den Silberhalogenidfilm ersetzt und das Reisen ist alltäglich geworden. Dennoch begleitet die Kamera uns auf Reisen zu nahen oder fernen Zielen auf Schritt und Tritt, und bis heute hat die Reisefotografie nichts an Faszination verloren.

Im Gegensatz zu andern Genres wie Architektur-, Landschafts- oder Porträtfotografie bezeichnet der Begriff Reisefotografie keine besondere Aufnahmetechnik oder die Festlegung auf bestimmte Motive. Sie ist ein Sammelbecken der verschiedensten fotografischen Aufgabenstellungen. Alles, was Sie unterwegs fotografieren, ist Reisefotografie. Genau das macht die Sache so spannend und anspruchsvoll.

Falls Ihnen das Klischee vom Reisefotograf durch den Kopf spukt, der mit teurer Kameraausrüstung um die Welt jettet, um Traumstrände und Luxushotels für Hochglanzprospekte und Reisemagazine abzulichten - vergessen Sie es. Reisefotografie ist harte Arbeit. Seien Sie froh darüber, dass Sie damit nicht Ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.

Was wollen Sie?

Trotzdem sollten Sie sich vor dem Urlaubsantritt klar darüber werden, wie ernsthaft Sie die Reisefotografie betreiben wollen. Steht für Sie das Reiseerlebnis oder die Fotografie im Vordergrund? Reisen Sie, um zu fotografieren, oder ist die Digitalkamera nur das Werkzeug zur Dokumentation Ihrer Erlebnisse? Die Beantwortung der Frage erspart Ihnen (und den Mitreisenden) spätere Enttäuschungen.

Die meisten Amateuerfotografen wählen dabei wohl schließlich einen Mittelweg zwischen anspruchsvoller Fotografie und Erholungsreise, und das ist mit Sicherheit nicht die schlechteste Lösung. Nutzen Sie das gute Licht am frühen Morgen und späten Abend und reservieren Sie die Zeit dazwischen für gemeinsame Unternehmungen mit der mitreisenden Familie oder Freunden.

Sie so viel wie nötig, so wenig wie möglich

Wenn einer eine Reise tut, dann muss er - richtig: zunächst einmal packen. Als Fotograf sogar gleich zweimal, denn neben dem "normalen" Reisegepäck bestehend aus Kleidung, Schuhen und Hygieneartikel auch das Fotogepäck mit Kameras, Objektiven, Stativ und weiterem Zubehör.

Für das Stillleben des angeschwemmten Treibguts am Strand wird ein Makroobjektiv benötigt, formatfüllende Tierporträts gelingen nur mit einem klobigen Telezoom, und um den Eiffelturm ohne Verzerrungen auf die Chipkarte zu bannen, braucht man ein Shiftobjektiv. Ein Fischauge für das eine oder andere ungewöhnliche Bild wäre sicher auch nicht schlecht, und für den Fall der Fälle muss natürlich auch ein Ersatzgehäuse mit. Um auch in abgelegenen Regionen immer genügend Akkupower dabeizuhaben, wird lieber ein Ersatzakku mehr eingepackt, und natürlich dürfen Stativ, Blitzgerät, Fernauslöser und Polfilter nicht fehlen.

Jeder der genannten Ausrüstungsgegenstände kann sinnvoll sein, aber nicht bei jeder Reise und für jede Reiseform. Keine Frage, wenn Sie mit dem Jeep auf Fotopirsch in Afrika gehen, dann brauchen Sie ein leistungsfähiges, lichtstarkes Teleobjektiv, und das hohe Gewicht stört dann nur wenig. Wollen Sie dagegen eine Reportage über den Karneval in Venedig fotografieren, können Sie sich die vier Kilogramm für eine Telekanone (er-)sparen, und bei einer Trekkingtour in Nepal werden Sie für jedes eingesparte Gramm dankbar sein. In diesem Fall ist eine möglichst kleine und leichte Kamera mit einem Allroundzoom die beste Wahl.

Das Schlimmste, was einem Reisefotografen passieren kann, ist ein unwiderruflich verpasstes Motiv. Daher darf es Ihnen auf keinen Fall passieren, dass Sie ein Objektiv, das Sie unterwegs dringend benötigen, zu Hause lassen. Auf der anderen Seite trübt eine schwere Fototasche mit Objektiven, die Sie gar nicht benötigen schnell die Fotofreude. Überlegen Sie daher vor Reisebeginn ganz genau, welche Motive Sie unterwegs fotografieren wollen, und entscheiden Sie dann, welche Ausrüstung zwingend notwendig ist und was besser zu Hause bleibt.

Als Grundausstattung reichen in den meisten Fällen ein Kameragehäuse und zwei bis drei hochwertige Zoomobjektive. Moderne Kameras sind nach meiner Erfahrung so zuverlässig, dass man spontanes Versagen oder einen plötzlichen Defekt praktisch ausschließen kann. Ein Ersatzgehäuse ist nur sinnvoll bei Reisen in sehr, sehr abgelegene Regionen, z. B. bei einer mehrwöchigen Wandertour ins nordschwedische Fjäll, wo Ersatz dann praktisch nicht zu beschaffen ist.

So planen Sie Ihre Reise richtig

Wenn Sie die Reisefotografie ernsthaft betreiben wollen, müssen Sie von der Idee Abstand nehmen, in den Urlaub zu fahren und "nebenher" zu fotografieren. Wenn Sie mehr als ein paar Glückstreffer landen wollen, empfiehlt es sich, die Fotomöglichkeiten zu planen.

Haben Sie sich für ein bestimmtes Reiseziel entschieden, stehen am Anfang der Reiseplanung die Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten, Mietwagen und Reiseroute. Zusätzlich sollten Sie sich über Zoll- und sonstige rechtliche Bestimmungen wie z. B. Fotografierverbote im Urlaubsland informieren, um unterwegs keine bösen Überraschungen zu erleben.

Damit ist die Recherche für den ambitionierten Reisefotografen aber noch lange nicht zu Ende. Versuchen Sie, so viel Material über Ihr Reiseziel wie möglich zu sichten. Infrage kommen Broschüren von Reiseveranstaltern, Reisemagazine, Postkarten, Reiseführer, -videos und Bildbände. Eine gute Quelle ist das Fremdenverkehrsamt des jeweiligen Reiselandes.

Sie bekommen so nach und nach ein Gefühl für das Land, seine Lichtstimmungen und besonders schöne Regionen. Natürlich finden Sie in vielen Quellen ähnliches Bildmaterial und Wiederholungen, ein Australienreiseführer ohne Ayers Rock oder ein Städtebildband von Paris ohne Eiffelturm ist praktisch unvorstellbar. Es geht für Sie aber nicht darum, besonders gelungene Fotos zu kopieren, sondern darum, Ideen und Denkanstöße für eigene Fotos zu entwickeln und zu sammeln. Mit der Zeit kristallisieren sich so die Sehenswürdigkeiten, Museen, Denkmäler und Landschaften heraus, die zu fotografieren es sich für Sie lohnt.

Stellen Sie aus Ihrer Motivliste vor der Abreise die Reiseroute zusammen. Markieren Sie mit einem Textmarker oder Haftnotizzetteln die einzelnen Aufnahmeorte auf einer Übersichts- oder Autokarte.

Die Suche nach geeigneten Informationen für gute Reisefotos hört selbst im Urlaub nicht auf. Halten Sie vor Ort Ausschau nach potenziellen Ansprechpartnern und gehen Sie freundlich auf Hotelangestellte, Reiseleiter oder Urlauber zu, die schon länger vor Ort sind. So bekommen Sie zuverlässige Angaben zu Öffnungszeiten, eventuellen Zutrittsregelungen (z. B. bei Nationalparks) und viele weitere wichtige Informationen.

Ausrüstungscheck vor der Abreise

Vor einer längeren (Foto-)Reise empfiehlt es sich, die Kameraausrüstung auf Herz und Nieren zu überprüfen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn Sie aufgrund eines technischen Defekts Ihre Urlaubsbilder einbüßen. Rechtzeitig vor der Reise sollten Sie:

  • alle Objektive und das Kameragehäuse mit einem Blasebalg gründlich reinigen. Gegen stärkere Verschmutzungen hilft Optik-Reinigungsflüssigkeit und Linsenpapier.
  • den Spiegel mit einem Blasebalg säubern.
  • eine Testaufnahme machen, um festzustellen, ob der Sensor frei von Staub und Schmutz ist. Schalten Sie dazu den Autofokus aus und stellen Sie Blende 11 oder 16 ein. Fotografieren Sie dann einen weißen Karton mit einer Belichtungskorrektur von +1 bis +2.
  • gegebenenfalls den Sensor mit einem Blasebalg reinigen oder zur gründlichen Reinigung an den Service des Kameraherstellers einschicken.
  • die Batterien und Akkus testen, deren Kontakte reinigen und sie bei Bedarf durch neue Akkus ersetzen.
  • Testaufnahmen mit verschiedenen Verschlusszeiten machen.
  • die Spezialfunktionen der Kamera testen (Fernbedienung, Selbstauslöser, eingebauter Blitz, Abblendtaste).
  • Testaufnahmen auf allen Speicherkarten, die Sie mitnehmen wollen, machen und am Computer auslesen.
  • den mobilen Bildspeicher testen.

Führen Sie den beschriebenen Kameracheck unbedingt rechtzeitig vor der geplanten Abreise durch, denn nur so haben Sie die Möglichkeit, einen entdeckten Defekt noch rechtzeitig durch den Kameraservice beheben zu lassen. Je nach Hersteller und Werkstatt kann dies bei Nichtprofis schon einmal vier, fünf oder sogar sechs Wochen dauern!

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Ob Digitalkamera, MP3-Player, Smartphone oder Fernseher - die interessantesten Gadgets im Test"

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.