PC-Computerspieler aber auch Kreative aus dem Bereich Videobearbeitung und Grafikrendering hatten seit Monaten darauf gewartet, wie Grafikkartenhersteller Nvidia neuen Schwung in den seit langem trägen Markt für Grafikbeschleuniger bringen möchte. Gestern Abend war es soweit, auf einer Keynote der hauseigenen Messe GTC hielt Firmenchef Jensen Huang gleich mehrere Karten der 4000er-Reihe in Händen. Wenn die angekündigten Leistungen tatsächlich stimmen, dann wären es in bestimmten Anwendungen deutliche Performancesprünge zu dem, was derzeit möglich ist.
Allein die technischen Merkmale des neuen Spitzenmodells "RTX 4090" sind beeindruckend: Auf der schweren Karte sind 76 Milliarden Transistoren verbaut, 16.384 Rechenkerne verarbeiten Grafikdaten in einem Takt von 2520 Megahertz. Der Speicher der Karte ist mit 24 Gigabyte GDDR6X um ein Drittel größer als der Arbeitsspeicher der meisten Standardcomputer.
Mit deutlichem Stolz verkündete Huang die daraus resultierende Leistung: Die neue 4090-GTX soll doppelt so schnell sein wie das bisherige Spitzenmodell. Beim von Nvidia seit Jahren vorangetriebenen Thema Raytracing übertrumpfe die neue Karte ihren Vorgänger gar um das Vierfache, so Huang. Raytracing ist die Berechnung von Lichtstrahlen in Echtzeit. Eine Technik, die in Games für Fotorealismus sorgt, aber auch neue Möglichkeiten jenseits der Unterhaltungsindustrie eingesetzt werden kann, etwa um in digitalen Möbelkatalogen lebensecht aussehende Räume zu erschaffen.
Für Nvidia ist Raytracing die Technik der Zukunft, und eine, mit der man sich vom Mitbewerber AMD absetzen will. Für die neue Karte sei die Technik komplett überarbeitet worden, hieß es. Die neuen Shader mit der Bezeichnung SER – Shader Execution Reodering sollen für die vierfache Leistung im Vergleich zur alten Technik sorgen. Angekündigt wurde ebenfalls DLSS in der Version 3.
Das Flaggschiff soll am 12. Oktober auf den Markt kommen, und wie bei allen Spitzenmodellen sollte man sich bei Preis anschnallen. Die RTX 4090 soll 1949 Euro kosten. Für welche Summen die Karte tatsächlich erhältlich sein wird, steht indes auf einem anderen Blatt. Zuletzt hatten der immense Grafikkartenbedarf der Renderfarmen für Krytpwährungen die Preise in die Höhe schnellen lassen. Selbst Mittelklasse Grafikkarten kosteten mitunter das Dreifache ihrer Hersteller-Preisempfehlung.
In den Foren von Gaming-Magazinen und bei Redit sorgten die Preise für heftige Diskussionen. Noch vor vier Jahren lag der Preis für das jeweilige Spitzenmodell bei rund 800 Euro, die Mittelklassenmodell waren für gut 500 Euro erhältlich. Mit der Ankündigung der 4000er-Serie haben sich damit die Preise etwas mehr als verdoppelt. In einem Pressegespräch sagte Nvidia-Chef Jensen Huang, dass dies erst der Anfang einer neuen Entwicklung sei. Das sogenannte Moorsche Gesetz, nach dem jede neue Hardware-Generation doppelt soviel leiste und nur halb soviel koste, sei tot. so Huang. Zumindest bei Grafikkarten. Mittlerweile sei eine Leistungsgrenze erreicht, deren Überwindung komplette Neuentwicklungen von Architektur und Chips erfordere. Ein teurer Prozess.
Die breite Masse der Käufer dürfte daher eher auf die Preise und Verfügbarkeit der RTX 4080 schauen, der „Brot und Butter Variante“. Sie wird es in zwei Versionen geben – mit 12 und mit 16 Gigabyte Videospeicher und reduzierter Anzahl an Shadern. Sie sollen doppelt so schnell sein, wie ihre direkten Vorgänger. Allerdings ist Leistung immer relativ. Es kommt dabei immer auf die Software und die Auflösung und die FPS-Zahl des verwendeten Monitors an. Wer mit einem 4K-Monitor alle Einstellungen auf Ultra haben und stabil 60 Frames oder mehr pro Sekunde möchte, muss deutlicher tiefer in die Tasche greifen, als ein Gamer, dem ein FullHD oder UltrawideHD-Monitor reicht.
An einer Stelle wird es für alle PC-Gamer gleich teuer: bei der Stromrechnung. Zwar verbraucht die neue Karte bei bis zu vierfacher Leistung nicht mehr Strom als das vorherige Spitzenmodell, doch bei 450 Watt Leistungsaufnahme sollten ambitionierte Gamer gerade in diesen Zeiten ab und an einen Blick auf ihre Stromrechnung werfen.