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Solarwinds-Attacke "Größter Hack der US-Geschichte": Angriff betraf auch die Nuklearbehörde – und Trump schweigt weiter

Sehen Sie im Video: Hackerangriff in USA – auch Microsoft betroffen.






Von dem jüngsten Hackerangriff in den USA waren nicht nur Ministerien und Behörden, sondern auch Wirtschaftsunternehmen. Der Softwarekonzern Microsoft bestätigte am Donnerstag, dass konzernintern eine schadhafte Version von Software des US-Herstellers Solarwinds entdeckt worden sei. Netzwerkmanagement-Software von Solarwinds wurde von den Angreifern als Einfallstor verwendet. Als Drahtzieher der Attacke wird von US-Behörden Russland vermutet. Das Microsoft-Management betonte, die bisherigen Ermittlungen lieferten keine Erkenntnisse, dass die Hacker Microsoft-Systeme genutzt hätten, um Kunden zu attackieren.
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Erst langsam wird das wahre Ausmaß der beispiellosen Hackerattacke gegen die US-Regierung bekannt –und welche hochriskanten Ziele angegriffen wurden. Doch der amtierende Präsident scheint sich nicht damit befassen zu wollen.

Das Ausmaß des Angriffs schien schon kurz nach der Entdeckung kaum zu fassen: Bis zu 18.000 Kunden der Sicherheits-Software Solarwinds waren über sie gehackt worden, darunter mehrere US-Ministerien. Und der Kreis der Betroffenen weitet sich immer weiter aus. "Das ist der schlimmste Hack in der Geschichte der USA", zitiert die "Associated Press" einen anonymen Regierungs-Mitarbeiter. Nun wurde sogar die für die Atomwaffen verantwortliche Nuklearbehörde als Opfer identifiziert. Doch Präsident Trump äußert sich weiter nicht.

Dabei lässt der Angriff auf die Nuklearbehörde alle Alarmglocken schrillen. Sie sei wie andere Teile des Energieministeriums, dem sie unterstellt ist, von den Hackern erfolgreich angegriffen worden, berichtete "Politico" unter Berufung auf mehrere Insider der Behörde. Dabei seien neben der Nuklearbehörde auch die Energie-Regulierungsbehörde FERC, zwei Nuklearlabors und die Verwaltung eines nuklearen Endlagers erfolgreich gekapert worden.

Kein Zugriff auf Atomwaffen entdeckt

Die Nuklearbehörde ist nicht nur für die Kernkraftwerke verantwortlich, sondern auch für das gigantische Arsenal der Nuklearwaffen der USA. Zumindest das sei aber sicher geblieben, beruhigte die Sprecherin des Energieministeriums: Bei der Behörde seien nach aktuellem Ermittlungsstand nur Geschäftsnetzwerke infiltriert worden, die sicherheitsrelevanten Bereiche seien erfolgreich abgeschirmt worden. 

Den Angriff auf die Energie-Regulierungsbehörde FERC dürften die USA allerdings nicht auf die leichte Schulter nehmen. Der Schaden dort sei größer als in anderen angegriffenen Einrichtungen, sagten Insider "Politico". Zudem gebe es Belege für zahlreiche bösartige Aktivitäten im Netzwerk der Behörde. Das könnte Folgen haben: Die FERC ist neben der Regulierung der Öl- und Gasvorkommen auch für das Stromnetz verantwortlich. Die Stromversorgung gilt schon seit Jahren als empfindlicher Schwachpunkt bei der Landesverteidigung. Und: Immer wieder gab es Testballons von Hackern, die versuchten, die Netze zu manipulieren oder eventuell ganz abzuschalten.

Unterversorgte Abwehr

Ohnehin ist der von Experten Russland zugeschriebene Angriff alles andere als aufgeklärt. Mit Hilfe der Cyberabwehreinheit des Heimatschutzministeriums CISA arbeite man sich aktuell durch die Netzwerke, um die Angriffswege und das wahre Ausmaß des Angriffes herauszufinden. Dieser Prozess könne noch Wochen in Anspruch nehmen, klagten Mitarbeiter gegenüber "Politico".

Ein Grund dafür ist die Überlastung der CISA. Die Cyberabwehr-Spezialisten mussten gerade im Akkord die Wahl aufarbeiten, nun müssen sie zeitgleich in unzähligen Behörden den Hackerangriff aufarbeiten. Hinzu kommt die fehlende Führung: Weil der Behördenchef Christopher Krebs und sein Team mehrfach Präsident Trumps Behauptungen zum vermeintlichen Wahlbetrug widersprachen, entließ der neben Krebs auch gleich mehrere wichtige Führungsfiguren. Da auch die Stellen des Cybersicherheitschefs des Weißen Hauses und des Verantwortlichen für Cybersicherheits-Fragen im Außenministerium seit Jahren unbesetzt blieben, ist die Koordination der Aufklärung deutlich schwerer, als nötig wäre.

Der schweigende Präsident

Trump selbst scheint ohnehin wenig Interesse an der gigantischen Spionage-Aktion zu haben. Während sein Vorgänger Barack Obama einen ähnlichen Angriff im Jahr 2016 aufs schärfste verurteilte und als Strafmaßnahme sogar sämtliche russischen Diplomaten des Landes verwies, hat sich der Noch-Präsident bisher überhaupt nicht zu dem Hack geäußert. Seine einzigen Ausführungen zu Hacker-Attacken beziehen sich auf widerlegte Behauptungen zu manipulierten Wahlmaschinen, die er seit Wochen auf Twitter wiederholt.

Für sein Schweigen erhält der Präsident mittlerweile sogar Gegenwind aus den eigenen Reihen. Der Trump-kritische Senator Utahs und ehemalige Präsidentschaftskandidat Mitt Romney erklärte etwa: "Das Weiße Haus muss meiner Meinung nach eine aggressive Erklärung abgeben. Das ist, als wäre ein russischer Bomber unentdeckt über das Land und die Hauptstadt geflogen. Dass wir darauf nicht reagieren, ist wirklich schockierend." 

Der Präsident in spe, Joe Biden, hat sich im Gegensatz zu seinem Vorgänger klar positioniert. "Meine Administration wird Cybersicherheit in jedem Regierungsbereich zu einer Top-Priorität machen", erklärte er in einem Statement. Man werde mit mehr Partnerschaften und Investitionen in die Infrastruktur die Sicherheit in den Behörden und Ministerien deutlich erhöhen. Er werde sich einen solchen Angriff nicht gefallen lassen, erklärte Biden. An wen sich diese Aussage richtet, dürfte klar sein.

Quellen:Politico, Business Insider, The Independent, CISA


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