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Fiese Betrugsmasche: Abzocke mit 5G-Panik: 390-Euro-Gerät verspricht Strahlenschutz – und entpuppt sich als USB-Stick

Viele Menschen haben eine diffuse Angst vor dem neuen Mobilfunkstandard 5G. Eine Firma nutzt das gerade gnadenlos aus. Mit einem USB-Dongle sollen sich die Verunsicherten schützen. Doch in der teuren Hülle steckt etwas völlig banales.

Den neuen Mobilfunkstandard 5G empfinden manche Menschen als bedrohlich 

Den neuen Mobilfunkstandard 5G empfinden manche Menschen als bedrohlich 

Getty Images

Es ist wie so oft bei neuen Technologien: Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G kommt auch die Angst davor. Obwohl auch zahlreiche Studien keine Schädlichkeit des neuen Standards nachweisen konnten, gehen viele Menschen dagegen auf die Barrikaden. Der "5G Bio Shield" behauptet, die vermeintlich fiese Strahlung abwehren zu können. Doch dahinter steckt eine billige Abzockmasche.

Das zeigte eine Untersuchung des Trading Standards, der britischen Normungs-Behörde. Sie hatten den vermeintlichen 5G-Schutz untersucht - und kamen zu einem klaren Ergebnis: Der untersuchte Stick sei nichts anderes als ein herkömmlicher USB-Speicher mit einem kleinen Aufkleber. "Wir betrachten es als Betrugsmasche", sagte der Behördenleiter Stephen Knight der "BBC".

Billig-Technik mit magischer Wirkung

Auf der Seite des Hersteller klingt das sehr anders. Die inklusive Mehrwertsteuer für 350 Pfund (entspricht etwa 387 Euro) angebotenen Sticks sollen gar Wunderbares leisten. Mit einer "holografischen Nano-Layer-Technologie" könne man die "unbalancierten elektrischen Schwingungen von elektromagnetischem Smog wieder ausgleichen", behauptet die Seite. Dazu müsse man den Stick nicht mal einstecken: Einfach herumgetragen, soll das Gerät auch ohne jegliche Stromversorgung schon einen Kreis mit einem Radius von vier Metern umwandel. In eine Stromquelle gesteckt, könne man schon einen Radius von 20 Metern und damit ein ganzes Haus schützen, so die Behauptung.

Wie genau die vor allem mit esoterischen Schwammbegriffen beschriebene Technik funktioniert, wollen die Hersteller aber lieber nicht verraten. Man habe Unmengen an wissenschaftlichen Belegen dafür, aber könne aus Geheimhaltungsgründen "natürlich" nichts dazu verraten, redete die Firmengründerin gegenüber der "BBC" heraus. Den Testern spricht sie schlicht die Qualifikation ab. "Sie haben offensichtlich die Hintergründe nicht ernsthaft recherchiert", so die patzige Erklärung.

Der "5G Bioshield" entpuppte sich im Labor als gravierter USB-Speicher

Der "5G Bioshield" entpuppte sich im Labor als gravierter USB-Speicher

128-MB-Stick mit teurem Aufkleber

Schaut man sich die Ergebnisse der Tradings-Standard-Analyse an, ahnt man warum man auf technische Erklärungen lieber verzichtet. Einmal geöffnet, stellte sich der 5G-Schild wenig spektakulär als herkömmlicher USB-Speicher mit 128 MB Platz für Daten heraus. Der einzige Unterschied zu einem identisch aussehenden 5-Pfund-Modell auf chinesischen Plattformen sei ein kleiner Aufkleber, erklärte der mit dem Test beauftragte Sicherheits-Dienstleister Pen Test Partners.

"Nun, wir sind keine Experten für 5G-Quantentechnik, aber der Sticker sieht bemerkenswert solchen ähnlich, die man im Einzelhandel für einen Cent bekommt", fasste Tester Ken Munro der "BBC" seine Erkenntnis trocken zusammen. Die Behörde hat sich nach der Untersuchung an die Polizei gewandt. Sie versucht, die Webseite des Unternehmens als Betrugsmasche vom Netz zu nehmen. Wie viele Menschen auf die Masche hereinfielen, ist nicht bekannt.

Quelle: BBC

mma
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