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Antibetrugsinitiative: Die Rute für die Phisher

Interpol und Microsoft blasen zur Jagd auf Phishing-Betrüger. Mehr als 100 Fälle sollen zügig verfolgt sowie neue Internetadressen überprüft werden. Und Sicherheitslöcher in Microsoft-Produkten müssen auch noch gestopft werden.

Seitdem es Banken gibt, versuchen Betrüger mit fast allen Mitteln an das Geld auf den Konten heranzukommen. Doch erst seitdem das Internet im großen Maßstab für die Abwicklung von legalen Finanzgeschäften genutzt wird, gehören diese Betrugsversuche fast zum Alltag der Bankkunden. Allein der Onlinedienst AOL fängt derzeit täglich fünf Millionen "Phishing"-E-Mails ab, mit denen Cyber-Kriminelle versuchen, die Zugangsdaten und Transaktionsnummern für Finanzdienste, Online-Shops und andere E-Commerce-Angebote abzufischen.

"Phishing hat im vergangenen Jahr extrem zugenommen", sagte Neil Holloway, Präsident von Microsoft Europa, in Brüssel auf einem Workshop der Vereinigung der europäischen Internet-Serviceprovider, EuroISPA. Während Anfang 2005 rund 2500 Phishing- Websites bekannt gewesen seien, die beim Cyberbetrug eingesetzt werden, waren es am Jahresende schon 7500.

Microsoft will nun zusammen mit der internationalen Polizeiorganisation Interpol und anderen Strafverfolgungsstellen den "Phishern" häufiger das Handwerk legen: Noch in diesem Monat wird der Softwarekonzern 53 Zivilklagen einreichen oder Strafanzeigen stellen, darunter gegen vier mutmaßliche Betrüger aus Deutschland. Bis Ende Juni soll in mehr als 100 Fällen gegen mutmaßliche Cyber-Kriminelle in Europa vorgegangen werden.

Microsoft muss sich auch selbst schützen

Microsoft geht es dabei letztlich auch um das eigene Geschäft, denn die Online-Betrüger bedrohen nicht nur die Internet-Anwender in aller Welt, sondern auch die Aktivitäten des Softwaregiganten. "Die Leute wollen das sicherste Betriebssystem und den sichersten Web- Browser", sagte Holloway der DPA. "Wenn wir das nicht bieten, gehen sie langfristig woanders hin."

Microsoft will auch dazu beitragen, dass entlarvte "Phisher" sich dann tatsächlich vor Gericht verantworten müssen. Bislang hätten lediglich in Frankreich zwei Passwort-Fischer vor Gericht gestanden. In vielen anderen Fällen hätten die Beweise nicht ausgereicht. Das soll nun anders werden, denn der Softwarekonzern will Polizei und Staatsanwaltschaft dabei helfen, die Beweise gerichtstauglich zu sichern.

Kehren vor der eigenen Haustür

Letztlich muss Microsoft aber auch vor der eigenen Haustür kehren. In der Vergangenheit hatten Cyber-Kriminelle immer wieder Sicherheitslücken im führenden Web-Browser Internet Explorer ausgenutzt. Mit der neuen Version IE 7 führte Microsoft nun ein spezielles Anti-Phishing-Tool ein, das dem Anwender helfen soll, verdächtige Websites zu erkennen. "Wir müssen aber auch die Menschen noch intensiver über mögliche Gefahren aufklären, damit sie das Internet weiterhin sicher nutzen können", sagte Holloway.

Christoph Dernbach/DPA / DPA
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