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Raubkopien Anwalt sitzt wegen Abzock-Abmahnungen im Knast – und lockt von dort Porno-Streamer in die Falle

Bei Online-Pornos sind Urheberrechtsverletzungen an der Tagesordnung
Bei Online-Pornos sind Urheberrechtsverletzungen an der Tagesordnung
© Marcos Calvo / Getty Images
Mit einer fiesen Masche lockte der US-Anwalt Paul Hansmeier Streamer in die Abmahn-Falle. Dann wurde er dafür 14 Jahre ins Gefängnis gesteckt. Doch das hält ihn vom Weitermachen nicht ab.

Es war ein klares Urteil: Weil er Internetnutzer mit einer Abmahn-Masche ausgenommen hatte, sitzt Paul Hansmeier aktuelle eine lange Haftstrafe ab. Jetzt ist der ehemalige Anwalt, der im Rahmen seiner Verurteilung auch seine Zulassung verlor, zurück im Geschäft. Doch seine aus dem Knast dirigierte neue Masche soll nicht nur Geld in die Kasse spülen. 

Dabei ähnelt sie Hansmeiers alter Methode extrem. Der findige Ex-Anwalt beschränkt sich nämlich nicht darauf, vermeintliche Urheberrechtsverstöße aufzudecken und dann abzumahnen. So, wie es eben die ganze Branche eine Zeit lang tat. Hansmeier ging noch zwei Schritte weiter: Statt wie andere Anwälte die Urheberrechtsinhaber zu vertreten, drehte er lieber eigene Pornoclips – an denen er dann selbst die Rechte hatte. Aber er wartete nicht, bis jemand seine Clips zum Download anbot. Sondern verbreitete sie einfach selbst über die Torrent-Technologie. Kein Wunder, dass viele in die Falle tappten. Mit den Abmahnungen und den daraus resultierenden Vergleichen nahmen er und sein Partner Millionen ein.

Alte Masche mit neuem Ziel

Und auch bei seinem neuen Versuch setzt er auf die vertraute Methode. Wieder lud er über einen Partner einen Porno-Clip hoch, an dem er die Rechte hatte. Und fand schnell einen Downloader. Doch die laut "Torrent Freak" nun eingereichte Klage richtet sich nicht nur gegen einen als "John Doe" (entspricht etwa Max Mustermann) bezeichneten Beklagten. Stattdessen nennt die Klage die Staatsanwältin des Bundesstaates Minnesota, Erica MacDonald, als Nebenbeklagte. Sie soll vom Gericht untersagt bekommen, Hansmeier für die Klage zu belangen, verlangt er. Der Abmahner will so verhindern, für seine Masche erneut Ärger zu bekommen.

Doch es könnte noch einen weiteren Hintergrund geben. Würde das Gericht die Klage zulassen und gleichzeitig der Staatsanwaltschaft das Eingreifen verbieten, würde Hansmeiers Masche in gewissem Sinne legitimiert – und er könnte sich in Berufungsverfahren für seine Gefängnisstrafe darauf berufen, spekuliert "Torrent Freak". Auch Staatsanwältin MacDonald scheint das zu befürchten. Sie forderte das Gericht entsprechend auf, das "kunstvolle Flehen" Hansmeiers abzulehnen – weil er nicht glaubhaft machen könne, dass ihm tatsächlich eine Strafe für seine Klage drohe. Zudem verstoße sein Versuch, mit einer zivilen Klage ein Strafurteil anzugreifen, gegen geltendes Recht, so MacDonald.

Ob Hansmeier mit der Klage durchkommt, wird sich zeigen müssen. Anders als sein ehemaliger Partner John Steel hat er offenbar bis heute nicht eingesehen, dass die gemeinsame Masche nicht in Ordnung ist. Schon im Sommer versuchte er, über Justizminister William Barr in einer ähnlichen Klage eine andere Entscheidung zu seinem Fall zu erreichen. Auch diese wurde abgelehnt. Seine Uneinsichtigkeit hat ihn überhaupt erst in die aktuelle Lage gebracht. Während Steel sich reuig zeigte, blieb Hansmeier eisern dabei, dass seine Taten nicht falsch seien. Das Ergebnis: Er erhielt die volle Strafe von 14 Jahren Gefängnis. Bei Steel waren es nur fünf.

Quelle:Torrent Freak, Klageschrift


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