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Aufruf des Papstes außer Kontrolle: Das Problem mit den Twitter-Schäfchen

Mit einem eigenen Twitter-Account wollte der Papst die Jugend für sich gewinnen. Den größten Zulauf gibt es allerdings von Witzbolden, "Star Wars"-Fans und anderen Häretikern.

Von Sophie Albers

Eine Frage vorweg: Sind bei 1,181 Milliarden Mitgliedern im Club 500.000 Follower wirklich ein großer Erfolg? Eine Milliarde sind Tausend Millionen, und gerade mal eine halbe Million Katholiken aus aller Welt haben sich dem Papst auf dessen internationalem Twitter-Account angeschlossen. Auf der deutschen Seite sind es 14.932 Follower bei rund 24,5 Millionen Katholiken im Land.

Auch wenn viele Papstanhänger wahrscheinlich gar nicht wissen, was Twitter eigentlich ist, ist die Ausbeute zumindest nicht spektakulär zu nennen. Im Vergleich: Lady Gaga hat gerade die 30-Millionen-Follower-Grenze geknackt. Dieses Zahlenspiel ist aber das geringste Problem der katholischen Kirche auf ihrem Ausflug ins digitale Zeitalter. Schwerer wiegt die Naivität, mit der der Papst sich gerade dem Netz-Geläster preisgibt.

Gewaltige Portion Weltfremdheit

Denn die und eine gewaltige Portion Weltfremdheit waren es wohl, die den Vatikan zu #askpontifex inspiriert haben. Unter diesem Hashtag können Twitter-User dem bisher Tweet-losen Kirchenoberhaupt ungehindert Fragen stellen. Am 12. Dezember will er dann ein paar ausgewählte Fragen des Glaubens in einer Live-Twitter-Session beantworten. Die Frage wird allerdings sein, ob er die Glaubensfragen überhaupt zusammenbekommt. Denn #askpontifex ist komplett außer Kontrolle geraten.

Mit größter Spiellust haben sich Witzbolde aller Art auf #askpontifex gestürzt und übertreffen sich in Papst-Witzen und -Beleidigungen. Ein paar Papst-Verteidiger oder auch ernsthafte Kritiker der Kirchenskandale gehen auf der unfreiwlilligen Spielwiese eher unter.

Was ist mit dem Imperator?

"Hey Ratze, was geht ab?", fragt etwa Sebastes Marinus. Gen JC Christian will wissen, warum Männer Brustwarzen haben. Und Mediadaily bittet, diese Aussage zu bestätigen: Merkel sagt, Gott habe die FDP nur erschaffen, um uns zu prüfen. James Hunt fragt, ob Gott einen Felsen herbeizaubern könne, er so groß sei, dass er ihn selbst nicht heben könne. Worldpotato will wissen, welches Smartphoe und welche App der Papst eigentlich benutzt. Und Brian Botti stellt die Frage aller "Star Wars"-Fans: "Was halten Sie von Ihrer Ähnlichkeit mit dem Star-Wars-Charakter Imperator Palpatine?"

Und während Etienne van Bingen sich fragt, wie lange man in der Hölle schmort, wenn man auf Twitter den Papst verarscht, zieht Muriel Sowden den Schluss, dass eben dieser Fragen-Strom zeige, wie nötig die Welt Jesus Christus brauche. Martin Dowideit sieht die Sache dagegen positiv: "Wenn das kein viraler Knaller wird, dann weiß ich es auch nicht."

Die spannendste Frage von allen ist aber, was der Papst der Netzgemeinde am 12. Dezember für Antworten beschert.