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Aus Protest gegen homophobe Gesetze Facebook-Nutzer werden "Gay for a Day"


Um gegen homophobe Gesetze in Indien und auch in anderen Ländern zu protestieren, ändern viele Menschen ihre Facebook-Profilbilder und präsentieren sich küssend mit dem gleichen Geschlecht.
Von Ellen Ivits

Erst seit Kurzem ist gleichgeschlechtlicher Sex in Indien wieder ein Verbrechen. Das oberste Gericht des Landes hat ein Strafgesetz aus der Kolonialzeit wieder für gültig erklärt und damit eine Entscheidung einer unteren Instanz aufgehoben, die 2009 festgelegt hatte, einvernehmlicher Sex zwischen homosexuellen Erwachsenen sei keine Straftat.

Aus Protest gegen das homophobe Gesetz rief der Facebook-User Tanmay Sahay die Aktion "Gay for a Day" ins Leben. Auf Facebook erstellte er ein Event und forderte die Nutzer auf, ihre Profilbilder zu ändern. Auf den neuen Fotos sollten die Unterstützer eine Person des gleichen Geschlechts küssen, um so ihre Solidarität mit den Homosexuellen in Indien und allen anderen Ländern, wo sie diskriminiert werden, zu demonstrieren.

Innerhalb weniger Tage gewann die Protestaktion mehrere Tausend Anhänger, Hunderte Menschen änderten ihr Profilbild und zeigten sich schmusend und knutschend mit ihren besten Freundinnen, Kumpels und Partnern. Mittlerweile verfügt die Initiative von Sahay über eine feste Facebook-Plattform. Auch andere soziale Netzwerke griffen diese Protestform auf. Auf Twitter und Instagram bekunden Menschen aus der ganzen Welt auf diese Weise ihre Unterstützung für homosexuelle Paare.

Doppelmoral von Facebook

Allerdings sind nicht alle User so tolerant. Nachdem der DJ und Sänger Kanwar Anit Singh Saini ein Foto auf seiner Facebook-Fanseite hochgeladen hat, wo er seinen Lebensgefährten küsst, reagierten viele Nutzer empört. Kurz darauf löschte Facebook das Bild mit der Begründung, dass es gegen die Firmenrichtlinien und Grundsätze verstößt. Der Account von Saini wurde für zwölf Stunden gesperrt. Auf Twitter richtete er die folgende Nachricht an Facebook: "Leute, ihr stinkt. Homophobe Trottel haben sich hasserfüllt und gewalttätig verhalten, warum löscht man nicht ihre Posts?"

Auch viele andere Nutzer kritisieren Facebook für seine Doppelmoral. Ein Nutzerin twitterte: "Facebook hat seltsame, sich widersprechende Grundsätze, verbannt einen Kuss, aber erlaubt Posts mit wirklich verstörenden Grausamkeiten etc."

Das Löschen des Bildes hat jedoch nichts genützt. Das Foto kursiert durch das Netz. Mittlerweile verteilen hunderte Menschen es auf anderen sozialen Plattformen.


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