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Bit.ly & Co.: URL-Verkürzer werden immer schlauer

Kurz-URL-Dienste dampfen lange Internetadressen ein. Die technisch relativ schlichten Datenbanken werden zunehmend intelligenter und bieten interessante neue Hilfsmittel für Twitterer und Webseiten-Betreiber.

Besonders rege ist der erst im Mai 2008 gestartete Dienst bit.ly, der bis Dezember vergangenen Jahres davon profitierte, dass er von Twitter für das Verwenden von URLs verwendet wurde. Inzwischen stehe bit.ly aber auf eigenen Beinen, versicherte der Vorstandschef der Betreiberfirma Betaworks, John Borthwick, auf der Twitter-Konferenz Chirp in San Francisco. "Bit.ly ist das Tracking-Werkzeug, das von vielen, vielen Menschen verwendet wird, um zu sehen, wie oft auf einen Tweet oder einen Facebook-Link geklickt wurde", schrieb Borthwick danach in seinem Blog.

Wenn man sich kostenlos bei bit.ly registriert, verwaltet der Dienst die Zeitleiste aller verkürzten URLs. Bit.ly eignet sich somit auch als ein Mittel zur Verwaltung von Lesezeichen im Netz. Mit Hilfe von RSS gibt es zudem die Möglichkeit, diese Zeitleiste mit gekürzten URLs in andere Websites zu integrieren.

Weil die Datenbank registriert, wie oft eine verkürzte Adresse aufgerufen wurde, um die Anfrage an das eigentliche Ziel weiterzuleiten, zeigt bit.ly auch Statistiken zur Verwendung der Kurz-URL an. Auch werden die Tweets aufgelistet, in denen die Kurz-URL auftaucht. Auf diese Weise bietet bit.ly einen guten Überblick über die Resonanz eines Blog-Eintrags oder einer anderen Webseite.

Täglich 150 Millionen Klicks auf bit.ly-Links

Statt der kryptischen Kurzform einer Internet-Adresse kann man bei bit.ly auch einen aussagekräftigeren Begriff wählen, der dann der Hauptadresse bit.ly angehängt wird. Weil viele Begriffe schon besetzt sind, muss man dabei etwas kreativ sein und zum Beispiel zwei Begriffe mit einem Unterstrich verbinden.

Der bit.ly-Dienst wird laut Borthwick jeden Tag mehr als 150 Millionen Mal genutzt. Davon entfalle inzwischen nur noch ein geringer Bruchteil auf Twitter. Das ist wichtig für den Erfolg von Borthwicks Projekt, weil Twitter auf seiner Konferenz die Absicht erklärt hat, einen eigenen Kurz-URL-Dienst zu entwickeln.

Mit Hilfe von Browser-Plugins gibt es bei bit.ly die Möglichkeit, das Layout einer Website zu einer verkürzten Adresse vorab anzuzeigen. Dies trägt den Bedenken Rechnung, dass man der verkürzten Adresse nicht ansieht, welche Seite sich dahinter verbirgt. Allerdings führen die geschrumpften Internet-Adressen von Kurz-URL-Diensten offenbar seltener zu schädlichen Inhalten als befürchtet. Aus einer Studie der US-Firma Zscaler geht hervor, dass 0,06 Prozent der Kurz-URLs zu Webseiten mit bösartigem Code führen.

Goo.gl erstellt QR-Codes

Sehr viel weniger bekannt als bit.ly ist der im Dezember vergangenen Jahres eingeführte Kurz-URL-Dienst von Google mit der Bezeichnung goo.gl - das Internet-Unternehmen nutzt dafür die Landeskennung von Grönland, während bit.ly virtuell in Libyen beheimatet ist. Verfügbar ist goo.gl nur über die Google-Toolbar für Firefox und Internet Explorer sowie als Plugin für den Google-Browser Chrome. Eine allgemein verfügbare Web-Anwendung gibt es noch nicht.

Bislang bietet der Google-Verkürzer nicht viel mehr als die Basisfunktionen eines Kurz-URL-Dienstes. In einem Twitter-Beitrag wies Google-Entwickler Matt Cutts nun darauf hin, dass goo.gl nun auch automatisch QR-Codes erstellen kann. Das sind kleine Schwarz-Weiß-Grafiken mit der Funktion eines Strichcodes. Wird die Grafik von einer Kamera eingescannt, kann der darin codierte Inhalt gelesen und interpretiert werden.

QR-Codes sind ein Ansatz, um die Kluft zwischen Print und Online zu überbrücken: So können diese Grafiken in einer Zeitung oder auf einem Plakat mit dem Handy aufgenommen werden, das dann die darin enthaltene Internetadresse aufruft. Die Tageszeitung "Welt Kompakt" nutzt QR-Codes seit November 2007; täglich soll es in jedem Ressort mindestens einen dieser Codes geben. Bewährt hätten sich vor allem Links zu Youtube-Videos und zu Service-Seiten, erklärt Redakteur Jürgen Stüber. Die Nutzung sei allerdings überschaubar, mehr als 1000 Klicks seien die Ausnahme.

Der QR-Code zu einer Kurz-URL von goo.gl wird ganz einfach erstellt, indem diese zusammen mit der Erweiterung ".qr" aufgerufen wird. Die URL wird so mit einer Anwendung verknüpft, die aus der Internet-Adresse den grafischen Code erzeugt. Ein ähnliches Verfahren nutzt Google auch schon für seinen Geocodierer, und es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich weitere URL-Anwendungen vorzustellen.

Peter Zschunke/APN / APN
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