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Doku-Soap "Die Rekruten": Diese Serie soll die Bundeswehr cool machen

Die Bundeswehr ist fieberhaft auf der Suche nach Nachwuchs - und geht dabei neue Wege: Eine Doku-Soap auf Youtube soll die Grundausbildung attraktiv machen. Das ruft aber auch Kritik hervor.

Stillgestanden! Die Rekruten müssen sich nach der Größe geordnet aufstellen.

Stillgestanden! Die Rekruten müssen sich nach der Größe geordnet aufstellen.

Am Anfang fließen gleich Tränen. Julia Weißhuhn, 18 Jahre alt, hat ihren ersten Tag bei der Bundeswehr - und muss sich zu Beginn von ihren Piercings trennen. Der Ausbilder lässt sich nicht erweichen: "Das ist hier einfach so." Im Hintergrund ist dramatische Musik zu hören. Den Start ihrer Armeelaufbahn hatte sich die Thüringerin so wohl nicht vorgestellt.

Julia ist eine von zwölf Rekruten zwischen 18 und 37 Jahren, die die Webserie "Die Rekruten" drei Monate lang durch ihren Alltag begleitet. Seit dem 1. November stellt die Bundeswehr auf ihrem Youtube-Kanal täglich neue, vier bis sieben Minuten lange Folgen bereit, in denen junge Soldaten in der Kaserne bei ihrem Dienst begleitet werden. "Die vielleicht härtesten drei Monate deines Lebens?", so wirbt die Armee für ihr neues Format.

Harter Umgangston in der Kaserne

Im Stil einer Doku-Soap wird gezeigt, wie die Neulinge ihre Anfangszeit bei der Bundeswehr meistern - von der Anreise in die Kaserne über die Einkleidungskammer ("Ich weiß nicht, welche Hosengröße ich habe") bis zum Wecken um 4.50 Uhr am Morgen. Die einen wollen nach dem Abitur ein Abenteuer erleben, die anderen erhoffen sich einen Neustart ins Berufsleben. Den Großteil der Serie drehen die Protagonisten aus Parow in der Nähe von Stralsund selbst, mit Handys und Selfiesticks.


In den ersten Folgen müssen die Nachwuchssoldaten sich zunächst vor allem an die Disziplin, das frühe Aufstehen und den ungemütlichen Umgangston in der Kaserne gewöhnen. Ein lockeres "Alles klar" wird von den Vorgesetzten mit einem barschen "Das heißt Jawohl" gekontert. 

Bundeswehr braucht neues Personal

Im Laufe der Zeit soll die Serie auch Zivilisten einen Einblick in den Grundwehrdienst geben - und so möglichst viele junge Zuschauer für die Bundeswehr begeistern. Denn der Armee fehlen nach Jahren des Personalabbaus und insbesondere der Aussetzung der Wehrpflicht Soldaten. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat deshalb im Mai die "Trendwende Personal" ausgerufen und angekündigt, bis 2023 14.300 neue Soldaten und 4400 zivile Mitarbeiter einstellen zu wollen.

Zu diesem Ziel wirbt die Bundeswehr schon länger im Rahmen einer großangelegten PR-Offensive für die Karrieremöglichkeiten bei der Armee - verstärkt auch im Internet und insbesondere in sozialen Netzwerken, um junge Menschen zu erreichen. Dazu gehört auch "Die Rekruten": Der Nachwuchs soll für den Grundwehrdienst gewonnen werden. "Da können die Leute dann auch mal sehen, dass es gar nicht so schlimm ist, wie immer gesagt wird", sagt Rekrut Daniel Wittwer in der Serie und fasst damit wohl die Absicht der PR-Strategen ganz gut zusammen.

PR-Offensive in der Kritik

Doch die Kampagne trifft auch auf Kritik. 1,7 Millionen Euro lässt sich das Verteidigungsministerium die Serie kosten- viel Geld, das einige Politiker lieber in Ausrüstung und Unterkünfte investiert sähen. Außerdem würden Tod und Auslandseinsätze ausgespart. Auch diese Themen gehörten zum Soldatenleben, argumentieren Kritiker, und werfen der Bundeswehr vor, den Nachwuchs mit attraktiv produzierten Kampagnen in die Irre zu führen. "Werbefilmchen fürs Sterben im Ausland braucht niemand", sagt der Linken-Politiker Peter Ritter.

Die Bundeswehr hält dagegen: "Es ist uns wichtig, auch die Schwierigkeiten, persönlichen Momente und kritischen Fragen zu zeigen, wir wollen einen transparenten Einblick in die ganze Grundausbildung geben", antwortet das Social-Media-Team auf einen kritischen Kommentar zu "Die Rekruten" auf Youtube. Man darf gespannt sein, ob und wie ausführlich diese Aspekte in den weiteren Folgen zur Sprache kommen werden.

Bis Ende Januar läuft die Serie noch. Bisher wirkt sie eher wie eine Mischung aus Le Floid und "Bauer sucht Frau". Zum Dranbleiben, gewissermaßen als Cliffhanger, soll am Ende einer Folge ein typischer Vorgesetzten-Kalauer dienen: "Drei Schalten minus zwei Schalten gleich einschalten!" Ob sich damit tatsächlich junge Menschen für die Bundeswehr begeistern lassen?


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