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Dialer: Massenabzocke durch Online-Spionage

Sie hinterlassen Adresse und Telefonnummer im Internet? Dann flattern Ihnen möglicherweise bald Rechnungen ins Haus, beispielsweise für einen "Internet-Service". Wichtig: Auf keinen Fall bezahlen.

Trotz Gesetzesverschärfung ist sie mit voller Wucht zurück, die Abzocke von Internet-Nutzern. Heimlich kriechen seit Monaten schon wieder Zehntausende illegaler Einwählprogramme, also Dialer, in die Computer ahnungsloser Telefonkunden. Ihr neuster Auftrag: Online-Spionage bei Millionen Verbrauchern. Wer in die Fänge der Dialer gerät, wird "gläsern". Ausgespäht werden Daten, Adresse, Telefonnummer. Dann kommt eine Rechnung ins Haus. Etwa über 69,95 Euro, angeblich fürs Bestellen einer Monatspauschale für einen "Internet Service", häufig ein Erotik-Angebot.

Der neueste Nepp übertrifft damit noch die Gebühren-Gaunerei der vergangenen Jahre. Viele Betroffene zahlen, oft auch aus Scham. Obwohl sie sich nicht erinnern können, jemals einen Vertrag abgeschlossen zu haben. "Ein Massengeschäft", sagt Werner Hugentobler, Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP). Allein von einer der betrügerischen Firmen seien bislang über 100.000 Rechnungen versandt worden. Den Dialern dieses Betreibers konnte mittlerweile ein Riegel vorgeschoben werden.

Ein Ende der Abzocke ist nicht in Sicht

Wie viele Telefonkunden noch ausgespäht und zur Kasse gebeten wurden - auch von anderen Drahtziehern -, lasse sich nur erahnen, meint Peter Knaak, Experte von Stiftung Warentest. "Das ist nicht das Ende der Fahnenstange", befürchtet auch Hugentobler.

Dabei müsste kein einziger der Geschädigten zahlen. "Die Zahlungsaufforderung auf der Rechnung kann man ignorieren", betont Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern. Die Spionage-Dialer seien illegal, betont auch Hugentobler. Seit 14. Dezember 2003 dürfen kostenpflichtige Einwählprogramme aufgrund der neuen Schutzgesetze nur noch über die Rufnummerngasse 0900-9 angeboten werden. Alle anderen sind rechtswidrig.

Dialer installiert sich unbemerkt

Doch genau da setzen die jüngsten Tricks an: Die Online-Spione sind nicht überteuert wie früher, sie wollen nicht auffallen. Sie sind auch nicht registriert und nutzen die vorgeschriebene Gasse nicht. Sie schleichen sich dafür über normale, unverfängliche Festnetznummern wie 069/42726998 ein. Ein Klick auf einen Button beim Surfen genügt - und schon installiert sich der Dialer unbemerkt auf der Festplatte, beendet die Verbindung und baut eine neue über die Festnetznummer auf. Zugleich zapft er die persönlichen Daten des Surfers ab.

Eine neue Dimension der Abzocke scheint damit erreicht. Die meisten der bisherigen Dialer-Warnprogramme versagen bei den Spionage-Angriffen, so die Erfahrung Sallers. Sie können die Eindringlinge gar nicht erkennen.

Vorsicht: Neue Auslandsdialer unterwegs

Die Überweisung verweigern dürfen auch Telefonkunden, die von Dialern ohne "Wegsurfsperre" über den Tisch gezogen wurden. Solche Programme versuchen ebenfalls, die neuen Schutzgesetze zu unterlaufen. Sie halten eine teure Internetverbindung auch dann noch aufgebaut, wenn der Surfer schon längst weitergezogen ist. Allein 25.000 dieser "Wegelagerer" hat die Regulierungsbehörde in letzter Zeit aus dem Netz vertrieben. Betroffene können über die Dialer-Datenbank www.regtp.de nachprüfen, ob die von ihnen genutzten Programme legal waren oder nicht. Für rechtswidrige Dialer entfällt die Zahlungspflicht.

Schwerer dürften es diejenigen haben, die einem der neuen Auslandsdialer auf den Leim gehen. Dabei werden Internet-Verbindungen zu exotischen Staaten und Südseeinseln aufgebaut. Pro angefangener Minute nach Nauru (00674-...) sind beispielsweise 1,49 Euro fällig. Schwacher Trost: Nach maximal 32 Minuten wird die Verbindung abgebrochen. Kunden, die eine solche Auslandsnummer in ihrer Telefonrechnung haben, sollten Einspruch einlegen. Der Netzbetreiber, die Deutsche Telekom, versprach zumindest Kulanz, meint Hugentobler.

Bei Problemen mit Spionage-Dialern oder anderen Tricksereien sollte man sich bei der Regulierungsbehörde (Hotline: 01805-34 25 37) oder einer Verbraucherzentrale melden.

Berrit Gräber/AP / AP / DPA