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Spott im Netz: Norwegische Faschisten halten leere Bussitze für Terroristen in Burkas

Die Mitglieder einer rechten "Anti-Zuwanderungs-Gruppe" haben sich auf Facebook zum Gespött der User gemacht. Statt sechs leerer Sitze sahen sie Ausgeburten des Terrors in einem Bus: Frauen in Burkas.

Sechs leere Bussitze

Wenn das Gehirn die Augen austrickst: Statt sechs leerer Sitze sehen norwegische Faschisten Burka-tragende Frauen im Bus – und äußern sich besorgt auf Facebook

"Was soll man davon halten?" ist ein Foto übertitelt, das in einem Bus aufgenommen wurde. Der Norweger Sindre Beyer gelangte in den Besitz der Aufnahme sowie zahlreicher Kommentare dazu und veröffentlichte mehr als 20 Screenshots davon auf seiner Facebook-Seite. Das Bild war in einer geschlossenen Facebook-Gruppe mit dem Titel Fedrelandet viktigst (etwa "Das Vaterland zuerst") gepostet worden. Und die Kommentare sind erschreckend: Die besorgten Bürger Norwegens sahen in den sechs leeren Bussitzen eine Invasion von Menschen, die Burkas tragen. Und die Angst ums Vaterland war groß.

Die scheinbare Islamisierung ihres Landes entlockte den Betrachtern des Fotos Kommentare wie "Unterdrückung von Frauen", "Das sieht wirklich beängstigend aus, Burkas sollten verboten werden. Man kann nie wissen, wer darunter steckt. Könnten ja Terroristen mit Waffen sein", "Igitt", "Tragisch" und noch viel Schlimmeres. 

Die Angst vorm Islam

"Was passiert, wenn das Bild von ein paar leeren Bussitzen in einer braunen Gruppe bei Facebook gepostet wird und fast jeder denkt, er sieht Burkas?", hatte Sindre Beyer seine zahlreichen Facebook-Freunde gefragt – und sein Beitrag wurde fast 2000 mal geteilt. Das Entsetzen über die rechte Szene in Norwegen war unter seinen Freunden groß. "Ich hoffe immer, dass solche Menschen keine Kinder haben", kommentierte eine Frau.


Der norwegischen Site "Nettavisen" sagte Beyer, dass er der rund 13.000 Mitglieder umfassenden Faschisten-Gruppe eine Weile gefolgt sei: "Ich bin schockiert darüber, wie viel Hass und Fake News dort verbreitet werden. Die Hassreden gegen leere Bussitze zeigen, wie stark Vorurteile über Klugheit siegen. Deshalb habe ich das Posting geteilt: Damit mehr Menschen sehen können, was in den dunklen Ecken des Internets vor sich geht."

Rene Berglund Steen, Leiter des Norwegischen Zentrums gegen Rassismus (Antirasistisk senter), erklärte "Nettavisen", dass die irrationale Reaktion auf sechs leere Bussitze zeige, wie schnell Menschen Schlüsse ziehen: "Die Leute sehen, was sie sehen wollen, und was sie sehen wollen, sind gefährliche Muslime. Auf gewisse Weise ist das ein interessanter Test, wie schnell sie Bestätigungen für ihre eigenen Wahnvorstellungen finden."


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bal
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