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Internet of Things "Sie gefährden die Sicherheit von Polizisten": Das FBI warnt vor smarten Sicherheitskameras

Vernetzte Sicherheitskameras sind eine Gefahr, glaubt das FBI (Symbolbild)
Vernetzte Sicherheitskameras sind eine Gefahr, glaubt das FBI (Symbolbild)
© RichLegg / Getty Images
Die Sicherheitskameras der Amazon-Tochter Ring sind in den USA enorm beliebt. In geleakten Dokumenten warnt nun die Bundespolizei FBI vor ihnen und ähnlichen Modellen. Aber aus einem anderen Grund als man zunächst erwarten würde.

Sie sind einer der großen Technik-Trends der letzten Jahre: Internet-Sicherheitskameras, oft in Verbindung mit einer Türklingel-Anlage, sollen für ein geschütztes Gefühl im eigenen Heim sorgen. Doch ganz ohne Sorgen ist die Online-Überwachung natürlich nicht. In den USA war etwa die Amazon-Tochter Ring wegen der engen Nähe zu den lokalen Polizeibehörden in die Kritik geraten. Nun warnt auch die Bundespolizei FBI vor den digitalen Türspähern - aber genau aus der anderen Richtung.

In einem gerade geleakten Paket von US-Polizeidokumenten findet sich auch ein Papier des FBI, dass sich mit den Chancen und Gefahren der internetfähigen Alltagsgeräte befasst. Das berichtet das auf die Auswertung von Leaks spezialisierte Online-Magazin "The Intercept". Vor allem die Internet-Kameras "bringen neue Herausforderungen für Ordnungshüter", heißt es in dem "technischen Analysebericht" vom November 2019. "Sie haben einen negativen Effekt auf ihre Effektivitivität und gefährden die Sicherheit der Gesetzeshüter."

Internet-Kameras als Gefahr für die Polizei

Zwar geht es in dem Bericht um Internetgeräte im Allgemeinen, die Online-Kameras stechen in dem Bericht aber besonders heraus. Vor allem die Fähigkeit der Anlagen, Bewegungen zu erkennen und vor ihnen zu warnen, ist dem FBI ein Dorn im Auge. Sie würde Verdächtige alarmieren, wenn sich die Ordnungskräfte in der Nähe auf eine Durchsuchung vorbereiten, so der Bericht. So könnten sich potenzielle Kriminelle auf die Erstürmung vorbereiten und zudem den Weg der Beamten durch das Haus verfolgen. Das sei besonders dann gefährlich, wenn es zu einer Konfliktsituation kommen würde.

In einem weiteren Beispiel nennt die US-Bundespolizei zudem die Möglichkeit der Verdächtigen, die Beamten von einem anderen Ort aus zu beobachten und dann das eigene Haus wegen der Polizeipräsenz zu meiden. Das sei etwa Anfang 2018 passiert, als Beamte einen Durchsuchungsbefehl zustellen wollten. Der Hausbesitzer war über sein Smartphone gewarnt worden, hatte dann die Nachbarn und den Vermieter informiert. Auch die Ermittlungen können erschwert werden: Viele Opfer würden die Aufnahmen der Taten in sozialen Medien teilen, bevor die Polizei sie auswerten konnte, erklärt der Bericht. So würden einerseits Verdächtige über mögliche Ermittlungen gewarnt, andererseits würden zusätzlich andere Personen durch die Aufnahmen falsch verdächtigt.

Amazon arbeitet eng mit der Polizei

Die Warnungen überraschen. Bisher war etwa Türöffner-Hersteller Ring eher aus der anderen Richtung kritisiert worden. Die Amazon-Tochter hatte mehrfach explizit betont, eng mit der Polizei zusammenzuarbeiten und sogar bei den Sicherheitskräften aktiv für die eigenen Produkte geworben. Mitarbeiter des Unternehmens hatten Beamte speziell geschult, ihnen sogar Kameras zum kostenlosen Verteilen in Wohngegenden ausgeliefert. Über ein spezielles Portal konnten die Ordnungshüter dann die Aufnahmen der Kameras abrufen, deren Besitzer sie dazu freigegeben hatten. So konnte die Polizei die Bewegung Verdächtiger verfolgen, ohne dafür Durchsuchungsbeschlüsse einfordern zu müssen. Die Maßnahmen hatten für Proteste gesorgt. 

Auch das FBI sieht die neue Technologie natürlich nicht nur negativ. Die vielen Geräte im Internet der Dinge seien auch in vielerlei Hinsicht nützlich, heißt es in dem Papier. Die positiven Beispiele überwiegen sogar deutlich, die vielen datensammelnden Geräte würden auch als "digitale Zeugen" und zur Sammlung von Beweismitteln dienen. Der Bericht nennt etwa den Mord von Freiburg, bei dem der Verdächtige auch durch sein Fitness-Armband überführt und letztlich verurteilt wurde. Auch bei der Verfolgung von Verdächtigen, dem Erkennen von Kennzeichen und für ein schnelles Bild vor Ort seien die vernetzten Geräte nützlich.

Eine der Befürchtungen der Beamten dürfte den Endnutzern daher gelegen kommen: Wegen des Widerstandes gegen die Überwachung könnten die Hersteller vermehrt dazu übergehen, die Geräte und die in der Cloud gespeicherten Daten zu verschlüsseln und sie öfter zu löschen, fürchtet das FBI. "Beide Maßnahmen würden die Arbeit der Gesetzeshüter erschweren." Zudem halten es die Beamten für wahrscheinlich, dass Firmen wie Apple die Zusammenarbeit weiter verweigern könnten, "um zu versuchen, einen Übergriff der Regierung zu verhindern und die Privatsphäre der Nutzer zu schützen." Der letzte Satz ist im Dokument klar mit einem negativen Einschlag zu lesen.

Quelle:The Intercept, FBI-Analyse


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