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Privat-Fahndung in sozialen Netzwerken: Warum Sie auf keinen Fall Fotos von G20-Randalierern bei Facebook teilen sollten

Die G20-Krawalle haben nicht nur Hamburg geschockt. In den sozialen Netzwerken werden nun viele Fotos vermeintlicher Täter geteilt und zur privaten Fahndung aufgerufen. Wir erklären, warum das nicht erlaubt ist - und sogar Strafen drohen.

Ein Facebook-Post suchte nach einem potenziellen G20-Täter

Facebook-Posts wie dieser tauchen nach dem Chaos-Wochenende von Hamburg häufiger auf - sind rechtlich aber hochproblematisch. Trotzdem werden sie tausendfach geteilt.

Am Wochenende mussten die Hamburger Bürger weitgehend hilflos zusehen, wie Chaoten unter dem Vorwand der G20-Gegnerschaft ihre schöne Stadt zerstörten. Die Reaktionen schwankten zwischen Fassungslosigkeit und Wut. Kein Wunder, dass viele etwas unternehmen wollen und etwa mit Fotos möglicher Täter bei Facebook und Co. zur Fahndung aufrufen. Das Problem: Sie machen sich damit selbst strafbar.

Fahnden darf nur die Polizei

Das ist nicht nur der Fall, weil in Deutschland die Unschuldsvermutung gilt. "Rechtlich gilt: Nur Strafverfolgungsbehörden dürfen öffentlich nach Personen fahnden", erklärt der auf Medien- und Internetrecht spezialisierte Anwalt Christian Solmecke auf Anfrage. Selbst den Behörden sind dabei klare Grenzen gesteckt: Um das Bild eines Verdächtigen oder Zeugen veröffentlichen zu dürfen, ist ein richterlicher Beschluss nötig, so Solmecke weiter.

Eine Privatfahndung ist zwar nicht per se verboten, de facto aber kaum legal möglich: Die auf den Bildern abgebildeten Personen müssten dazu persönlich der Nutzung des Bildes zustimmen, so Solmecke. Das wird in der Realität wohl nie passieren. Das Problem: Wer ohne Erlaubnis Bilder oder Videos anderer Menschen verbreitet, verstößt gegen ihre Persönlichkeitsrechte - und das ist strafbar.

Til Schweiger

Teilen als Üble Nachrede

Selbst, wer nur die Fahndungen anderer Nutzer teilt, muss deshalb mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Der Betroffene könnte die teilenden Nutzer wegen Übler Nachrede anzeigen, mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen gegen die Verbreitung vorgehen - und unter Umständen sogar Schadensersatz fordern. Zeigt er die Nutzer an, weil sie mit der Verbreitung von Bildern ohne die entsprechende Genehmigung gegen seine Persönlichkeitsrechte verstoßen, sind nach Solmecke sogar Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr möglich.

Ganz anders sieht es aus, wenn man Fahndungsaufrufe der Polizei teilt - solange man den Original-Aufruf selbst verbreitet und keinen eigenen Post anlegt. Nach erfolgreicher Fahndung werden die Aufrufe der Polizei wieder gelöscht, alle geteilten Varianten verschwinden dann ebenfalls. Hat man seinen eigenen Post erstellt, bleibt der aber erhalten. Und verstößt dann wie oben erklärt gegen die Persönlichkeitsrechte des Gesuchten.

Lieber das Polizei-Portal nutzen

Wer selbst Beweisbilder geknipst hat, sollte deshalb lieber den offiziellen Weg gehen. Die Ermittlungsbehörden sind für jeden Hinweis dankbar. Damit auch Foto- und Videomaterial ausgewertet werden kann, hat die Polizei Hamburg eigens ein Portal aufgebaut, in dem die Bürger ihr Material hochladen können. Sie finden es unter folgendem Link: http://www.hh.hinweisportal.de/.

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