Gefälschte Angebote Betrugswelle bei Ebay?


Im größten Online-Auktionshaus der Welt steht derzeit ein Heer an günstigen Technik-Artikeln aus China in den Regalen. Doch vieles an den vermeintlichen Schnäppchen deutet auf Betrug hin.
Von Maximilian Geyer

Sie heißen theo1850, ulrich3985, walter5398 oder thomas5415 und sie versteigern hochwertige Technik-Markenware zu Schleuderpreisen bei Ebay. Mindestens einhundert solcher Verkäufer, deren Mitgliedsname sich immer aus einem Vornamen und einer vierstelligen Zahl zusammensetzt, überschwemmen dieser Zeit das Online-Auktionshaus mit hunderten äußerst fragwürdiger Angebote.

Hohe Versandkosten, großes Risiko

Bei den angebotenen Artikeln handelt es sich mal um Neuware, mal um Gebrauchtes - aber immer um hochpreisige Technikartikel: DJ-Equipment, Spiegelreflexkameras, Flachbild-Fernseher...

Hochpreisig sind auch die Versandkosten. Zwischen 50 und 80 Euro soll das Porto von China nach Deutschland kosten. Bei vielen Auktionen wird der Versand sogar als "unversichert" angegeben. Kommt die Ware nie an, kann der Verkäufer die Verantwortung so leicht von sich weisen. Doch auch, wenn in der Artikelbeschreibung von versichertem Versand die Rede ist, lauern bei den fraglichen China-Artikeln Gefahren: Wie bei Ebay üblich, erfolgt die Bezahlung meist per Vorkasse. Selbst wer nur die Versandkosten im Voraus bezahlt, bleibt unter Umständen auf seinem Geld sitzen - ohne dafür die versprochene Ware zu erhalten.

Selbst wenn die Artikel tatsächlich geliefert werden sollten, besteht die Gefahr, dass es sich um defekte, minderwertige oder gar gefälschte Ware handelt. Da auf den Seiten der besagten Händler auch keinerlei Kontaktadressen angegeben sind, dürfte es im Problem-fall schwierig werden, Hilfe zu bekommen. Schon allein der fehlende Firmenname macht die Angebote unseriös: In Deutschland registrierte, gewerbliche Verkäufer sind dazu verpflichtet, solche Daten anzugeben.

Ebay-Verkäufer fürchten um den Ruf des Online-Geschäfts

Powerseller sind sauer, seriöse Ebay-Verkäufer fürchten um den Ruf des Online-Geschäfts und fühlen sich durch die unseriöse Konkurrenz bedroht. "Schwarze Schafe gibt es bei Ebay immer mal wieder. Aber so eine Flut an dubiosen Angeboten habe ich noch nie erlebt", sagt Stefan B. Mitarbeiter bei einem Elektronik-Fachhändler. Der Ebay-Powerseller listet rund einhundert Händler auf, die nach derselben Masche arbeiten und innerhalb kürzester Zeit sich im gesamten Auktionshaus ausbreiten. "Ich habe mich sofort an das Sicherheits-Center von Ebay gewandt, doch die haben mich abgewimmelt und wollten meine Liste nicht", sagt Stefan B..

Kurz nach der erstmaligen Online-Veröffentlichung dieses Beitrags am Freitagabend erreichte die Redaktion eine Stellungnahme von Ebay: "Der Sachverhalt ist uns bekannt", sagt Ebay-Pressesprecher Nerses Chopurian. Hintergrund sei eine technische Störung im Anmeldeprozess, die insbesondere aus dem asiatischen Raum zur Erstellung betrügerischer Mitgliedskonten bei Ebay genutzt werde. Nach Recherchen von stern.de reagiert der Auktionsriese: Schnellstmöglich, so verspricht die Presseabteilung, werde man alle Ebay-Mitglieder mit einer Mitteilung im persönlichen Bereich "Mein Ebay" warnen. Viele der Betrugs-Konten wurden bereits geschlossen. Doch noch ist die Gefahr nicht abgestellt: Erst "innerhalb der nächsten Wochen" sollen alle verbleibenden Störungen behoben sein, so Chopurian.

Zu billig, um wahr zu sein

Nicht ausgeschlossen jedoch, dass bis dahin weitere Ebay-Nutzer ins Netz der fragwürdigen China-Connection gegangen. An diesem Wochenende enden zahlreiche der besagten Auktionen, die auf nur einen Tag angesetzt waren. "Ich rate dringend davon ab, auf solche Auktionen zu bieten", sagt Ebay-Experte und Buchautor Andreas Lerg. "Bei Ware aus Fernost ist besondere Vorsicht geboten. Interessenten sollten das Verkäuferprofil genauestens unter die Lupe nehmen: Nicht nur die Anzahl der positiven Bewertungen spielt eine Rolle, sondern auch, wie diese erlangt wurden", sagt Lerg. Um das zu überprüfen, genügt ein Klick auf die Artikelnummern neben der Bewertung. Sollte es sich dabei ausschließlich um Kleinstbeträge handeln, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Ein weiteres Indiz für die Unseriosität der China-Angebote sind die niedrigen Preise: Obwohl die Auktionen kurz vor Schluss stehen, liegen die Gebote weit unter den üblichen Marktpreisen. Und das, so sagt Internet-Experte Andreas Lang, sollte immer skeptisch machen. "Auch bei Ebay gilt: Ist etwas zu billig um wahr zu sein, dann ist es auch nicht wahr."

Die Profile der unterschiedlichen Mitglieder sind auffällig ähnlich: Obwohl als Artikelstandort stets China oder Honk Kong angegeben werden und die Beschreibung oft auch auf Englisch verfasst ist, sind die Verkäufer in Deutschland oder Österreich registriert - meist schon seit einigen Monaten. Dennoch weisen sie nur wenige Bewertungen auf. Und die sind, innerhalb kürzester Zeit, erst in den letzten Tagen zustande gekommen. Zwar sind es ausschließlich positive Bewertungen - doch, und das ist besonders verdächtig, sie stammen allesamt von Verkäufern bei denen die chinesischen Ulrichs und Theos Waren für läppische Cent-Beträge ersteigert haben. Zum Beispiel elektronische Bücher mit Rezeptsammlungen. Vermutlich Scheinkäufe, um schnell und billig an positive Bewertungen zu gelangen, die für einen seriösen Eindruck sorgen sollen.


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