Internet-Notruf Kripo fordert 110 fürs Web


Die Kriminalpolizei fordert eine Notrufsäule im Netz, mit der Websurfer sofort per Knopfdruck Alarm schlagen können, wenn ihnen rechtswidrige Inhalte begegnen. Es gibt allerdings Zweifel, ob dieses Verfahren in der Praxis funktionieren kann.

Zur besseren Bekämpfung von Online- Verbrechen fordern die deutschen Kripo-Beamten ein Notrufsystem für das Internet. "Um die Internet-Kriminalität in den Griff zu bekommen und die Sicherheit für die Nutzer zu erhöhen, schlagen wir ein Notrufsystem im Internet, eine 110 im Netz, vor", sagte Klaus Jansen, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Dafür sei bereits ein Projekt namens "webpatrol" erarbeitet worden. Internetnutzer haben damit einen elektronischen Notrufknopf zur Verfügung. Surfen sie auf einer verdächtigen Seite, müssten sie nur noch den Knopf anklicken und schon würden die Daten der Internetseite automatisch an eine Leitstelle gesendet, in der Experten die Sicherheit der Internetseite bewerten könnten. "So könnten beispielsweise Aufrufe zu einem Amoklauf oder kinderpornografische Inhalte frühzeitig gemeldet werden", sagte Jansen. Er forderte zudem mehr speziell ausgebildete "Cyber Cops" in jeder Ermittlungsstelle.

Im Bundesinnenministerium seien die Vorschläge der Ermittler bekannt und würden diskutiert, erklärte das Innenministerium gegenüber der Rheinischen Post. Eine "abschließende Bewertung" gebe es aber noch nicht – das Projekt wurde vom BDK der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen im Juni vergangenen Jahres vorgelegt.

Längst bekannte Kritik

Schon bei der Vorstellung des Konzepts im vergangenen Jahr wurde die Idee des Notrufknopfs kritisiert, unter anderem von der Piratenpartei und einem Elternverband. Der Notrufmechanismus fördere Bagatellmeldungen, die geprüft werden müssten. Außerdem erfordere die schnelle Bearbeitung der Meldungen einen sehr hohen Aufwand, sagte Simon Lange, Sprecher der Piratenpartei, im vergangenen Oktober. André Kind, Vorsitzender des Vereins Eltern ans Netz, schätzte den zur Abarbeitung der Meldungen nötigen Aufwand ebenfalls als "hammerhart" ein: "Da müsste die Polizei lange nachsitzen."

DPA/san DPA

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