Internet Youtube bittet um Geduld

Noch hat sich für Google der Kauf von Youtube nicht gelohnt, die Werbeumsätze erfüllen nicht die Erwartungen. Künftig will das Onlineportal mit kompletten TV-Sendungen mehr Zuschauer und damit auch mehr Werbekunden locken. Youtube-Gründer Chad Hurley bittet um mehr Zeit.
Von Lutz Knappmann, Cannes

Trotz bislang geringer Werbeumsätze sieht sich Chad Hurley, Gründer und Chef von Youtube, nicht unter Zeitdruck. Das Online-Videoportal gehört seit 2006 dem Internetkonzern Google und kämpft um Profitabilität.

"Es gibt keine Vorgabe von Google, wie schnell wir unsere Werbeerlöse steigern sollen", sagte Hurley im FTD-Interview. "Als wir bei Google an Bord kamen, haben sie uns gesagt: ,Konzentriert euch darauf, das Netzwerk und seine Reichweite auszubauen.‘ Das tun wir", so Hurley. "Das heißt nicht, dass wir die Frage der Erlöse außer Acht lassen."

Langfristig sieht Hurley in der Vermarktung von Onlinevideos eine Chance für den Werbemarkt. "Die Zahlen wirken heute noch sehr klein. Aber wir sind auch erst seit drei Jahren dabei. Andere Werbegeschäfte hatten viel mehr Zeit, sich zu entwickeln", sagte der 31-Jährige. Bis 2013 rechnet Hurley mit einem Marktvolumen von mehr als 5 Millarden. Dollar.

Google hatte für Youtube vor zwei Jahren rund 1,6 Millarden. Dollar (1,2 Millarden. Euro) bezahlt - und Hurley und seinen Mitgründer Steve Chen damit über Nacht zu Internetmilliardären gemacht. Bislang hat der Suchmaschinenbetreiber mit dem Videoportal allerdings nicht viel verdient. Zu Zahlen äußerte sich Hurley nicht. Schätzungen beziffern Youtubes Jahresumsatz auf weniger als 200 Millionen Dollar.

Dabei erzielt die Clip-Plattform enorme Reichweiten. Im April zählte sie alleine in den USA rund 72 Millionen Nutzer, die monatlich rund drei Milliarden Videos anschauen. Weltweit ist die Nutzerschaft um ein Vielfaches höher. Pro Minute, so rechnet das Unternehmen vor, laden die Nutzer rund um den Globus 13 Stunden Videomaterial hoch.

Von Google waren zuletzt kritischere Töne zu hören: In einem Interview mit dem US-Sender CNBC sagte Konzernchef Eric Schmidt, die wichtigste Aufgabe sei, die Reichweite von Youtube nun in Erlöse umzumünzen. "Wir haben die perfekte Lösung, damit Geld zu machen, noch nicht gefunden. Aber wir arbeiten daran", sagte Schmidt.

E-Commerce soll helfen

Der erfolgsverwöhnte Internetgigant sucht weitere Erlösquellen. Denn nach dem Platzen der geplanten Werbekooperation mit Yahoo rollt nun auch noch die Finanzkrise auf den Konzern zu. Verwerfungen auf dem Werbemarkt bekäme Google unmittelbar zu spüren.

"Bislang experimentieren wir noch. Wir lernen, wie die Menschen mit der Werbung umgehen und auf sie reagieren, welche Werbeformen und Platzierungen sie akzeptieren", sagte Hurley. "In den nächsten Quartalen stellen wir einige Innovationen vor", kündigte er an. "Wir werden sicher in Zukunft die Stärken von Google ausspielen."

Helfen soll zudem der Schritt in den E-Commerce: "Wir öffnen uns auch für den Handel, beispielsweise mit unserer gerade gestarteten Zusammenarbeit mit Amazon und iTunes", sagte Hurley. Die Nutzer können dabei unter bestimmten Videos direkt auf das Angebot der Onlinehändler klicken und themenbezogene Produkte kaufen.

Einen Umschwung markiert der Deal, den Youtube vor wenigen Tagen mit dem US-Sender CBS geschlossen hat: Künftig wird das Onlineportal neben den kurzen Videoclips auch komplette TV-Sendungen anbieten. CBS stellt dabei etwa Serien wie "MacGyver" zur Verfügung, in denen Werbespots geschaltet sind. "Unsere Nutzer haben zunehmend längere Formate hochgeladen", sagte Hurley. Dass nun TV-Serien ins Angebot kommen, ist aber auch eine Reaktion auf die Konkurrenz: "Zahlreiche Internetseiten haben mittlerweile großen Erfolg mit kompletten TV-Sendungen. In diesen Bereich stecken wir deshalb jetzt besonders viel Arbeit", so der Youtube-Chef. "CBS ist der erste Fernsehanbieter von vielen, die folgen werden." Allerdings werde diese Nutzung nie dieselben Dimensionen erreichen wie Zugriffe bei kurzen Clips.

"CBS hat schon vor dem nun abgeschlossenen Deal Clips angeboten, Ausschnitte aus kommenden Sendungen. Und die Einschaltquoten sind gestiegen, wenn der Sender zuvor Videos bei uns eingestellt hat", sagte Hurley. Ähnliche Kooperationen betreibt Youtube derzeit weltweit mit Tausenden Partnern. Erst am Dienstag kam der italienische Sender Rai hinzu.

Sie entheben Youtube auch der Urheberrechtsfrage, die den Konzern seit Gründung plagt. Viele Sender und Medienhäuser wehren sich dagegen, dass Ausschnitte ihrer Produktionen ungefragt bei Youtube landen. Der Konzern Viacom klagt bereits. Als größter Anbieter von Onlinevideos "tragen wir auch die größte Verantwortung", sagte Hurley.

FTD

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