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Vom Punk zum Terror-Unterstützer: Warum diese Ex-Punkrockerin die neue Hacker-Chefin des IS werden will

Früher sang sie in einer Punkband, nun brennt sie nur noch für den Islamischen Staat. Eine 45-jährige Britin träumt davon, Chef-Hackerin der Radikalen zu werden.

IS-Hackerin Sally Ann Jones bei Facebook

Sally Ann Jones stammt aus dem englischen Kent. Nun will die 45-Jährige die Chef-Hackerin des IS werden

Es ist eine ungewöhnliche Biografie. Sally Ann Jones stammt eigentlich aus dem englischen Kent, brach die Schule ab und sang in der Punkband "Krunch". Heute lebt die 45-Jährige in Syrien und macht kräftig Propaganda für den Islamischen Staat. Nun strebt sie offenbar die Führung von deren Hacker- und Online-Rekrutierungs-Gruppe an. Das berichtet der Blog "The Daily Beast" unter Berufung auf US-Militärs. Wie kam es zu der merkwürdigen "Karriere"?

Eigentlich sind die Radikalen nicht gerade bekannt dafür, Frauenfreunde zu sein. Die sollen sich gefälligst verschleiern, nach Syrien gelockte junge Frauen werden in erster Linie zwangsverheiratet. Auch Jones heiratete in Syrien, allerdings einen Mann, den sie bereits in England kennengelernt hatte. Der in Birmingham geborene Junaid Hussein galt als einer der talentiertesten Hacker des IS, er spielt nach US-Informationen eine wichtige Rolle bei einer ganzen Reihe von Cyberangriffen und in der Rekrutierung im Internet. Als er 2013 - mit gerade einmal 19 Jahren - nach Syrien ging, folgte Jones ihm zusammen mit ihrem zehnjährigen Sohn.

Radikaler Ausnahme-Hacker

Hussein war zwar jung, aber als Hacker alles andere als unerfahren. Bereits mit 18 Jahren hackte er das Online-Adressbuch des damaligen Premiers Tony Blair und landete dafür ein halbes Jahr im Gefängnis. Auch beim IS leistete er ganze Arbeit. Die US-Geheimdienste bringen ihn mit einer ganzen Reihe von Cyberattacken in Verbindung, etwa als eine Gruppe namens "Cyber Kalifat" den Twitter-Accounts des Zentralkommandos der US-Streitkräfte übernehmen konnte.

Vor einem Monat setzten die US-Militärs seinen Angriffen ein Ende: Bei einem Luftangriff erwischten sie  Hussein - mit gerade einmal 21 Jahren. Seitdem spielt sich Jones als seine Nachfolgerin auf. Unter ständig wechselnden Twitter-Accounts posaunt sie die Propaganda des IS ins Netz. Sie ist mit Feuereifer bei der Sache, zitiert IS-Gründer Abu Bakr al Bagdadi, droht Christen mit Enthauptungen und fordert andere auf, es ihr und ihrem Mann gleichzutun und für die Sache des IS zu kämpfen.

Keine echten Karriere-Aussichten

Dass sie eines Tages ähnlich erfolgreich wird wie Hussein, darf aber bezweifelt werden. Das US-Militär geht davon aus, dass es für den IS schwer werden dürfte, einen ähnlich talentierten Hacker zu finden. Seiner Frau sprechen sie gar jedes Talent dafür ab. Sie vermuten beim IS ein ganz anderes Kalkül: Jones soll vor allem als Symbolfigur dienen und als westliche Frau für mehr Zuwachs an Gesinnungsgenossinnen sorgen. Das ist immer noch weit mehr, als eine US-Terrorexpertin ihr prophezeit. Die auf die Rolle von Frauen in Terrororganisationen spezialisierte Kommunikationswissenschaftlerin Mia Bloom erwartet eine ernüchternde Zukunft für Jones: "Vermutlich wird sie nach einer angemessenen Trauerzeit schlicht zurück in irgendeinen Schlafsaal verfrachtet, so wie andere eingeschleuste Frauen auch. Von da wird sie dann an den nächsten Kämpfer verheiratet - und alles verlieren, was sie hat."

mma