Kampf gegen Spam & Co. Ordnungshüter des Web


Der Kampf gegen Spam, Viren und Hacker wird oft im Stillen geführt. Kein Wunder: Ein Spitzentreffen der Internetbranche gewährt abschreckende Einblicke - die Kunden den Spaß am Surfen verleiden könnten.
Von Maija Palmer

Bei den Wächtern des Internets geht es geheimniskrämerisch zu. Dreimal im Jahr treffen sich Experten von Unternehmen wie Google, Yahoo, AT&T, Comcast und Verizon. Sie beraten darüber, wie man verhindern kann, dass immer mehr Spam, Viren und organisierte Hackerangriffe das Internet infiltrieren. Sprechen wollen sie über diese Treffen lieber nicht.

"Wenn bekannt wäre, worüber wir alles reden, würden einige Leute nervös werden", sagt Michael O'Rierdan, Chairman der Messaging Anti-Abuse Working Group (MAAWG), einer Arbeitsgruppe von Technologie- und Kommunikationsunternehmen. "Unser Job ist es, das Internet sicherer zu machen - aber wir wollen nicht, dass die Leute davor zurückschrecken, das Internet zu nutzen." Außerdem haben die Hüter des World Wide Web Angst, ins Visier der Internetkriminellen zu geraten, denen sie das Handwerk legen wollen.

Die meisten Spam- und Hackerangriffe gehen auf das Konto organisierter Verbrecherbanden. Einbrüche in Computersysteme, Identitätsdiebstahl und der Spammail-Versand sind zu einem eigenen kriminellen Wirtschaftszweig geworden. Dabei geht es um viel Geld. "Wir erhalten jeden Tag Drohungen", sagt Larry, der IT-Chef von Spamhaus, einer gemeinnützigen Organisation, die Spammer aufdeckt. Seinen Nachnamen will er lieber nicht nennen. "In den USA werden wir verklagt - und dann gibt es noch die organisierten Verbrecher in Russland und in der Ukraine, die mit anderen Methoden arbeiten." Dem Spamhaus-Gründer Steve Linford hat die Polizei geraten, Päckchen nur zu öffnen, wenn er genau weiß, woher sie kommen.

Kontroverse Aktionen

Bei ihren Sitzungen sprechen die Mitglieder der MAAWG auch über kontroverse Aktionen, die Internetunternehmen im Kampf gegen Spam ergreifen, indem sie etwa bestimmten E-Mail-Verkehr sperren. Bürgerrechtlern gefallen solche Methoden ganz und gar nicht.

Die 270 Delegierten aus 19 Ländern, die sich in der vergangenen Woche in einem Amsterdamer Nobelhotel trafen, hatten so gar nichts von den üblichen Teilnehmern einer Konferenz. Tätowierungen, Pferdeschwänzchen und Rucksäcke deuteten darauf hin, dass es sich hier um Leute handelte, die täglich im tiefsten Inneren des Netzwerks arbeiteten.

Normalerweise sind derlei Treffen nur geladenen Gästen vorbehalten. Doch die MAAWG beginnt, den Schleier zu lüften. Es macht sich zunehmend das Gefühl breit, dass die Branche auf die Nutzer zugehen muss, damit diese bei der Bekämpfung der Internetkriminalität helfen können.

Im Jahr 2008 wurden laut Symantec, dem Hersteller von Sicherheitssoftware, rund 349,6 Milliarden Spammails verschickt. Spam macht durchschnittlich fast 94 Prozent aller E-Mail-Nachrichten aus. Fast 90 Prozent der Spamnachrichten werden von Rechnern aus versendet, die von Hackern so manipuliert wurden, dass sie als Versender agieren.

Weltweit sind mehr als 9,4 Millionen Computer betroffen, und meistens sind sich die Besitzer dessen nicht bewusst. Es ist unmöglich, die Rechner zu säubern, ohne mit den Nutzern zu sprechen.

Große Provider beschäftigen fünf bis zehn Mitarbeiter nur für die Prüfung von Spam, schätzt O'Rierdan. Darüber hinaus müssen sie mehr Hardware kaufen, um mit dem Volumen an Junkmail fertig zu werden, Spamfiltersoftware anschaffen und Callcenter für die Kunden führen.

MAAWG-Chef Jerry Upton gibt nicht auf - aber er ist auf Unterstützung angewiesen. "Manchmal wollen wir, dass die Leute wissen, was wir tun. Dann können sie mit den Politikern schimpfen und sie auffordern, uns mehr Hilfe zu geben."

FTD

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