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Kolumne - Neulich im Netz: GEZ: Die Wegelagerer bitten zur Kasse

Wer surft, soll zahlen. Und zwar ab April 2005. Dann tritt die Rundfunkgebühr für internetfähige Computer wohl in Kraft.

Das alles verdanken die Bürger zwischen Kiel und Berchtesgaden der Raffgier des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dessen vorrangiger Zweck mittlerweile der Selbsterhalt ist: Ein bizarr aufgedunsenes Monster, das aus Dutzenden von Fernseh- und Rundfunkprogrammen besteht. Ein Moloch, der sich um sich selbst dreht und den Bezug zu seinem eigentlichen Auftrag längst aus dem Blick verloren hat.

Grundversorgung heißt das hehre Wort, mit dem der Gesetzgeber die Pflicht zu einem Programm umschreibt, das den Interessen aller Bevölkerungsschichten gerecht wird. Davon haben sich ARD und ZDF pünktlich mit der Einführung des Privatfernsehens exakt vor zwei Jahrzehnten verabschiedet. Seitdem wurde Schritt für Schritt das Niveau vom Bildschirm verbannt: Abschieben auf unattraktive Sendeplätze, raus aus dem Hauptprogramm und schließlich das Aus. In ihrer erbarmungswürdigen Anbiederung an die grenzdebilen Vorlieben der Masse stellen sich die Öffentlich-Rechtlichen längst selbst in Frage.

Drehen an der Qualitätsschraube

Das hindert sie jedoch nicht, sich für weitgehend aus Wiederholungen, Volksmusik und Product Placement bestehenden Programme fürstlich bezahlen zu lassen - vom Gebührenzahler, der ab dem 1. April 2005 mit 17,03 Euro pro Monat zur Kasse gebeten werden soll. Das sind 88 Cent mehr als zuvor und weniger als die Hälfte des Aufschlags, den ARD und ZDF gefordert hatten. Weil das zwar 350 Millionen Euro mehr in die Kassen der Öffentlich-Rechtlichen spült, aber viel zu wenig ist, um das Missmanagement von Jahrzehnten zu verwalten, drehen die vom Gebührenzahler subventionierten Sender weiter an der Qualitätsschraube.

Für 17,03 Euro bekommt Otto Normalseher den größten TV-Müll, den er je für seine Rundfunkgebühren zu sehen bekam, neben der unendlichen Liste der wiederholten Serien etwa auch "Bianca - Wege zum Glück", die erste deutsche und vermutlich schlechteste Telenovela der Welt. Selbst schuld, meint ZDF-Intendant Markus Schächter, denn mit den lächerlichen 88 Cent obendrauf lasse sich eben nur Schrott produzieren, oder eben "nicht mehr all das, was wir bisher für die Zuschauer geplant haben." Nicht auszudenken, was der Menschheit so erspart bleibt.

Das WWW wird Teil des Gebührensystems

Erstmals in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der Bundesrepublik folgten die Ministerpräsidenten der Bundesländer übrigens nicht der Gebührenempfehlung der unabhängigen Gebührenermittlungskommission. Das war abzusehen, weswegen erneut eine Klientel ins Visier gerät, die wie geschaffen zum Abkassieren ist: die Internetnutzer. Weshalb, ist klar: Auch Surfer schauen in die Röhre, das Notebook ist Fernsehgerät, und seit Erfindung der Webadressen ard.de und zdf.de interpretieren beide Sender auch das World Wide Web als Teil des öffentlich-rechtlichen Gebührensystems.

Nachdem die Präsidenten einerseits so böse zu ARD und ZDF waren, wollten sie ihnen andererseits wieder gut tun und sagten Ja zur Internetgebühr, die zunächst zum Januar 2007 in Kraft treten sollte, nun aber für private Internetnutzer schon im kommenden Frühjahr kommt. Das hätten sie nicht gemusst, die Ministerpräsidenten. Taten sie aber, weil ihnen am Fortbestand des Monsters recht viel liegt. Schließlich sitzen auch die Ministerpräsidenten in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF, die ein treffliches Forum sind, um Einfluss auf Personal- und Programmentscheidungen zu nehmen, die sich wiederum auf Meinung und Meinungsbildung auswirken.

Private Surfer, die bereits Rundfunkgebühren zahlen, sollen selbstverständlich nur einmal geschröpft werden.

Thomas Hirschbiegel
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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.