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Kolumne - Neulich im Netz: Online-Shopping: Bombengürtel und Auftragskiller

Die Welt geht online. Nachdem mittlerweile praktisch alles Handelbare online gehandelt wird, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Terroristen ihre Dienste über das World Wide Web anbieten. Nun ist es soweit.

Vergessen Sie das langweilige Gebuhle um die besten Bekennervideos unter arabischen Underdogs, jetzt geht's richtig rund: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Scharfschützen, ausgestattet mit 10 Patronen und garantiert zwei Toten? Gerade 5.999 Euro kostet der Spaß, für Vorsteuerabzugsberechtigte sogar nur 5.172 Euro. Gibt's bei "www.rent-a-terrorist.de".

Für Selbstmacher

Wer selbst Hand anlegen will, wird im Webshop fündig: Handfeuerwaffe, Bomben in verschiedenen Größen und modisch passende Gürtel machen aus dem Schreibtischtäter von heute den Attentäter von morgen – oder Top-Entführer, das passende "Zeitungsbuchstaben-Set für Entführungsbriefe" zu 29,99 Euro macht's möglich.

Das Angebot gilt für die ganze Welt – es macht ja auch keinen Sinn, bei der fortschreitenden Globalisierung gerade im Terrorismus neue Handelsschranken zu setzen. In der frei zugänglichen Zugriffsstatistk www.webstats4u.com dürften Herkunftsländer "Unbekannt" und "Der Rest" den Aufklärungsdiensten der Guten sicher Kopfzerbrechen bereiten.

Anders argumentiert "www.rent-a-killer.de": Hier liegt der Fokus klar auf Inlandsaktivitäten und wird mit den Unsummen begründet, die Anwälte Jahr für Jahr an Honoraren einstreichen, ohne eine Erfolgsgarantie geben zu können. Das gehe auch anders. Besonders attraktiv: Die KillShare-Liste, die auf dem Prinzip basiert, dass ein Feind selten alleine kommt. So können sich potenzielle Auftraggeber einen Killer teilen und enorm Kosten sparen.

Ganz neu im Angebot bei den Terroristen-Vermietern: Schiedsrichterbestechung. Eine eindeutige Verwässerung des ansonsten stringent aufgebauten Angebots. Es bleibt abzuwarten, ob der Anbieter die Verbreiterung der Zielgruppe übersteht.

Immerhin können sie erstaunliche Referenzen vorweisen: Weltweit habe man in 50 Jahren 15.432 Stunden Nachrichten verursacht und neuerdings auch "8 beschissene Bundesligaspiele" auf der Erfolgsliste. Mit etwa 27.000 Toten in 50 Jahren stehe man deutlich vor Putin, lediglich Bush übertreffe den Anbieter.

Liebes BKA, lieber MAD und BND, liebe Staatsanwaltschaft, Polizei, Feldjäger und Bahnpolizei, liebes Finanzamt: Beide Angebote sind Satire und machen keine ernst gemeinten Angebote.

Guido Augustin