Kolumne: Neulich im Netz Harte Kerle: Mammuts waren gestern


Sie springen von hohen Höhen und klatschen auf den Asphalt. Sie versuchen, sich beim Harley-Davidson-Fahren selbst zu fotografieren und landen am nächsten Telefonmast. Das tut nicht nur weh, sondern sorgt auch für null Punkte bei den Girls.

Imponiergehabe, wenn es denn nicht so schief geht wie in den genannten Fällen, hatte einst einen Zweck. Zeigte Herr Urmensch seiner Angebeteten doch so, was für ein toller Kerl er war. Weswegen sie sich gefälligst für ihn zwecks Verteilung des Erbguts entscheiden sollte. Im Informationszeitalter verfehlen Männer, die mit fragwürdigen Aktionen auf sich aufmerksam machen wollen, allerdings immer öfter ihr Ziel.

Verschiedene internationale Studien zeigen nun, dass der Typus des klassischen Machos ausgedient hat. Verantwortungslose Draufgänger sind out, kreative Softies sind in. Im Zweifelsfall entschied sich der überwiegende Teil der Teilnehmerinnen nicht für kantige Kerle mit ausgeprägtem Kinn und buschigen Augenbrauen, sondern für Männer mit weicheren Gesichtszügen, die sie unbewusst mit guten Erbanlagen verbanden.

Der Mammutjäger in uns ist unterbeschäftigt

Und das aus gutem Grund, denn das männliche Hormon Testosteron sorgt nicht nur für herbe Konturen, sondern schwächt zugleich auch das Immunsystem. Keine guten Voraussetzungen also für die Moderne, in der Großstadtmenschen zuallererst über eine stabile Gesundheit verfügen und erst in zweiter Linie Qualitäten als Mammutjäger unter Beweis stellen müssen.

Gleichwohl sich die Kriterien für die Wahl eines Partners zusehends wandeln, zeigen bestimmte Urinstinkte noch immer Wirkung. Der herb zwischen Buttersäure, Moschus und bald zu wechselnden Tennissocken balancierende Männerduft übt auf Frauen noch immer seinen Reiz aus. Wobei das Odeur jedoch besonders nahe an dem sein sollte, das der Papa verströmte. Ist dem so, fliegen dem schwitzenden Büffel die Sympathien nur so zu. Denn zugleich assoziiert sie mit dem vertrauten Aroma positive Werte satt von Zärtlichkeit bis Sicherheit.

Dass mittlerweile Männer mit weniger Testosteron gefragt sind, scheint bei den Herren der Schöpfung jedoch noch nicht allerorten angekommen zu sein. Sie müssen tun, was sie seit Jahrtausenden meinen, tun zu müssen. Wohin das führen kann, zeigen die alljährlich vergebenen Darwin Awards. Mit dieser Auszeichnung dekoriert werden immer wieder besonders draufgängerische Zeitgenossen, die sich auf besonders dämliche Art und Weise vom Dies- ins Jenseits katapultierten.

<a class="link--external" href="mailto:stern@ha-net.de">Thomas Hirschbiegel</a>

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker