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Neuer Ortungsdienst "Places": Facebook weiß, wo du bist

Wird die digitale Welt immer absurder oder immer nützlicher? Auch das neueste Produkt von Facebook wird Datenschutzdebatten provozieren: Mit "Places" kann jeder sehen, wo man gerade steckt.

Von Gerd Blank

Die Frage "Wo bist du?" wird man wohl künftig immer seltener hören. Immer mehr Online-Dienste verraten, gefragt oder ungefragt, wo sich deren Nutzer gerade aufhalten. Facebook-Mitglieder in den USA können ab sofort ebenfalls in Echtzeit verfolgen, wo ihre Onlinefreunde sich gerade aufhalten. Das soziale Netzwerk schaltete am Mittwoch die Funktion Facebook Places frei, bei der Internethandys automatisch den aktuellen Standort veröffentlichen. Wer den Dienst aktiviert, kann über sein Smartphone dann etwa mitteilen, welches Restaurant, Café oder Hotel er gerade betritt. Der Dienst ist zunächst nur in den USA verfügbar, soll künftig aber für alle derzeit 500 Millionen Facebook-Nutzer weltweit zu nutzen sein.

Das Prinzip der neuen Funktion ist simpel: Erreicht der Facebook-Nutzer einen Ort und ruft per Smartphone Facebook auf, wird der aktuelle Standort für Freunde sichtbar. Wenn der Dienst also freigeschaltet wird, liest das Gerät über den eingebauten GPS-Empfänger automatisch den aktuellen Standort aus und übermittelt ihn an Facebook. Facebook schlägt dann bekannte Orte wie etwa Restaurants, Cafés oder Hotels vor, in denen die Nutzer virtuell einchecken können. Sie können aber auch neue Orte eingeben. Wenn der Places-Nutzer die Information freigibt, können seine Onlinefreunde sehen, wo er sich gerade aufhält. "Man kann mit dem Mobiltelefon in Echtzeit mitteilen, wo man mit wem ist", sagte Places-Produktmanager Michael Eyal Sharon bei der Vorstellung des Dienstes. Dies ermöglicht es Nutzern laut Facebook etwa auch zu entdecken, wenn ihre Freunde bei derselben Veranstaltung oder am selben Urlaubsort sind.

Doch der Dienst kann noch mehr: Man kann an bestimmten Orten Personen markieren, also ohne deren Zutun mit einen bestimmten Standort in Verbindung bringen. Eine ähnliche Funktion bietet Facebook bereits bei Fotos an, auf denen Freunde gekennzeichnet werden können. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg versicherte gleich zum Start des neuen Dienstes, die Facebook-Nutzer hätten die Kontrolle über den Schutz ihrer Daten: Sie könnten genau festlegen, wie die Informationen über ihren Standort verwendet und veröffentlicht würden. Doch dafür müssen Nutzer tief in den Privatsphäre-Einstellungen vordringen. Dort lässt sich verhindern, dass man mit einem Platz in Verbindung gebracht wird. Außerdem lässt sich festlegen, wer die veröffentlichten Orte sehen kann. Auch die Funktion "People Here now" lässt sich dort an- oder abwählen. Diese zeigt an festgelegten Plätzen automatisch an, welcher Facebook-Nutzer ebenfalls gerade dort ist - sichtbar für alle.

Grundidee ist nicht neu

Im Internet gibt es bereits unzählige Dienste mit ähnlichem Ansatz. Sie heißen Foursquare, Friendster oder Google Latitude. Aber auch Navigationssysteme verknüpfen den aktuellen Standort mit Informationen. Doch bei Facebook wird so deutlich wie bei keinem anderen Anbieter ein Geschäftsmodell aus dem Service. Facebook hat über 500 Millionen registrierte Nutzer, die mehr Zeit im sozialen Netz verbringen als auf anderen Sites. Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte, die Funktion sei nicht dafür da, um die eigene Position mit der Welt zu teilen, sondern um Plätze zu finden und diese mit Freunden zu teilen. Dass diese Plätze mit Werbung vollgepflastert sind, erwähnte er nicht.

Facebook stellte Entwicklern zugleich ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem sie Anwendungen entwickeln können, die sich Places zunutze machen - wenn der Nutzer dem zustimmt. So könnten auf Facebook registrierte Unternehmen nicht mehr nur Fans haben, Sie können auch Plätze auf der virtuellen Weltkarte für sich reklamieren. Besucht also künftig ein Smartphone-Besitzer mit Facebook-Konto beispielsweise die reale Filiale eines Bekleidungskonzerns, weiß das nicht nur der vernetzte Freundeskreis, sondern auch die Boutique. Mehr noch: Die genaue Position des Nutzers lässt sich auch im Profil des Unternehmens ablesen, sofern dies nicht ausdrücklich in den Privatsphäre-Einstellungen untersagt wurde.

Zudem können Unternehmen noch gezielter Anzeigen schalten. Künftig sind also nicht mehr nur die Interessen der Facebook-Nutzer eine begehrte Information für die Werbeindustrie, sondern auch der Ort, an dem man sich aufhält. Isst man gerne Pizza und kommt an einem italienischen Restaurant vorbei, könnte eine entsprechende Anzeige des Lokals direkt auf dem Facebook-Smartphone erscheinen.

Gefahren und Ärgernisse

Die öffentliche Preisgabe der persönlichen Daten lässt einen aber nicht nur zu einer wandelnden Litfaßsäule werden. Per Privatsphäreinestellung lässt sich festlegen, wer etwas sehen darf und wer den eigenen Namen mit einen Ort in Verbindung bringen kann. Dennoch: Viele Nutzer gehen unvorsichtig mit diesen Einstellungen um teilen dadurch zu viele private Informationen mit. Die automatische Veröffentlichung des Aufenthaltsorts birgt daher Gefahren und Ärgernisse:

  • Eine Person ist krank geschrieben. Facebook Places verrät aber, dass sie sich nicht im Bett, sondern in einem Café aufhält. Was dort nicht steht ist, dass dieses Café möglicherweise genau zwischen Arztpraxis und Wohnung liegt.
  • Man hat seiner Partnerin erzählt, dass man keine Zeit für ein Treffen hat, wird aber dann per Facebook Places in einer Kneipe erwischt - weil man von einer anderen Person, oder sogar vom Kneipenwirt, dort markiert wurde.
  • Wenn man per Facebook Places anzeigt, dass man nicht in seiner Wohnung oder seinem Haus ist, könnte das auch Diebe interessieren.

Wer Facebook Places nutzen will, muss das Apple-Handy iPhone oder ein anderes Smartphone besitzen. Die Facebook-App fürs iPhone wurde inzwischen aktualisiert. Allerdings ist der Service derzeit nicht in Deutschland nutzbar. Gleichzeitig mit der Einbindung von Places wurde die App um eine weitere Funktion erweitert: Nutzer können nun bei jeder neuen Statusmeldung entscheiden, ob diese für alle Freunde oder nur für bestimmte Mitleser veröffentlich werden soll.

mit Agenturen
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