NEULICH IM NETZ Der Herausforderer: Endlich da (Teil III)


Nach Monaten des Wartens: Die erste Mail vom Herausforderer. Jetzt, schreibt er, sei er so richtig online. Wird aber auch Zeit, Herr Stoiber.

Nach Monaten des Wartens: Die erste Mail vom Herausforderer. Jetzt, schreibt er, sei er so richtig online. Wird aber auch Zeit, Herr Stoiber.

Schließlich ist es nicht mehr lange hin bis zur Wahl am 22. September. Das weiß mittlerweile auch der Herausforderer, der sich nur seine Website mit dem tollen Countdown ansehen muss, um zu wissen, was die Uhr geschlagen hat. »Zeit für Taten« seien angebrochen, weswegen der bayerische Ministerpräsident Pfingsten teilweise im Legoland verbracht hat, und zwar dem neu eröffneten im schwäbischen Günzburg. Beraten wurde er vor Ort von seinem Enkel Johannes, »fast drei Jahre alt«. Klare Sache: »Da wird sicher nicht nur der kleine Johannes große Augen bekommen!«

Es menschelt an allen Ecken

Pfeilgerade, lieber Leser. Es menschelt an allen Ecken und Enden. Stoiber, der Patriarch. Stoiber, der Familienmensch. Stoiber, nicht nur Landesvater, sondern Vater auch privat. Stoiber, der Ehemann. Auf Grund der großen Ähnlichkeit mit dem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber scheint es sich immer um ein und dieselbe Person zu handeln. Doch möglicherweise ist alles komplizierter. Denn die textenden Wahlkämpfer setzen alles daran, eine zweite Person ins Spiel bringen: »Lernen Sie den Privatmenschen kennen, der hinter dem Politiker Edmund Stoiber steckt!« Der Hoffnungsträger der Christenpartei am Ende schizophren? Zum Wohle aller Beteiligten und ganz besonders der Bundesrepublik Deutschland wollen wir das nicht hoffen.

Kommata, wo keine hingehören

Weitaus schlimmer: Gibt es denn keinen Duden in Bayern? Besonders mit der Grammatik haben die tapferen Internetkämpen des Kanzlerkandidaten ihre liebe Müh. Immer wieder sitzen Kommata, wo keine hingehören, fehlen welche, wo's gerade recht wäre. Ein Beispiel: »Im Herbst 1962 begann er das Jurastudium an der Universität München, während er bei seinen Eltern in Wolfratshausen, wohnte.«

Nachdenklich stimmt zudem, dass der Kandidat möglicherweise bislang peinlichst unter dem Tisch gehaltene Neigungen offenbart. Etwa, sich in Frauenkleidern unters Volk zu mischen. Der Beweis: »Seine zukünftige Frau, Karin Rudolf, hatte Edmund Stoiber beim Fußballclub FC Farchet Wolfratshausen als Zuschauerin kennen gelernt.« Ob Stoiber »als Zuschauerin« seinerzeit gar im Dirndl erschien? Oder trug man damals eher ein fesches Kostüm? Wie dem auch sei: Mit einem Mal scheint verständlich, warum es nicht sofort funkte zwischen den beiden. Oder doch? O-Ton: »Es war Liebe auf den ersten, auf jeden Fall aber auf den zweiten Blick.«

»Ein Hans Dampf in allen Gassen«

Deutlich entschlossener: das Stoiber-Quiz. Wie im echten Leben muss man nichts wissen, sondern darf raten. Zum Beispiel sein Leibgericht: »Braten und Knödel«, »Gemüse und Salat« oder »Sushi und Tempura«? Zum Beispiel »Im Grunde ist Edmund Stoiber«: »Sehr zurückhaltend«, »Lebhafter, als viele meinen« oder »Ein Hans Dampf in allen Gassen«? Geraten werden darf auch, was ihn so umtreibt als Staatsmann und Kanzleranwärter.

»Im Urlaub«, zitiert stoiber.de Ehefrau Karin, »da ist er einfach der Edmund Stoiber.« Na immerhin.

Thomas Hirschbiegel


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