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NEULICH IM NETZ: Links, rechts: Hunzinger, »Computer Bild« und der dmmv

Dass Joghurts links und rechts drehen ist bekannt und bekommt auch im Wahlkampf keine pikante Note. Wie gut, dass es PR-Berater, Computerzeitschriften und Multimediaverbände gibt.

Dass Joghurts links und rechts drehen ist bekannt und bekommt auch im Wahlkampf keine pikante Note. Wie gut, dass es PR-Berater, Computerzeitschriften und Multimediaverbände gibt.

Die Strategen sortieren ihre Truppen

Kurz vor den Bundestagswahlen sortieren die Strategen ihre Truppen. Doch manchmal weiß man gar nicht, wohin mit den Gesellen. Hunzinger beispielsweise. Ist der jetzt links, weil er Scharping und diesen Grünen da betreut hat, oder rechts - und hat die beiden gelinkt? Möglicherweise ist er hyperlink. Denn auf seiner Website gibt es reihenweise »persönliche Reaktionen« zum Thema. »Verehrtester«, schreibt da Prinz Croÿ von der Verlagsgruppe Handelsblatt, »wenn ich irgendetwas für Sie tun kann (ich weiß wohl um meine bescheidenen Möglichkeiten), so genügt ein Hinweis!«. Origineller Roland Tichy: »Die wollen Ihre Eier. Aber das wissen Sie ja.« Etwa der Tichy, der unter Helmut Kohl im Bundeskanzleramt saß? Und selbst der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes Frisch dankt Hunzinger online »für Ihre überzeugende und souveräne Art (...), mit der sie der Kampagne begegnet sind«. Rechts? Links? Neue Mitte? Warten wir ab.

Den Bundesinnenminister in die Pfanne hauen

Mutmaßlich einfacher ist es mit der »Bild«-Zeitung. Denn die sind rechts, oder? Jawohl, bestätigt »Computer Bild« und haut den Bundesinnenminister in die Pfanne. Schließlich war der ja mal sehr links. Sein Ministerium hat eine CD-ROM publiziert: »Ins Internet - mit Sicherheit«. Die Scheibe ist umsonst zu haben - mehr ist sie offenbar auch nicht wert, denn laut »Computer Bild« fehlt Wichtiges wie eine Firewall oder ein Warnprogramm gegen 0190-Dialer. Außerdem tauge die Kindersicherung nur mit Microsoft-Browser. Wenn die Kids mit Netscape surfen, können sie auch auf Seiten, auf denen »Sex« steht. Noch einfacher: Systemuhr verstellen, um den Zeitfilter zu umgehen.

Wie gut, dass da kompetente Schützenhilfe für die Regierung aus dem Verbandswesen kommt. In anderer Sache zwar, aber egal. Denn: Superstimmung in der Wirtschaft, sagt der Deutsche Multimedia-Verband (dmmv), offensichtlich links. Beweis: Der vom dmmv präsentierte »Gehaltsspiegel 2002«. Erstaunliches tritt zu Tage: »Die durchschnittlichen Jahresgehälter der Branche lagen Ende 2001 durchweg höher als im vergangenen Jahr und zwar um gut sechs (6,3) Prozent.« Mehr Kaufkraft, mehr Steuern, mehr Wohlstand für alle! Bravo Deutschland, bravo Multimedia-Branche. Dumm nur, dass sich der Anstieg auf immer weniger Empfänger verteilt. Und überhaupt: Wenn Gehälter 2001 höher lagen als »im vergangenen Jahr«, mag das auf den ersten Blick verwundern. Des Rätsels Lösung: Die Zahlen des Gehaltsspiegel 2002 stammen aus 2001. Logisch. Wenn also die 2002-Zahlen, die aus 2001 stammen, mit 2001 verglichen werden, sind jene nicht die Zahlen aus 2001, sondern aus 2000. Logisch.

Übrigens: »Kleinere Auffälligkeiten« bei der Prüfung des Verbandskassenbestands. Laut Protokoll der Hauptversammlung gibt?s beim dmmv eine »Unterdeckung von 47.089 Euro«. Und bei den Mitgliedsbeiträgen 2002 (2002!) wird ein Rückgang von 4,7 Prozent erwartet. Kein Wunder, stecken die doch all ihr Geld in die Gehälter. Logisch. Hoffentlich wird bald gewählt.

Guido Augustin