Online-Auktionen Namensklau im Internet


Ebay-Betrüger haben einen neuen Trick zum Abzocken entdeckt. Sie benutzen bei der Anmeldung die Identität ahnungsloser Dritter.

Dietger Demuth ist ein honoriger Mann. Aus der Hand des Papstes erhielt der 64 Jahre alte Pater vom Orden der Redemptoristen einen Rosenkranz. Er ist Hauptgeschäftsführer des Renovabis-Hilfswerks in Freising. Von so jemandem würden die meisten Menschen ohne Bedenken etwas bei Ebay kaufen. Von einem Dietger Demuth kaufte die Berliner Studentin Anna Bartholdy, 21, Anfang Januar einen iMac-Computer. Sie zahlte 400 Euro per Vorkasse. Nur kam der Rechner nie an. Und der Pater war gar nicht der Verkäufer. Sein guter Name wurde missbraucht.

Ebay kennt das Problem

Diese Masche ist kein Einzelfall. Betrüger benutzen zunehmend die Namen ahnungsloser Menschen und melden sich damit bei dem Internet-Auktionshaus an. Ebay leugnet das Phänomen nicht: "Uns sind Einzelfälle von Identitätsdiebstahl bekannt, und wir arbeiten bei der Aufklärung eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen", sagt Firmensprecherin Maike Fuest. Dabei soll ein Vergleich der Ebay-Anmeldedaten mit der 59 Millionen Personen umfassenden Schufa-Datenbank den Namensklau eigentlich verhindern.

Selbst ist der Geprellte

In der Polizeistation Friedrichshain wurde Anna Bartholdy zunächst angeblökt. "Computer würd ick eh nich übers Internet koofen", belehrte sie ein Polizist. Die Opfer des falschen Paters lösten den Fall dann allerdings größtenteils ohne Hilfe der Behörden. Wie eine Bürgerwehr im Wilden Westen nahm eine Hand voll Geschädigter im Internet die Verfolgung auf. Über das unabhängige Betrugsopfer-Forum Snakecity fanden sich immer mehr Geneppte zusammen. Der Betrüger hatte sie unter mindestens sieben Benutzernamen und mit Hilfe von mindestens sechs Bankkonten um über 160.000 Euro betrogen. Alle Spuren führten in das Städtchen Pfungstadt in der Nähe von Darmstadt, zu einem 31-Jährigen Polen.

Eines der Opfer machte sich sogar auf den Weg nach Südhessen, entdeckte außer einer dunklen Wohnung in einer Sackgasse aber nichts. Ein anderer hatte mit dem Verdächtigen telefoniert und den Mann anhand seiner Stimme auf etwa 20 Jahre geschätzt. Inzwischen überwiesen einzelne Banken die gezahlten Beträge abzüglich einer Bearbeitungsgebühr zurück. Auch Anna Bartholdy erhielt bereits ihr Geld zurück. Offenbar hatten die hohen Geldeingänge Verdacht erregt.

Identitätsdiebstahl in der Familie

Auch Petra M. aus Neumünster in Schleswig-Holstein wurde die Identität für Ebay-Betrügereien geraubt - von ihrer Schwester. Manuela M. hatte bei Ebay Brautkleider angeboten, für diese kassiert, aber niemals geliefert. Auf die ahnungslose Petra M. prasselten Reklamationen von Ebay-Kunden aus ganz Deutschland ein. Über einen gefälschten Nachsendeantrag hatte Manuela M. sogar die Unterlagen für ein Girokonto ihrer Schwester abgefangen. Manuela M. wurde in 14 Betrugsfällen und einem Fall von Unterschlagung zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Die geschädigten Ebay-Käufer gingen leer aus. Manuela M. hat gerade ihr sechstes Kind bekommen und lebt von Sozialhilfe.

Bei der Polizei in Pfungstadt liegen inzwischen über 50 Anzeigen gegen den Identitätsdieb vor. Nach ihm wurde am vergangenen Montag noch gefahndet.

Dietger Demuth hat selbst noch nie bei Ebay eingekauft. "Ich würde immer das Treuhandverfahren nutzen", sagt der Pater, dessen Name missbraucht wurde. Ein weiser Rat.

Dirk Liedtke print

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