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Online-Radiosender: Wunschkonzert im WWW

Läuft mal wieder nichts im Radio? Kann nicht sein. Im Internet gibt es so viele Online-Radiosender, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Garantiert.

Von Ulf Schönert

Haben Sie einen Fernseher? Haben Sie ein Radio? Wer schon mal Besuch von der GEZ hatte, dem kommen diese Fragen bekannt vor. Gut möglich, dass bei künftigen Besuchen der GEZ noch eine dritte Frage hinzukommt: Haben Sie Internet?

Seit dem 1. Januar gilt die Rundfunkgebühr nämlich auch für Computer, die an das weltweite Datennetz angeschlossen sind. Für die meisten Privatleute ändert sich dadurch zwar nichts, weil für sie die "Zweitgerätefreiheit" gilt: Wer schon ein Radio angemeldet hat, darf ohne weitere Kosten beliebig viele weitere betreiben. Selbstständige hingegen müssen jeden Monat 5,52 Euro pro PC bezahlen - so viel wie für ein herkömmliches Radio.

Radio ohne Grenzen

Aus der Sicht der GEZ ist das durchaus konsequent, denn - anders als viele PC-Nutzer - weiß sie, dass aus dem Internet längst ein so tolles Sendeprogramm kommt, dass jedes traditionelle Radio daneben altmodisch wie ein Volksempfänger wirkt. Schon die Sendervielfalt übertrifft alles, was wir aus dem Äther gewohnt sind: Nicht die paar Dutzend Sender, die in den UKW-Frequenzbereich passen, sondern viele Tausend stehen zum Empfang bereit. Regionale Sendebereiche spielen im Netz keine Rolle: Auch Süddeutsche können zum Beispiel das Programm des NDR hören. Selbst internationale Grenzen ignoriert das Internetradio: Aus den USA, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder aus Kirgisistan kommen Moderationen und Musik in guter Qualität aus den PC-Lautsprechern.

Das geht, weil das Programm nicht in Form eines Funksignals mit begrenzter Reichweite, sondern als Online-Datenstrom verbreitet wird. Und der lässt sich über jeden Internetanschluss anzapfen - und fließt dann wenn nötig einmal um den Erdball. Allein der Internetdienst AOL bietet mehr als 200 unterschiedliche Spartensender an, die Internetseite live365.com hat sogar mehrere Tausend Stationen im Angebot. Dazu kommen zahllose Ein-Mann-Sender, die auf eigene Faust aus dem Wohnzimmer heraus funken. Und es gibt Werbesender, zum Beispiel von Jägermeister, Programme von Christen, Plattenlabels, Zeitschriften, und Platten-Kaufhäusern .

Zum Empfang reicht normalerweise ein Internetbrowser, doch komfortabler ist das Radiohören mit Spezialsoftware, zum Beispiel mit Webradio Deluxe 2 von Magix (etwa 20 Euro) oder mit dem kostenlosen Phonostar.

Tausende Sender

4478 Sender von Albanien bis Zypern hat Phonostar aktuell in seiner Datenbank. Dazu gibt es laufend aktuelle Empfehlungen zum Programm - perfekt für Einsteiger!

Wem das noch zu wenig ist, der kann sich sogar seinen eigenen Musiksender maßschneidern lassen: lastfm.de, pan dora.com oder de. launch.yahoo.com spielen nur, was dem jeweiligen Hörer gefällt. Wer sich dort neu registriert, braucht nur eine oder mehrere Lieblingsbands einzugeben und bekommt schon die dazu passende Radiostation. Von nun an kann jedes gespielte Lied bewertet werden, von "immer wieder" bis "auf keinen Fall mehr", sodass sich die Musik immer näher dem Hörergeschmack anpasst. Ist dann doch mal ein unpassendes Lied dazwischen, kann man es sogar überspringen, wenn auch nicht beliebig oft.

Nur eins ist Internetradio nicht: mobil. Zwar gibt es inzwischen spezielle Empfangsgeräte für Küche oder Wohnzimmer oder auch Internetadapter für Stereoanlagen, sodass sich der Hörer nicht immer in der Nähe eines PC-Bildschirms aufhalten muss. Doch sind auch die auf ein Datenkabel oder auf ein Funknetz angewiesen. Immerhin bieten viele Sender an, Teile ihres Programms als Podcast zu abonnieren. Dann kann jede Sendung automatisch auf einen MP3-Player übertragen werden, sodass man sie auch unterwegs anhören kann.

Aber auch normale Radiosender aus dem Netz kann man ohne viel Aufwand mitschneiden und auf einen MP3-Player kopieren. Ganz Schlaue schneiden sich mit Webradio Deluxe 2 oder dem kostenlosen Clipinc (clipinc.de) daraus dann noch automatisch einzelne Lieder aus und füllen so ihre MP3-Musiksammlung auf - ganz legal.

Schließlich haben sie GEZahlt.

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