Onlinepranger "Ich probier's mal mit Demütigung"


Nachbarschaftsstreitigkeiten müssen nicht immer vor Gericht ausgetragen werden. Auf RottenNeighbor.com können US-Bürger ihrem Unmut über ungeliebte Mitbürger freien Lauf lassen - mit präziser Angabe des Wohnorts des Störenfrieds. Manchmal kann der Wutausbruch im Netz aber kontraproduktiv sein.

Es ist eine Mischung aus Online-Therapie und Trash-Kultur, die RottenNeighbor.com zu einem Erfolg gemacht hat: Auf dieser Web-Site prangern US-Bürger ihre bösen Nachbarn an, wenn weder gutes Zureden noch die Polizei helfen können. Zu ihnen gehört David Adams aus Magnolia im US-Staat Mississippi, der sich beschwert, dass die beiden Hunde seines direkten Nachbarn die ganze Nacht bellen und heulen. "Nichts hat geholfen, von der Stadt bekam ich keine Unterstützung", klagte Adams. "Da habe ich mir gedacht, jetzt probiere ich es einmal mit öffentlicher Demütigung."

Er veröffentlichte ein Video mit den lautstarken Hunden auf RottenNeighbor.com, und bald stimmten andere in sein Klagelied mit ein. Viele bekundeten ihm sein Mitgefühl wegen der gestörten Nachtruhe. Andere warfen ihm mangelndes Verständnis für Tiere vor.

Mit Hilfe von Google Maps werden die bösen Nachbarn bis aufs Haus genau lokalisiert. Dieses wird rot markiert. Es gibt aber auch Hinweise auf vorbildliche Nachbarn, was mit einem grünen Häuschen angezeigt wird. Aber die roten Häuschen sind eindeutig in der Überzahl. Die meisten Beiträge werden anonym ins Netz gestellt. Und mittlerweile werden auch Sexualstraftäter bei RottenNeighbor.com an den Online-Pranger gestellt.

Idee aus eigener Not

Die Idee zu der Web-Site hatte der 27-jährige Brant Walker, als er in eine neue Wohnung zog und einen üblen Geruch aus der Nachbarswohnung wahrnahm. Fast ein Jahr nach der Gründung gibt es täglich mehrere hunderttausend Zugriffe auf das Angebot.

Nach Beschwerden von Leuten, die sich zu Unrecht attackiert fühlten, fügte Walker die Möglichkeit ein, die Entfernung eines Postings zu beantragen. Wenn mehrere Leute auf den Button "flag for removal" klicken, wird der Eintrag gelöscht. Auch Adam hält es für möglich, dass er seinen Eintrag über den Nachbarn mit den lauten Hunden wieder löschen wird. Er will sein Haus nämlich möglicherweise verkaufen. "Dann wäre es schrecklich, wenn das jemand sieht, der mein Haus kaufen will."

Meghan Barr/AP AP

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