Onlineshopping Die Alles-immer-Kaufhäuser


Onlineeinkauf wandelt sich: Das Auktionshaus Ebay bietet jetzt eine Extra-Site für Waren zum Festpreis, Privatverkäufer nutzen häufig Plattformen für Kleinanzeigen. Ein Wegweiser durch die virtuelle Warenwelt.
Von Maximilian Geyer

Mit drei Klicks liegen im virtuellen Einkaufswagen: eine orientalische Henna-Lampe aus Marokko für 27,95 Euro, drei extrascharfe Asia-Sushimesser im Geschenkset für 4,95 Euro, ein 10.000-Watt-Auto-Lautsprecher Marke "Ground Zero" für 1299 Euro. Jeder der Artikel kommt von einem anderen Verkäufer - aber gezahlt wird nicht an jeden einzeln, sondern nach dem Einkauf alles auf einmal. Die Internetseite, die das neuerdings ermöglicht, heißt www.ebayexpress.de. Sie ist das jüngste Kind der Ebay-Familie.

Schon lange wird bei Ebay ein großer Teil des Geschäfts nicht mehr mit dem Versteigern von gebrauchtem Trödel, sondern mit Neuware von Profihändlern gemacht. Ebay Express soll den Profis jetzt eine neue Plattform bieten. Auktionen ab einem Euro, wie sie von der Mutterseite bekannt sind, sucht man dort vergebens. Stattdessen gibt es ausschließlich Neuware zum Fixpreis von geprüften Versandhändlern, mit Garantie und Rückgaberecht. "Seit dem Start haben sich mehrere tausend interessierte Händler und Unternehmen bei uns gemeldet", sagt Patrick Boos, bei Ebay verantwortlich für das Express-Portal. Aus dem einstigen Flohmarkt Ebay ist das Kaufhaus Ebay geworden.

Auf dem gleichen Weg befindet sich Amazon: Als Onlinebuchhändler gestartet, wuchs das Angebot schnell auf sämtliche Medien von der DVD bis zum Computerspiel. Mittlerweile stehen in den virtuellen Regalen sogar Spielzeug, Küchenartikel, Sportbekleidung. In immer neuen Abteilungen verkauft Amazon nicht nur selbst, sondern ermöglicht auch Unternehmern und Privatleuten, Neu- und Gebrauchtwaren anzubieten. Laut einer Studie von Nielsen Netratings besuchten im Juli über die Hälfte aller deutschen Onlineshopper Ebay.de, mehr als 25 Prozent nutzten Amazon.de - Werte, von denen andere Internethändler träumen.

Viele Verbraucher denken sich: Wieso woanders suchen, wenn man bei den beiden Großen alles bekommt? Doch es gibt im Internet eine riesige Einkaufswelt jenseits von Ebay & Co.: eine große Zahl an kleinen Onlinehändlern, die nicht auf die riesige Reichweite und die gigantische Werbemaschine der großen Plattformen zurückgreifen - dafür aber auch nicht deren hohe Gebühren zahlen müssen und so oft zu günstigeren Preisen verkaufen können. Denn mit Provisionen von bis zu 15 Prozent greifen Ebay und Amazon ihren Verkäufern kräftig in die Tasche.

Preise vergleichen hilft

Innerhalb der jeweiligen Plattformen liefern sich die Verkäufer einen knallharten Preiskampf, was beim Kunden den Eindruck hinterlässt, immer ein Schnäppchen machen zu können. Doch in vielen Fällen gibt es noch günstigere Alternativen. Daher empfiehlt es sich, vor dem Ersteigern oder Sofort-Kaufen immer den günstigsten Marktpreis auf Preisvergleichseiten wie zum Beispiel Idealo.de, Guenstiger.de oder Evendi.de zu ermitteln, bei denen die Preise vieler Händler gelistet sind. "Besonders bei Elektro- und Technikartikeln lohnt sich der Vergleich", sagt Torsten Schnoor, Geschäftsführer von Guenstiger.de.

Für private Verkäufer, die vor den Ebay-Gebühren zurückschrecken, gibt es ebenfalls Alternativen. Zum Beispiel Internetauktionshäuser wie Hood.de, die gar keine Provisionen verlangen. Oder neuerdings auch Onlinekleinanzeigen, in denen nicht versteigert, sondern ganz klassisch wie in der Tageszeitung alles Mögliche angeboten werden kann - ebenfalls kostenlos. Der Trend kommt aus den USA, dort ist der Kleinanzeigen-Marktführer Craigslist.org für Ebay längst eine ernst zu nehmende Konkurrenz geworden. Hierzulande gibt es bereits zwei nennenswerte Angebote: die Seiten markt.de und kijiji.com. Letztere gehört übrigens zu Ebay. Der Internetriese hat weltweit ähnliche Kleinanzeigendienste aufgekauft. Der Platzhirsch macht sich lieber selbst Konkurrenz, als anderen das Feld zu überlassen.

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