Onlinevertrieb EMI erwägt digitale Musik ohne Kopierschutz


Eine Zeitungsbericht zufolge laufen beim drittgrößten Plattenunternehmen EMI Planungen, den Onlinevertrieb von Musik auf MP3-Dateien ohne Kopierschutz umzustellen. Ein erster Test mit einem Lied einer bekannten Künstlerin sei positiv verlaufen.

Die Plattenfirma EMI will möglicherweise ihren gesamten Musikbestand für den Online-Vertrieb bereitstellen, ohne dabei auf den bisher üblichen Kopierschutz zu bestehen. Bei entsprechenden Verhandlungen mit kommerziellen Musikportalen gehe es offenbar vor allem um die Höhe des Kaufpreises, berichtete das "Wall Street Journal".

Bislang werden beim digitalen Musikvertrieb unterschiedliche Software-Techniken eingesetzt, die das beliebige Kopieren der Audiodaten verhindern. Diese Techniken mit der Bezeichnung DRM (Digital Rights Management) beschränken auch das Kopieren von Musik auf mobile Geräte. So können etwa die beim Marktführer iTunes gekauften Songs nur auf einen iPod von Apple und nicht auf andere Player übertragen werden.

Testlauf mit Norah Jones

EMI hat nun nach Informationen des "Wall Street Journals" Online-Händler aufgefordert, Angebote für die Bereitstellung von Musiktiteln im DRM-freien MP3-Format zu machen. EMI ist gemessen am Umsatz die drittgrößte Plattenfirma der Welt und hält unter anderem die Rechte für die Musik der Rolling Stones und der Rockband Coldplay. EMI-Sprecherin Jeanne Meyer lehnte es auf Anfrage ab, zu dem Zeitungsbericht Stellung zu nehmen. Allerdings äußerte sie sich positiv über jüngste Tests, Singles ohne DRM im MP3-Format zu verbreiten, zuletzt etwa mit einem Titel von Norah Jones. "Die Ergebnisse dieser Versuche waren sehr positiv, und das Feedback der Fans fiel geradezu enthusiastisch aus", sagte die Sprecherin.

Zu Beginn der Woche hatte Apple-Vorstandschef Steve Jobs die Musikverleger aufgerufen, ihr Beharren auf DRM aufzugeben. Diese Einschränkungen hätten wenig erreicht, um die Verbreitung von Raubkopien einzudämmen. Ihre Abschaffung würde hingegen dem Markt für Online-Musik neue Impulse geben, erklärte Jobs. Der deutsche Phonoverband kritisierte den Vorstoß von Jobs als "durchsichtig" und "scheinheilig"

AP AP

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