Rechtsberatung im Internet Mandant am Monitor


Das Versprechen, juristische Fragen preiswert und bequem zu klären, macht Online-Anwälte immer beliebter. Doch kann man ihrem Rat trauen?
Von Mascha Jacoby

Könnte Fred Schmitt zu viel gezahltes Unterhaltsgeld zurückfordern, weil seine beiden Kinder von Pflegeeltern adoptiert wurden? Dürfen Kristin Sterlinski und ihre Töchter den Namen von Kristins Ex-Mann behalten, wenn sie wieder heiraten sollte? Fragen wie diese gehen täglich bei Anwälten im Internet ein, meist von Laien gestellt, die eine möglichst schnelle, bequeme und überdies kostengünstige Beratung erhoffen. Von der Suche nach einem geeigneten Anwalt bis zur endgültigen Klärung juristischer Fragen - alles soll sich zu Hause vor dem Rechner abwickeln lassen.

Nach kurzer Umschau im Netz sind Fred Schmitt und Kristin Sterlinski bei frag-einen-anwalt.de gelandet - und haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die Site versteigert Rechtsauskünfte: Wer Rat sucht, stellt seine Frage und muss für die Antwort mindestens zehn Euro bieten. Je mehr er zu zahlen bereit ist, umso schneller findet sich ein Anwalt, der die Frage beantwortet. Der 56-jährige Schmitt war mit 25 Euro dabei und erhielt nach einem Tag eine Antwort per E-Mail. "Eine tolle Sache", sagt er, "da müssen Sie normalerweise lange suchen, bis Sie so günstig Auskunft von einem Anwalt erhalten." Kristin Sterlinski bekam Antwort nach einer halben Stunde - aber eine unzureichende. "Hätte ich mich vorher nicht so gut informiert, hätte das eine Katastrophe für meine Familie sein können", sagt sie. Besonders ärgerlich: Ein auf Verwaltungsrecht spezialisierter Anwalt hatte ihre Familienrechtsanfrage beantwortet.

Man muss Anwälten im Netz

nicht von vorneherein misstrauen - jedoch ist ein wenig Eigeninitiative gefragt: Der Nutzer sollte unbedingt prüfen, ob der beratende Anwalt auf das jeweilige Rechtsgebiet spezialisiert ist. Außerdem kann er bei vielen Anbietern bereits bearbeitete Fälle eines Anwalts einsehen und nachschlagen, wie ihn andere Kunden bewertet haben. Doch was, wenn nicht Recht ist, was ein Anwalt für solches gehalten hat? "Auch Anwälte im Internet haften für ihre Auskünfte", sagt zwar Rechtsanwalt Michael Friedmann, Betreiber von frag-einen-anwalt.de - nur kann solch ein Regress kompliziert werden. Fühlt sich ein Nutzer nämlich falsch beraten, kann er nicht den Betreiber des Online-Portals haftbar machen. Verantwortlich ist der beratende Anwalt, und im Streitfall ist dessen regionale Rechtsanwaltskammer zuständig. Das kann ein Problem sein, wenn zum Beispiel ein Leipziger mit einem Anwalt streiten muss, der seinen Kanzleisitz in Kiel hat. Und teuer kann es werden, wenn er in Leipzig persönlich einen neuen Anwalt konsultiert. Dann könnte dieser die Online-Erstberatung ignorieren und erneut ein Honorar verlangen.

Einen Vorteil bieten also Anbieter von Online-Rechtsberatungen, bei denen der Ratsuchende den Anwalt selbst auswählen kann. Bei beamte4u.de unterbreitet der gewünschte Anwalt zunächst ein Honorarangebot, das vom Mandanten bestätigt werden muss, bevor die Frage beantwortet und zurückgemailt wird. Eine Online-Beratung zum Festpreis bietet 123recht.net an. An die Anfrage können Dokumente angehängt und es können persönliche Daten übermittelt werden. Das kann wichtig sein für die erfolgreiche Verfolgung der Interessen eines Kunden.

Bei schwierigen Fällen

jedoch werden Mandant und Anwalt um ein Treffen nicht herumkommen. "Da werden Details ausgetauscht und vor Ort wichtige Unterlagen eingesehen", sagt Dietrich Wenke, Vorsitzender des Hamburgischen Anwaltvereins. "Der Anwalt kann sicherstellen, dass er über alle Informationen zur Bearbeitung eines Falles verfügt." Eine Internet-Rechtsberatung eignet sich also zur Information und zur Einschätzung von Rechtsproblemen - wird es ernst, kann sie den Gang zum Anwalt um die Ecke nicht ersetzen.

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