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Eizo FS 2735 im Test: Wenn Geld beim Zocken keine Rolle spielt

Eizo ist vor allem für Computermonitore für Profis bekannt. Mit einem Gaming-Monitor wollen sie nun die PC-Spieler für sich gewinnen, verlangen von ihnen aber einen sehr tiefen Griff ins Portemonnaie. 

Understatement auf dem Schreibtisch: Der Eizo Foris FS2735 sieht von außen bescheiden aus, er hat dafür hochwertige innere Qualitäten. 

Understatement auf dem Schreibtisch: Der Eizo Foris FS2735 sieht von außen bescheiden aus, er hat dafür hochwertige innere Qualitäten. 

Der japanische Monitorhersteller Eizo hat Mut. Einen Gaming-Monitor für 1100 Euro auf den Markt zu bringen, zeugt von Selbstvertrauen. Gute Monitore für PC-Spieler gibt es schließlich schon für die Hälfte. Was also hat der Eizo Foris FS2735, was die anderen nicht haben?  Zwei Dinge: höchste Qualität und ein außergewöhnliches Plus für Besitzer von AMD-Grafikkarten.                                                 

In Sachen Verarbeitung hat sich Eizo nie die Butter vom Brot nehmen lassen. Die Marke ist seit Langem erste Wahl bei Fotografen und Grafikern. Das 16:9-Panel mit einer Auflösung von 2560 x 1440 Pixeln bei 27 Zoll Bilddiagonale arbeitet mit der IPS-Technik. Das In-Plane-Switching (IPS) bietet gegenüber der in den meisten günstigen Monitoren verbauten TFT-Technik die deutlich höhere Farbtreue sowie ein klares Bild auch wenn man seitlich auf die Mattscheibe blickt. Doch IPS ist es nicht allein, schließlich kauft Eizo dieses Bauteil wie seine Mitbewerber von einem Drittanbieter. Doch Eizo sortiert Panels mit selbst kleinsten Fehlern aus, die bei anderen Herstellern noch als annehmbar gelten. Diese Qualitätskontrolle hat ihren Preis.  Dafür kann der Käufer sich ziemlich sicher sein, einen Monitor ohne defekte Pixel oder Staubpartikel zwischen Panel und Mattscheibe zu bekommen.

Edles Innenleben

Auch bei der Technik hinter dem Bildschirm geizt Eizo nicht. Der Bildprozessor ist eine Eigenentwicklung, er bringt nicht nur das Bild von der Grafikkarte auf den Monitor, von ihm hängt auch die Bildqualität ab. Im Vergleich zu günstigeren Modellen war das Bild unseres Testgeräts deutlich schärfer, kontrastreicher und in der Gesamtdarstellung ausgeglichener. Einziges Manko ist die ab Werk eingestellte sehr hohe Hintergrundausleuchtung von 80 Prozent, andere Modelle sind auf etwa 50 Prozent kalibriert. Ein Wert, bei dem auf dem Eizo Foris bei Tageslicht schon kaum mehr etwas zu erkennen ist.

Für Gamer ist das zwar alles schön und gut, aber ist im Wortsinn im Spiel nicht "kriegsentscheidend". Was den Eizo FS2735 für diese Zielgruppe interessant macht ist seine Variable Refresh Rate (VRR), die wohl bedeutendste Entwicklung in der Monitortechnik der vergangenen Jahre. VRR  synchronisiert die von der Grafikkarte kommenden Bilder mit der Aktualisierungsrate des Monitors variabel und nicht wie sonst üblich auf einen konstanten Wert.

Flüssiger spielen

Ein Beispiel: Blickt der Spieler in einer virtuellen Stadt eine Straßenschlucht entlang hat die Grafikkarte sehr viele Objekte zu berechnen. Die Berechnung braucht Zeit und so werden entsprechend weniger Bilder pro Sekunde an den Monitor geschickt. Die Bildanzahl schnellt jedoch hoch, wenn der Spieler dann in den Himmel schaut, wo es weit weniger zu berechnen gibt. Es kann also sein, dass die Grafikkarte schneller Bilder liefert als der Monitor darstellen kann oder eben so wenige Bilder, dass der Monitor warten muss. So oder so gehen Bewegungsinformationen verloren. Selbst wenn es sich dabei um minimale Abweichungen handelt, nimmt das Auge dies als Ruckeln oder Verschmieren wahr.

Die Grafikdarstellung wurde dank VRR auf unserem Testsystem deutlich sichtbar geschmeidiger. Keine Schlieren bei schnellen Bewegungen und eine sehr präzise Maussteuerung. Leider unterstützt der Eizo Foris ausschließlich die VRR-Technik FreeSync von AMD. Nur Besitzer von AMD-Grafikkarten kommen also in diesen Bildgenuss.  Die jedoch können sich gleich doppelt freuen. Denn als derzeit einziger Monitor kann der Foris den gesamten Frequenzbereich von 35 Hertz bis 144 Hertz synchronisieren. Normalerweise beherrscht Freesync nur die Abstimmung oberhalb von 60 Hertz. Den größten Effekt hatte FreeSync auf dem Testsystem zwischen 35 und 90 Hertz, etwa bei den grafikintensiven Spielen "The Devison" oder "Battlefront".

Der FS2735 zeigt kaum Schwächen

Und was kann der FS2735 sonst so? Vom etwas "günstig" wirkenden, aber unerwartet schweren, Plastikfuß erwartet den Käufer ein Monitor mit einer Top-Ausstattung: Höhenverstellung, beidseitige Pivot-Funktion, 2 x HDMI, USB 3.0-Hub, DisplayPort-Anschluss und natürlich DVI. Die 1-Watt-Lautsprecher sind ok. Ein Netzteil mit Kippschalter freut den energiebewussten User. Der Monitor lässt sich via Android oder iOS-App mit dem Smartphone fernsteuern. Wir fanden das im Test indes wenig alltagstauglich. Die Menüführung über den kleinen Joystick am unteren Bildschirmrand funktioniert dagegen einwandfrei, auch wenn die Haptik des Ministicks den Eindruck einer eher günstigen Verarbeitung hinterließ. Das sind aber die einzigen Schwächen, die sich der Foris FS2735 leistet. Und: Fünf Jahre Garantie sind eine Seltenheit im Monitorgeschäft. 

Wer als Gamer 1100 Euro in diesen Monitor investiert, sollte sich schon sehr sicher sein, die nächsten Jahre nur Grafikkarten aus dem Hause AMD zu verbauen. Bei einem Wechsel zu Nvidia-Karten wären schließlich die größten Vorteile "beim Daddeln" dahin.

hl / stern-online