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Soziale Netzwerke: Karrierekiller im Internet

Google hat schon viele Karrieren zerstört. Doch in Zeiten des Web 2.0 haben Arbeitgeber weitaus mehr Möglichkeiten, an private Details von Bewerbern zu kommen: durch Plattformen wie Xing, das StudiVZ und Co.

Von Britta Beeger

Die Homer Simpsons, Bambis und Jim Beams im StudiVZ scheinen sich zu mehren. Und auch die Funktion "Nur meine Freunde dürfen meine Seite sehen" verhindert immer wieder den Blick auf fremde Profile. Die StudiVZ-Geschäftsführer selbst sehen zwar keinen Trend zu Fantasienamen, bestätigen aber: Neun Prozent der über drei Millionen Mitglieder verstecken mittlerweile ihr Profil. "Recht wenig", wie sie finden. Aber das ist immerhin jeder Elfte - und in vielen Fällen sicher die richtige Entscheidung. Denn bei potenziellen Arbeitgebern kommen Partybilder und Mitgliedschaften in Gruppen wie "Mein Filmriss war länger als deine ganze Party" und "Nüchtern sein ist scheiße" weniger gut an.

Große Unternehmen bestreiten zwar, sich im Internet über ihre Bewerber zu informieren. "Das ist keine Form des Recruitings, die wir betreiben", heißt es beispielsweise bei Siemens. Und auch Porsche - von angehenden Ingenieuren gerade zu einem der beliebtesten Arbeitgeber gewählt - sagt: "Wir informieren uns nicht über Suchmaschinen, Xing und andere Internetportale über unsere Bewerber."

Aber die Unternehmen sichern sich die Dienste von externen Spezialisten - und die Unternehmensberater nutzen alle Quellen, die ihnen bei der Personalsuche zur Verfügung stehen. Schließlich wollen sie ihrem Kunden möglichst perfekte Bewerber präsentieren. Eine gemeinsame Befragung des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU) und der "Wirtschaftswoche" unter 300 Entscheidungsträgern aus Personalberatungsgesellschaften ergab Ende vergangenen Jahres: 28 Prozent nutzen bereits heute das Internet, um an Informationen zur fachlichen und persönlichen Eignung eines Bewerbers und seiner Freizeitaktivitäten zu kommen. BDU-Sprecher Klaus Reiners: "Das reicht vom ganz normalen Googeln bis zur gezielten Suche in Karrierenetzwerken wie Xing oder in Blogs."

Nach der Webrecherche ausgesiebt

Die Personalexperten scheinen fündig zu werden: 26 Prozent gaben an, dass sie nach den Internetsuchergebnissen schon mal Kandidaten im weiteren Auswahlprozess nicht weiter berücksichtigt hätten. Knapp jeder Zehnte gab an, dass die Häufigkeit zunehme. "Die Profile sind natürlich nur ein Puzzlestück im Gesamteindruck des Bewerbers", sagt Reiners. "Aber eben auch ein Puzzlestück, das immer wichtiger wird."

So zum Beispiel für Consulimus, einem Kölner Unternehmen, das Studenten als Fachkräfte an andere Unternehmen vermittelt und damit eine Schnittstelle zwischen Studenten und Unternehmen ist. "Wir nutzen vor allem Xing, um uns über die Studenten zu informieren", sagt Geschäftsführer Fabian Molzberger. Schließlich sollten sie bei den Unternehmen einen guten Eindruck hinterlassen. Ins StudiVZ gucke er aber nicht. "Wir haben genug engen Kontakt zu Studenten, um zu wissen, dass die auch mal feiern gehen und dass dabei auch mal lustige Bilder entstehen", so Molzberger.

Ein Mitarbeiter der Stelle für Studentische Hilfskräfte (SHK) an der Uni Köln schaut sich bei der Bewerberauswahl hingegen gerade die StudiVZ-Profile der Kandidaten an. In einem Internetblog schreibt er: "Sauffotos am Pool oder die Mitgliedschaft in Fun-Gruppen wie 'Ich glühe härter vor, als du Party machst' und 'Meine Schlafzeiten kollidieren mit meinen Vorlesungszeiten' helfen natürlich bei der Entscheidungsfindung."

Schwarze Westen wieder weiß

Die ersten Nutzer scheinen den Spieß aber schon umzudrehen. Andreas Hirseland vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagt zum Beispiel: "Ich glaube, dass mittlerweile viele mit Offensiven der Unternehmen rechnen und dass Webauftritte so gestaltet werden, dass man bei der Namenssuche durch Google positiv auffällt."

Und wenn doch mal etwas schiefgeht, gibt es ja immer noch den "Reputation Defender" - eine amerikanische Firma, die sich im Internet auf Spurensuche nach ihren Mandanten begibt, und schwarze Westen wieder weiß wäscht. Damit es dazu gar nicht erst kommt, rät Dietmar Müller, Sprecher des Bundesbeauftragten für den Datenschutz: man sollte sich stets gut überlegen, aus welchen im Internet veröffentlichten Daten einem mal Nachteile entstehen könnten - zum Beispiel bei der Arbeitssuche. Denn: "Die Möglichkeit besteht, und sie wird mit Sicherheit genutzt."

FTD