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"Der Aufstieg Skywalkers": Erstes Drehbuch geleakt: So gut hätte der letzte "Star Wars"-Teil sein können

Der neue Film "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" kommt bei Zuschauern und Kritikern nicht gut an. Jetzt ist eine sehr frühe Drehbuchfassung aufgetaucht. Die Fans hätte eigentlich ein sehr anderer Film erwartet.

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Achtung: Dieser Text enthält Spoiler zum jüngsten "Star Wars"-Film "Der Aufstieg Skywalkers". Falls Sie ihn noch nicht gesehen haben und sich daran stören, sollten Sie nicht weiterlesen.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" kommt bei Zuschauern und Kritikern nicht besonders gut an. Nur 53 Prozent gibt es bei der Kritiker-Plattform "Rotten Tomatoes", in der Filmdatenbank IMDB reicht es auch nur für 6,9 von 10 Punkten. Die Kritik der Fans reicht von den belanglosen Handlungssträngen, über zu viel Fan-Service bis hin zu den starken Parallelen zur ersten Trilogie. Und das alles wäre im geleakten Skript ganz anders gelaufen.

Wie genau Youtuber und Science-Fiction-Superfan Robert Burnett an das Drehbuch kam, ist nicht bekannt. In einem Video erklärt er ausführlich Handlungsstränge und Änderungen zum fertigen Film. Und: Die TV-Seite "AV Club" konnte anhand seiner Ausführungen von einer unabhängigen Quelle bestätigen lassen, dass es sich tatsächlich um ein 2016 von Colin Trevorrow and Derek Connolly geschriebenes Drehbuch für die neunte Episode des Sci-Fi-Epos handelte.

Duell der Schicksale

Mit der Handlung des im Dezember erschienen Films hatte der Entwurf wenig zu tun. Nicht einmal den Titel teilte er mit dem finalen Produkt: "Duel of Fates" - "Duell der Schicksale" - sollte der letzte Teil der Saga damals noch heißen. Angesichts der Handlung hätte der aktuelle Titel auch keinerlei Sinn ergeben. Dazu unten mehr. Die grundsätzliche Idee war trotzdem die gleiche: Die Erste Ordnung kämpft gegen die Rebellen, Neu-Jedi Rey und Sith-Lord Kylo Ren sind auch hier über die Macht miteinander verbunden, beide hadern mit den Prinzipien und Ideen ihrer Orden. Das war allerdings schon im Vorgänger-Teil "Die letzten Jedi" etabliert. 

Ansonsten könnte die Handlung unterschiedlicher kaum ausfallen. Statt sich wieder auf den Original-Bösewicht Palpatine zu stützen, kam dieser nur einmal als Hologramm vor. In einer dunklen Höhle sollte Kylo Ren - geplagt vom ihn verspottenden Macht-Geist Luke Skywalkers - auf eine Aufnahme des alten Schurken stoßen. Dabei wurde enthüllt, dass Darth Vader seinen Sohn Luke zum wahren dunklen Meister der Sith bringen sollte. Und nachdem Kylo durch das explodierende Hologramm im Gesicht verstümmelt wurde, machte auch der sich auf die Suche nach genau diesem neuen Super-Bösewicht.

Hell gegen Dunkel

Der dunkle Meister Tor Valum hatte durchaus Potenzial: Das Skript beschreibt ihn als 7000 Jahre altes Ungetüm nach Lovecraft-Art, der Kylo Rens Training übernimmt. Das endet in einem Kampf gegen den Geist Darth Vaders - den Kylo verliert. Er glaubt, Vader nun verstanden zu haben. "Du hast zugelassen, dass Liebe deine Urteilskraft beeinträchtigt", sagt er seinem Großvater - bevor er seinen Helm mit einem Wurf vom Balkon zerschmettert. Vorher hat er noch die Vernichtung der Rebellen beauftragt, mit expliziter Ausnahme von Rey.

Rey hadert indessen mit dem Konzept der Balance in der Macht. "Das Dunkel erlischt das Licht, um dann von einem neuen Licht vertrieben zu werden", schleudert sie ihrem Geister-Meister Luke entgegen. "Wo ist das Balance?" Sie glaubt - entgegen allem Widerstand von Fin und Leia - Kylo retten zu können.

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Anders als im Film klappt das aber nur bedingt. In einem großen finalen Kampf entziehen sich die beiden gegenseitig Macht-Energie. Sogar die Macht-Geister von Luke, Obiwan Kenobi und Yoda erscheinen und versuchen, gemeinsam mit Rey an Ben Kenobi in Kylos Herz zu appellieren. Am Ende ist die Mühe vergebens: Ben/Kylo verliert und löst sich am Ende des Kampfes auf. Vorher verrät er Rey noch, dass er ihre Elten im Auftrag von Snoke tötete - und sie tatsächlich Niemande waren. Anders als im Film hätte sich Rey also nicht von der bösen Vergangenheit ihrer Familie distanzieren müssen - und wäre wohl nicht zur Skywalker aufgestiegen.

Mehr Rose

Auch bei den Rebellen ist (fast) alles anders als im Film. Sämtliche Schauplätze der Rebellion sind andere, die Hauptschlacht findet etwa in der aus den Prequels bekannten Hauptstadt Coruscant statt. Leia scheint in diesem Entwurf nicht zu sterben, allerdings war zum Zeitpunkt des Entstehens auch Schauspielerin Carrie Fischer noch am Leben. 

Über eine Änderung dürften die Fans dankbar sein: Rose Tico spielte im "Duell der Schicksale" eine deutlich größere Rolle. Die in "Die letzten Jedi" eingeführte und bei vielen Fans enorm unbeliebte Rebellin sollte die Helden quasi auf jeder wichtigen Mission begleiten. So sollte sie gemeinsam mit Fin und Poe eine Station der Ersten Ordnung infiltrieren, später mit Fin, R2D2 und C3PO eine Art "Macht-Verstärker" finden und nutzbar machen, um Verbündete in der ganzen Galaxie zu erreichen - und sogar mit ihren Freunden einen Sternzerstörer stehlen. Das Feedback der Fans zum erst kurz nach Finalisierung des Skripts erschienenen achten Teils scheint aber zu laut geworden zu sein. In der nun umgesetzten neunten Episode ist Rose kaum zu sehen.

Fan-Lieblinge hätten natürlich trotzdem genug Raum bekommen. Auch in der Ursprungs-Version sollten Lando und ein Geist Han Solos kleine Auftritte haben, beim Einsatz des Macht-Verstärkers sollte der Reptil-Kopfgeldjäger Bossk auftauchen. Und spätestens wenn Chewy einen Tie-Fighter fliegt, wäre der Jubel sicher gewesen.

Quelle: Youtube, AV Club