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Suchmaschinen: Microsoft geht unter die Goldsucher

Mit Blick auf die Erfolge von Google will Microsoft noch in diesem Jahr eine eigene Technik für die Internet-Suche vorstellen.

Wenn es um die neuesten Technologien geht, ist Microsoft nicht gerade als Vorreiter bekannt. Aber der Software-Marktführer hat beim Internet-Browser wie beim Abspielen von digitaler Musik mehrfach bewiesen, dass er einen Entwicklungsrückstand mit dem massiven Einsatz von Kapital mehr als wett machen kann. Jetzt scheint es wieder so weit zu sein: Mit Blick auf die Erfolge von Google will Microsoft noch in diesem Jahr eine eigene Technik für die Internet-Suche vorstellen.

Nein, es gehe Microsoft nicht darum, mit Google gleichzuziehen, versichert Firmensprecher Jim Desler. Dies wäre viel zu kurz gedacht, weil die Bemühungen von Microsoft in diesem Bereich sehr viel weiter reichten. Bisher hat sich das Unternehmen bei der Suchfunktion für sein Internet-Portal MSN auf die externe Technik-Zulieferung von Inktomi verlassen, das inzwischen zu Yahoo gehört. Und bei der Technik für die Hervorhebung von bezahlten Einträgen arbeitet Microsoft mit Overture zusammen, einer weiteren Yahoo-Tochter.

Microsoft fühlt sich offenbar bedroht

Allein auf dem US-Markt liegt MSN als Suchmaschine mit 29 Prozent aber nur auf Platz drei, hinter Yahoo mit 31 Prozent und Google - für den Spitzenreiter haben die Marktforscher von Nielsen/Net Ratings im März einen Anteil von 42 Prozent ermittelt. Microsoft befinde sich mal wieder in einer Aufholjagd, sagt David Smith vom Marktforschungsinstitut Gartner Group. Dies sei ein typisches Verhalten in einer Situation, in der sich Microsoft bedroht fühle.

Mit der explosionsartigen Zunahme der Informationen im Internet haben sich die Gewichte bei der alltäglichen Nutzung des Computers verschoben: Es geht nicht mehr so sehr um die Erstellung von Dokumenten, bei der Microsoft mit seinen Office-Anwendungen wie mit dem Windows-Betriebssystem eine dominierende Stellung errungen hat. Vielmehr wird es in Zukunft immer wichtiger sein, wie Dokumente aller Art möglichst schnell gefunden werden.

"Bedeutendes Marktpotenzial"

Microsoft verspüre hier eine ungeheuer große Nachfrage seiner Kunden und ein bedeutendes Marktpotenzial, erklärt MSN-Managerin Lisa Gurry. Als Ziel nennt sie ein Verfahren für eine personalisierte Suche nach Informationen. Dabei soll die Technik die in Suchabfragen zum Ausdruck kommenden Interessen eines PC-Anwenders erfassen, um dann beispielsweise bei der Eingabe des Suchbegriffs „Panda“ zu entscheiden, ob eher das Säugetier oder das gleichnamige Automodell gemeint ist.

Neben der Suche nach Inhalten im Web arbeitet Microsoft auch an einer Suchmaschine für aktuelle Nachrichten. Dieser "NewsBot" soll ähnlich wie die im vergangenen Jahr eingeführten "Google News" die im Netz vorhandenen Nachrichten nach ihrer Wichtigkeit sortieren. Daneben basteln die Microsoft-Entwickler auch an einem "BlogBot" für Einträge im Web-Tagebüchern und an einem "AnswerBot", der in ganzen Sätzen formulierte Fragen beantworten soll.

Die Datenschützer gucken schon...

Wenn Sucheingaben von Nutzern kontinuierlich erfasst und ausgewertet werden, stößt dies schnell auf Bedenken, ob da nicht die persönliche Privatsphäre gefährdet ist. Gurry räumt ein, dass diese Fragen sorgfältig geprüft werden müssten. Aber Marktbeobachter Smith sieht gerade hier einen Nachteil von Microsoft: "Es geht nicht nur um Technologie, es geht um Vertrauen. Google wird vertraut, und Microsoft wird nicht vertraut."

Einen Vorteil hat Microsoft hingegen, weil es Suchfunktionen im Betriebssystem verankern kann. Bisher kann man in Windows bei der Suche nach einer bestimmten Datei leicht in den Tiefen der Ordner und Unterordner verloren gehen. Die ab 2006 geplante und vorläufig als "Longhorn" bezeichnete nächste Windows-Version soll nun eine weit intelligentere Suchfunktion erhalten und Daten aus verschiedenen Quellen aufspüren. Als Beispiel nennt Produkt-Manager Greg Sullivan die Suche nach einem bestimmten Ereignis, zu dem das Betriebssystem dann ein Word-Dokument, ein Bild und eine E-Mail finden könnte.

"Google sollte sich nicht zu sicher fühlen"

Auch in den "Google Labs" wird eifrig geforscht - etwa nach neuen Möglichkeiten einer personalisierten Suche oder auch nach einer sprachgesteuerten Suche. Aber die Marktbeobachter warnen, dass es für Google allen Grund gibt, sich angesichts der Aktivitäten von Microsoft nicht allzu sicher zu fühlen. "Wenn Microsoft seine Aufmerksamkeit einem Markt zuwendet, dann hat das Unternehmen in bemerkenswerter Weise bewiesen, dass es aufholen und eine Führungsrolle übernehmen kann", sagt Niki Scevak von Jupiter Research. "Ich würde sagen, da ist es nie zu spät."

Allison Linn, AP / AP / DPA