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Sparen um jeden Preis Millionenrechnungen einfach nicht bezahlen: Mit diesen kruden Maßnahmen will Musk die Twitter-Verluste verringern

Elon Musk hat erst seit wenigen Tagen Twitter offiziell übernommen – und schon für einige Schlagzeilen gesorgt
Elon Musk zieht bei Twitter ein Sparprogramm durch
© Brendan Smialowski / AFP
Seit der Übernahme von Twitter will Neubesitzer Elon Musk den Konzern in den Gewinn sparen. Das erweist sich trotz Massenentlassungen als enorm schwierige Aufgabe. Doch Musk ist bei der Wahl der Mittel alles andere als zimperlich.

Es ist eine gewaltige Herausforderung für den Neubesitzer: Schon bevor Elon Musk das Zepter übernahm, war der Konzern trotz Einnahmen jährlich etwa fünf Milliarden Euro in den Miesen. Weil der neue Chef seine 44 Milliarden Euro für die Übernahme teilweise als Schulden auf die Firma übertrug, muss der Konzern jetzt aber noch eine weitere Milliarde Plus machen - nur um die Zinsen tilgen zu können. Dazu soll er auch zu fragwürdigen Maßnahmen bereit sein.

Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf acht Quellen bei Twitter. Musk lasse sein Team demnach "Eintrag für Eintrag" die Kosten des Unternehmens durchgehen, um weitere Sparmöglichkeiten zu entdecken. Dabei stünden selbst die Spesenabrechnungen einzelner Mitarbeiter auf dem Programm. Und genau dort soll Musk wohl fündig geworden sein.

Sparen um jeden Preis

Die vorherige Unternehmens-Führung soll im Laufe der letzten Monate Hunderttausende Dollar an Reisekosten angehäuft haben, die von der Spesenabteilung noch zu begleichen waren. Das habe Musk nun aber verhindert. Er weigere sich, für die nicht von ihm genehmigten Kosten aufzukommen, heißt es im Unternehmen. Den Reiseunternehmen, die ihre Leistung bereits erbracht hatten, verweigerte er demnach schlicht die Zahlung.

Auch an anderen Stellen soll Musk vertraglich vereinbarte Zahlungen an Zulieferer blockiert haben. Insgesamt soll er Rechnungen in Höhe mehrerer Millionen Dollar zu zahlen verweigert haben. In der Belegschaft und bei den betroffenen Unternehmen soll das für Proteste gesorgt haben. Ob rechtliche Schritte eingelegt wurde, ist bislang nicht öffentlich bekannt. 

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Selbstgemachte Geldprobleme

Dass Musk sparen muss, ist angesichts der finanziellen Situation des Konzerns zwar kaum von der Hand zu weisen. Einen Teil des Problems hat er aber selbst verursacht. Während der Konzern durch die Zinszahlungen erheblich gestiegene Kosten schultern muss, sanken die Einnahmen deutlich. Weil Werbekunden Musks deutlichem Bekenntnis zur Meinungsfreiheit und einem Minimum an Moderation sehr skeptisch gegenüberstehen, haben viele von ihnen ihre Werbeschaltungen bei Twitter eingefroren, dem Konzern entgehen dadurch wichtige Einnahmen.

Gleichzeitig musste Musk seine vorschnelle Einführung eines Abo-Programms vorerst wieder zurücknehmen. Musk hatte geplant, die Verifikation einzelner Accounts durch ein Bezahlsystem zu ersetzen. Schon kurz nach Einführung zeigte sich aber dessen Anfälligkeit: Twitter wurde geradezu überschwemmt von Accounts, die sich als Firmen, Prominente oder sogar als Jesus ausgaben. Das Programm wurde zunächst beendet, um es zu überarbeiten.

Twitter im Sparmodus

Musks Sparzwang belastet auch Twitter bereits spürbar. Nur eine Woche nach seinem Antritt hatte Musk die Hälfte der Mitarbeiter weltweit gekündigt. Indem er das Homeoffice beendete und die Mitarbeiter per Mail zur Wahl zwischen einem aktiven Bekenntnis zum Konzern oder der Kündigung zwang, hat er die Belegschaft noch weiter reduziert. Es gebe jetzt noch 2700 Angestellte, verkündete Musk nach Angaben von "The Verge" in einem internen Meeting. Vor der Übernahme waren es noch fast 7500 gewesen.

Die Ausfälle sind teilweise auch auf Twitter selbst spürbar. Nutzer berichten von einer Zunahme an Beleidigungen und problematischen Tweets. Das liegt sicher nicht nur an Musks erklärtem Ziel von mehr Meinungsfreiheit, sondern auch an einer deutlich reduzierten Zahl von Moderatoren. Auch eine Zunahme an kopiergeschütztem Material wird beobachtet. So hatten Nutzer begonnen, ganze Serien und Filme auf die Plattform zu laden. Diese wurden entweder gar nicht oder erst nach langer Zeit wieder entfernt. 

Quellen: New York Times, The Verge, T3N

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