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Virtuelle Welten: Wenn der Avatar anruft

Was ist Kunden in virtuellen Welten wichtig? Das versucht Vodafone herauszufinden. Der Mobilfunkanbieter bietet jetzt kostenlose Telefongespräche über "Second Life" an.

Von Sven Stillich, London

"Warum wir das machen?", fragt David Erixon rhetorisch in die Runde des "Virtual World Forums" in London - "weil ein großer Konzern wie unserer geradezu dazu gezwungen ist, herausfinden, was Kunden in den neuen virtuellen Welten wichtig ist."

Erixon ist beim Mobilfunk-Unternehmen Vodafone für die Markenstrategie zuständig, und strategisch möchte Vodafone es auch verstanden wissen, dass die Firma nun Avatare miteinander verbindet. "Wir möchten lernen, welche Dienste wir in Zukunft in ‚Second Life' und ähnlichen Räumen anbieten können", sagt auch Erixons deutscher Kollege Ingo Ehlen, "wir wollen die Avatare und ihre Bedürfnisse verstehen." Deswegen sei der Dienst erst einmal gratis und bis Ende November befristet, "aber das Ganze ist natürlich verlängerbar."

Das Ganze ist außerdem sehr einfach zu bedienen, entfaltet aber dennoch die Art von Technikmagie, die sich einstellt, wenn etwas offensichtlich funktioniert, aber dennoch niemand so recht glauben kann, dass es wirklich klappt. Wer aus "Second Life" heraus telefonieren möchte, muss sich lediglich auf die "Vodafone InsideOut"-Insel in der 3D-Welt teleportieren, wo der Avatar umsonst ein Handy bekommt. Dann muss sich der Avatar auf einer Website registrieren und dort seine reale Handynummer angeben - fertig. Ab jetzt kann der Avatar alle anderen Avatare, die sich wie er beim "InsideOut"-Service angemeldet haben, anrufen. Es klingelt dann zuerst das reale Handy des realen Anrufers, dann das echte Handy des Menschen, dessen Avatar angerufen wurde - und nun ist das Ganze ein ganz normales Telefongespräch.

Anrufer bleiben anonym

Es lassen sich auch SMSe verschicken aus "Second Life" heraus und in "Second Life" hinein; ist der Avatar nicht online, wird ihm die SMS sogar auf das reale Handy geschickt. Die Anonymität der virtuellen Welt bleibt gewahrt: Die Handynummer des anderen bekommt niemand zu sehen, auf dem Display erscheint der Name des Avatars. Der Dienst ist aus "Second Life" heraus gratis, Vodafone macht dabei aber bestimmt keinen Verlust, im Gegenteil: Der Konzern erwirtschaftet einen unbezahlbaren Erkenntnisgewinn. "Wir können bislang nicht einmal einschätzen, was so ein Dienst kosten könnte", sagt Ingo Ehlen, "10 Linden Dollar für eine SMS? 10 Linden Dollar pro Minute Telefongespräch? Wir erproben völlig neue Preismodelle". Und das anscheinend mit großem Zuspruch. "Das längste Telefongespräch aus ‚Second Life' heraus, das wir bislang hatten, war über eine Stunde lang", sagt Ingo Ehlen. Das allerdings ist keine neue Erkenntnis - Verquatschen konnte man sich in "Second Life" schon immer. Mehr zu dem Service gibt es unter secondlife.vodafone.com/de/

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