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Website Realfakes.net: Victorias Kampf gegen die falschen Liebhaber

Im Internet verliebte sich Victoria S. in einen Mann. Doch sie fand heraus: Er ist nicht echt. Sie hat eine Website gegründet, die helfen soll, andere vor dem gleichen Schicksal zu bewahren.

Von Timo Brücken

Im Internet kann jeder ein bisschen mehr die Person sein, die er gern wäre. Schöner als im wahren Leben, mutiger mit der eigenen Meinung, schlagfertiger im Gespräch. Doch diese Freiheit hat auch ihre Schattenseiten. Dort, wo nicht nur geschönt wird, sondern gelogen. Wo Menschen auf Twitter oder Facebook ganze Identitäten erfinden, um andere zu täuschen und zu manipulieren. Ihre Opfer gar dazu bringen, Gefühle für die gefälschte Person zu entwickeln. "Catfish" heißen diese digitalen Hochstapler im Englischen, nach dem gleichnamigen Film über einen Fotografen, der sich in eine Frau verliebt, die es gar nicht gibt. Victoria S. nennt sie "Fakes".

Die Hamburgerin hat die Website Realfakes.net ins Netz gestellt. Sie will darüber aufklären, wie Fakes vorgehen, woran man sie erkennt und wie man sich vor ihnen schützen kann. "Das Vorurteil lautet, dass man gefälschte Profile doch ganz leicht erkennen kann", erzählt sie stern.de. "Aber das stimmt nicht." Victoria S. muss es wissen. Sie, die das Internet eigentlich liebt, bekam dessen "dunkle Seite der Macht" zu spüren, wie sie es selbst ausdrückt. Victoria S. wurde Opfer eines Fakes.

Liebesbriefe und Geschenke, aber kein Treffen

Ihre Geschichte hat sie auf ihrem Blog dokumentiert, sie beginnt im Spätsommer 2011. Victoria S. hat damals mehr als 5000 Follower bei Twitter. Einer von ihnen, der sich Kai Cruz nennt, antwortet auf eine ihrer Botschaften. Die beiden kommen ins Gespräch. Bald werden aus öffentlichen Tweets private Direktnachrichten, E-Mails, Chats bei Facebook. Schließlich hört Victoria bei Skype zum ersten mal die Stimme, die Kai gehören soll. Jedoch ohne Videobild, seine Webcam sei kaputt, sagt er. Fotos von ihm sieht sie nur bei Instagram. Kai, der schöne Surfer mit der dunklen Haut, Sohn eines Jamaikaners und einer Deutschen, ist ein guter Zuhörer, einfühlsam und immer gut gelaunt. Nach drei Wochen gesteht er ihr, dass er mehr für sie empfindet. Auch Victoria hat sich verliebt.

Eine monatelange Romanze beginnt, ohne dass die beiden sich jemals persönlich begegnen. Er sei für ein Vierteljahr auf Jamaika und in den USA unterwegs, behauptet Kai zuerst. Doch auch als er angeblich wieder in Deustchland ist, lässt er mehrere Treffen im letzten Moment platzen. Seine Ausreden erscheinen Victoria jedoch glaubhaft. Sie ist überzeugt, dass Kai es wirklich ernst meint. Schließlich schickt er ihr doch ständig Liebesbriefe und teure Geschenke. Seine Geschwister freunden sich auf Facebook mit ihr an. Und sein bester Kumpel Chris flirtet dort sogar heftig mit ihren Freundinnen. Wie könnte so jemand nicht echt sein?

Kai Cruz? Nie gehört.

Doch dann beginnt das Bild zu bröckeln. Eine von Victorias Freundinnen ist misstrauisch geworden. Sie ruft beim Einwohnermeldeamt in Münster an, dort wohnt Kai angeblich. Danach bei der Schule, auf die er gegangen sein will, und beim vermeintlichen Arbeitgeber. Doch niemand hat je etwas von einem Kai Cruz gehört. Victoria stellt ihn per Skype zur Rede. Unter Tränen gesteht die Männerstimme am anderen Ende, ein Fake zu sein. In Wirklichkeit heiße er Daniel Grubert, "Kai" sei nur eine Tarnidentität, die er sich zu tief verstrickt habe. Doch auch das ist eine Lüge.

Victoria hofft zwar, nun endlich die Wahrheit zu kennen, will ihm noch eine Chance geben. Aber sie bleibt misstrauisch. Stück für Stück findet sie Risse im Bild von Daniel Grubert. Die Person hinter dem Namen beginnt, Fehler zu machen. So viele sind es schließlich, dass Victoria klar wird, dass die Lüge noch viel tiefer reichen muss.

Sie recherchiert weiter und findet andere Frauen, die auf Kai, Chris und Co hereingefallen sind. Dank der IP-Adresse in einer E-Mail weiß sie: Der Mensch, den sie sucht, lebt in Springfield im Süden der USA. Mithilfe eines Reportes der Zeitschrift "Neon" macht sie ihn ausfindig. Nun wird klar, wer wirklich dahinter steckt: Kein Mann, der sich mal Kai und mal Daniel nannte, sondern eine deutsche Psychologin, die in den USA arbeitet. Wenn Victoria anrief, startete die Frau ein Computerprogramm, das ihre Stimme tiefer erscheinen ließ. Freunde und Familie waren frei erfunden, mindestens 16 Fake-Profile betrieb sie dazu gleichzeitig.

Über ihr Motiv kann man nur mutmaßen. Anders als bei klassischen Heiratsschwindlern ging es der Frau nicht um Geld. Sie habe "vermutlich psychische Probleme", schrieb "Neon". Dem Reporter erzählte die Psychologin, dass sie lieber mit einer Frau zusammenleben würde. Ihre Gefühle seien echt gewesen, nur die Personen nicht. Victoria sagt dazu: "Das ist eine Form von Liebe, die nur der Befriedigung des eigenen Egos dient – ohne dabei an die Folgen für das Gegenüber zu denken."

Victoria will kein Opfer sein

Als Kommunikationsdesignerin und Bloggerin ist Victoria S. alles andere als unerfahren im Internet. Trotzdem hat es jemand geschafft, sie monatelang genau dort zu täuschen. Ein Schlag, auf den andere vielleicht mit dem Rückzug aus dem Netz reagieren würden. Doch Victoria schaltet lieber auf Angriff, sie will andere vor dem gleichen Schicksal bewahren. Realfakes.net ist ihre Waffe.

Etwa 150 Betroffene hätten ihr mittlerweile geschrieben, sagt sie. "Manche haben immer noch Hoffnung. Aber viele wissen längst, was los ist. Sie brauchen nur noch einen Beweis." Victoria hilft ihnen, diesen zu finden. Auf ihrer Seite gibt sie Tipps, wie man Profile und Fotos in sozialen Netzwerken überprüft oder IP-Adressen zurückverfolgt, wie sie es bei "Kai" getan hat. Aus eigener Erfahrung weiß sie: "Leute denen sowas passiert und die sich trauen, davon zu erzählen, brauchen Verständnis, keinen Spott. Wer sagt, mich würde das niemals treffen, macht es sich zu leicht."

Zur Internethasserin ist Victoria S. durch ihre Erlebnisse nicht geworden. Ganz im Gegenteil: "Das Netz ist voll von tollen Leuten. Überlassen wir es nicht den Anderen!", schreibt sie. Ihr Rat an diese tollen Leute: "Schreib mit wem du willst, aber sobald Gefühle im Spiel sind, mach den Realitätscheck."

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