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Neuer Tarif "Funk": Freenet wirbt mit unbegrenztem Internet – und kündigt Kunden, die zuviel surfen

Eine echte mobile Flatrate für 30 Euro - so bewirbt Freenet seinen neuartigen Tarif Funk. Doch bei einigen Kunden ist nun herbe Enttäuschung eingetreten: Ihnen wurde der Tarif wieder gekündigt – weil sie zuviel Datenvolumen verbraucht haben.

Eine Frau schaut überrascht auf ihr Smartphone

Einige Kunden von Freenet Funk wurden von der Kündigung überrascht.

Getty Images

Es sollte die Revolution im Mobilfunk-Tarif werden: Mit Freenet Funk stellte der altbekannte Provider ein Modell vor, das die bekannten Gesetze des Mobilfunkmarktes aushebelte. Statt Tarif-Dschungel gibt es genau zwei Möglichkeiten: 1 GB am Tag kostet 69 Cent, für 99 Cent gibt es unbegrenztes Surfvergnügen, täglich kann gewechselt und gekündigt werden. 30 Euro im Monat für ungedrosseltes LTE plus hohe Flexibilität - das war für viele ein verlockendes Angebot. Doch nun sind manche Kunden enttäuscht.

In Foren und E-Mails würden sich Kunden über überraschende Kündigungen beschweren, meldet das Branchen-Blog "Teltarif". Die Begründung Freenets: Die Kunden hätten den Tarif zu intensiv genutzt: Zwei Kunden sollen nach eigenen Angaben 500 GB im Monat durch die Leitung gejagt haben, ein anderer will es gar auf 1,39 Terabyte gebracht haben. Bei allen zog Freenet die Reißleine und kündigte.

Was bedeutet intensive Nutzung?

Der Schritt ist nicht unproblematisch: Im Prinzip nutzen diese Kunden den Dienst so, wie er beworben wird. In der App und den AGB wird stets von unbegrenztem Datenvolumen gesprochen, eine Fair-Use-Grenze, wie sie von anderen Anbietern oft genannt wird, findet sich nicht. Findigen Nutzern fiel zudem auf, dass Freenet erst nachträglich eine Nutzung der SIM-Karte in einem kabelgebundenen LTE-Router ausschloss. Diese Weise, sich den Festnetzanschluss zu sparen, war bis vor kurzem noch nicht explizit verboten, mittlerweile findet sich eine entsprechende Passage.

"Wir mussten lernen, dass Kunden Freenet Funk augenscheinlich vorsätzlich missbräuchlich verwendet haben, indem sie das für eine mobile Nutzung gedachte Produkt in einem Umfang genutzt haben, der allein bei stationärer Nutzung möglich ist. Die AGB wurden nicht zum Zweck dieser Kündigungen geändert, sondern allein zur Konkretisierung der missbräuchlichen Nutzung", erklärte ein Sprecher von Freenet die Sicht des Unternehmens. Die Kündigung sei auch nicht mit Verweis auf diesen Missbrauch, sondern regulär fristgerecht erfolgt. 

Ob es auch zu solchen Kündigungen kommen kann, wenn man statt eines festen LTE-Routers ein altes Smartphone benutzt, um das Datenvolumen so an andere Geräte weiterzureichen, sagte der Sprecher: "Reguläre Nutzung schließt Freenet Funk selbstverständlich nicht aus." Die Tethering genannte Methode ist nach den AGB und auch Funks FAQs explizit erlaubt. 

Für Freenet zu teuer

Hinter Freenets Entscheidung dürften wirtschaftliche Erwägungen stehen. Anders als Netzbetreiber wie Telekom oder Vodafone muss das Unternehmen als Reseller seine Datenpakete selbst einkaufen, bevor sie sie selbst anbieten können. Für den Tarif Funk geschieht das beim Netzbetreiber Telefónica. Je nach Einkaufsbedingungen ist es durchaus denkbar, dass für die Extremnutzer auch höhere Kosten für Freenet anfallen. Während sich auch eine intensive Nutzung in der Mischkalkulation mit Wenignutzern noch rentieren dürfte, könnten extreme Fälle, wie die oben genannten, einfach zu teuer werden. Aus ähnlichen Gründen dürfte eine Umsetzung des EU-Roamings, das für Sommer versprochen war, weiter auf sich warten lassen.

Die Kündigungen sind nicht der einzige Aspekt des Spartarifs, der für Ärger sorgt. Ein weiteres Problem sind etwa die Pausen, die man mit dem Vertrag einlegen kann. Statt immer zu kündigen, kann man den Tarif auch einfach pausieren, die Telefonnummer bleibt dann weiter erreichbar, ausgehende Anrufe und das Internet sind dann aber gesperrt. Nach zwei Wochen aktiviert sich der Tarif automatisch wieder, kann dann erst zum nächsten Tag wieder pausiert werden.

In der Praxis scheint dieses Feature aber teilweise zu Problemen zu führen. Ende letzter Woche klagten etwa Kunden, dass ihr Vertrag wieder aktiviert worden war, die Internetfunktion aber weiter abgeschaltet blieb. Auch der - ebenfalls vielfach beklagte - Support per Whatsapp konnte nicht helfen. Andere Supportkanäle bietet Funk nicht an. Erst nach Tagen ließen die Klagen der Nutzer nach. Nach Angaben von Freenet waren die Probleme Folgen eines Ausfalls der Kommunikation zwischen Freenet und einem Netzbetreiber.

Quellen: Freenet, Teltarif

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