HOME

Fünfter Geburtstag des Apple-Handys: Wie das iPhone mein Leben verändert hat

Für die einen ist es nur ein teures Handy, für die anderen die vielleicht schönste Nebensache der Welt: Heute vor fünf Jahren kam das iPhone auf den Markt - und eroberte im Nu die Hosentaschen.

Eine Hommage von Christoph Fröhlich

Liebes iPhone,
fünf Jahre ist es nun her, dass du zum ersten Mal über eine Ladentheke gewandert bist. Und spektakulärer hätte dein Hallo an die Welt nicht sein können: Tausende Menschen drängelten sich vor den Geschäften, um dich kaufen und anfassen zu können, oder wenigstens einen Blick auf dich zu erhaschen. So etwas wie dich gab es zuvor nicht. Ein Bildschirm zum Wischen, ganz ohne Stift? Ein Telefon mit nur einer Taste? Mobiles Internet? Das brauchen nur Nerds, dachten viele. Heute steckst du in mehr als 250 Millionen Hosentaschen.

Weg mit dem Busfahrplan!

Ich muss zugeben, auch ich erkannte deine Vorzüge nicht sofort. Deine Kamera war eher mäßig. Bis jetzt hast du keinen Speicherkartenslot. Und wozu muss ich immer online sein, wenn ich zu Hause auf dem Rechner ins Internet kann? Heute kann ich zumindest über Letzteres nur noch schmunzeln, meine Mutter hingegen stellt sich diese Frage immer noch. Überall angekommen bist du also noch nicht. Doch bei einem waren sich schon damals alle einig: Du sahst gut aus, besser und eleganter als all die Samsungs, Nokias und Motorolas. Im Vergleich zu diesen klobigen Knochen wirktest du wie ein Stück Zukunft.

Auch die Sache mit den Apps klang spannend, dass es davon mal mehr als 650.000 geben würde, hätte ich mir aber in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Dank ihnen habe ich mich weniger verlaufen ("Maps"), konnte den Busfahrplan ins Altpapier werfen ("Fahrplan"), habe mehr als 2500 Fotos geknipst und beherrsche die Gesetze der Ballistik aus dem Effeff ("Angry Birds"). Überhaupt, die ganzen Spiele, die du mir gezeigt hast: Ich habe Pflanzen gegen Zombies kämpfen lassen, endlos viele Früchte zerhackt und bin durch verlassene Tempel gerannt. Und das alles für wenige Euro.

Zurück geht's nimmer!

Das ist vielleicht dein größter Triumph: Du hast Videospiele nicht nur gesellschaftsfähig gemacht, du hast sie zur Popkultur geadelt. Was in den 90ern die "Simpsons" und in den 2000er "Pokémon" war, ist heute "Angry Birds". Wütende Vögel, die grüne Schweine jagen. Wer die nicht kennt, kennt auch das ganze andere neumodische Zeug wie "Instagram", "Siri" oder "Spotify" nicht, das das Leben zwar nicht besser, aber zumindest abwechslungsreicher macht.

Du kannst nicht alles - Kaffee kochen wäre zum Beispiel schön -, aber so viel mehr als das olle Nokia 3310 mit seinen monophonen Klingeltönen, auf dem ich zuerst mobil telefoniert habe. Das kramte ich nur hervor, wenn ich es brauchte. Bei dir ist das anders: Warte ich auf einen Kollegen, checke ich schnell die E-Mails, sitze ich in der U-Bahn, lese ich Nachrichten im 3,5-Zoll-Format. Auch den Sitznachbarn ergeht es oft nicht anders: in der einen Hand den Coffee to go, mit der anderen wird über Glasscheiben gewischt.

Doch so praktisch du im Alltag auch bist, du bist ein echter Partykiller! Wie sehr du unsere Gesprächskultur verändert hast, zeigt eine Folge der Erfolgs-Sitcom "How I Met Your Mother": Haben die Protagonisten vor fünf Jahren noch leidenschaftlich über Alltagsfragen debattiert, liefert das Smartphone heute innerhalb von Sekunden die richtige Antwort. Jede Diskussion wird im Keim erstickt, weil du alles weißt. Immer und überall.

Wohlbehütet und eingepackt

Wenn ich dich verlieren sollte, verliere ich nicht nur ein Handy. In dir stecken alle Kontakte, viele wichtige Nachrichten und mehr als 2000 Fotos. Das ist praktisch, da ich so alles beisammen habe. Aber es hat mich auch verändert: Jedes Mal, wenn ich den Raum verlasse, stecke ich dich in die Hosentasche, aus Angst, dich könnte jemand wegnehmen. Finde ich dich nicht sofort, werde ich panisch. Solche Sorgen hatte ich vor fünf Jahren noch nicht.

Damit dir nichts passiert, hast du als erstes Telefon überhaupt eine Schutzhülle bekommen. Zwar bekomme ich so dein Aluminiumgehäuse nie in die Hände - stattdessen fühle ich billigen Kunststoff aus Fernost - doch das nehme ich in Kauf. Mein altes Nokia dagegen habe ich früher einfach in die Tasche geschmissen, und so sah es nach wenigen Monaten auch aus.

Letztens traf ich einen Bekannten, dessen Glasoberfläche auf der Rückseite seines iPhones gesplittert war. Wen interessiert, wie das Telefon hinten aussieht, könnte man meinen. Er sah das nicht so. Statt die Risse zu akzeptieren, ging er zum "iPhone-Doktor" und tauschte das Gehäuse für viel Geld aus. Ob ich so weit gehen würde, weiß ich nicht. Ich hoffe einfach, dass ich mit dir nie dahin muss.

Deinen Jahrestag habe ich schon gebührend gefeiert. Fünf Kerzen auf dem Schokokuchen habe ich für dich ausgepustet - in der passenden Geburtstags-App, versteht sich.

Auf die nächsten fünf Jahre!
Dein Christoph

Hier können Sie dem Verfasser auch auf Twitter folgen

Themen in diesem Artikel