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Rettet Apple so den Tabletmarkt?: iPad Pro: Apple geht stiften

Mit dem iPad Pro wirft Apple noch mal ein echtes Schwergewicht in den Ring: Das Riesentablet lässt sich mit Stift und Extra-Tastatur zum Profigerät ausrüsten. Was taugt das XXL-iPad?

Apple iPad Pro mit Apple Pencil

Das neue iPad Pro lässt sich auch mit dem "Apple Pencil" getauften Stift bedienen.

Das neue iPad Pro ist ein echter Brummer - zumindest, was die Fläche angeht. Mit einer Bildschirmdiagonale von riesigen 12,9 Zoll ist das neue Tablet ein gutes Stück größer als die kleinsten Macbooks. Das große Display ist zudem das hochauflösendste in einem iOS-Gerät und bringt es auf  stolze 5,6 Millionen Pixel.

Das braucht natürlich entsprechende Leistung. Die liefert der neue A9X-Chip. Apple verspricht die Leistung eines Desktop-Computers. Das neue Tablet ist bis zu 1,8 mal so schnell wie der bisherige A8X im iPad Air 2. Auch die Grafikeinheit hat zugelegt, sie ist doppelt so schnell wie das letzte Spitzenmodell. Das iPad Pro soll so schneller als 80 Prozent der tragbaren PCs sein, die im letzten Jahr auf den Markt kamen.

Der Akku hält trotzdem ordentlich durch. Wie immer verspricht Apple "All day battery", also einen ganzen Tag Nutzung pro Ladung. Was das heißt, ist von Gerät zu Gerät verschieden. Beim iPad Pro sollen 10 Stunden drin sein. Dabei ist es gerade mal so dünn wie das iPhone 6.

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Natürlich hat die Größe bei der Bedienung Vorteile. Das Display ist so breit, dass ein Software-Keyboard in voller Größe darauf passt. Man kann nun also mit beiden Händen auf dem iPad tippen. Wer lieber eine echte Tastatur mag, kann sich eine Smart Keyboard getaufte Hülle kaufen - aus der sich eine Standfläche mit Tastatur falten lässt. Sie wird wie die faltbaren Displayschützer der bisherigen iPads per Magnet gehalten und vom iPad mit Strom versorgt. Das ist aber kein billiges Vergnügen: In Deutschland wird die Tastenhülle mehr als 150 Euro kosten.

Mit dem Apple Pencil hat Apple außerdem den passenden Stift entwickelt. Der etwas uninspiriert benannte Stylus reagiert auf verschiedene Druckstärken und eignet sich damit vor allem zum Schreiben und Zeichnen. Er liegt gut in der Hand und ist in erster Linie auf Kreative wie Designer ausgerichtet. Für ein Gerät dieser Größe ist die Entwicklung eines Stifts nur logisch, allerdings hat er trotzdem einen Beigeschmack: Denn 2007, zur Einführung des ersten iPhones, polterte Steve Jobs noch: "Wer braucht einen Stylus?" Knappe neun Jahre später bedient man nun selbst den Markt - wenn auch mit einem aufgemotzten Gerät.

Apple iPad Pro mit Smart Keyboard

Die klappbare Tastatur namens Smart Keyboard ist beim iPad Pro nicht dabei und muss extra gekauft werden.

Überraschende Fürsprecher

Wie wichtig Apple das neue iPad ist, zeigt ein unerwarteter Auftritt: Um zu zeigen, welche tollen Möglichkeiten das riesige Display bietet, hat Apple nicht nur einen Mitarbeiter der Grafik-Experten von Adobe eingeladen - sondern sogar einen Microsoft-Manager. Das wäre noch vor kurzem völlig undenkbar gewesen. Hier zeigt sich wohl vor allem Microsofts neue Software-Strategie: Der Konzern setzt immer stärker auf sein Zugpferd Office - und das läuft eben vor allem auf Arbeitsgeräten.

Apple iPad Pro mit Apple Pencil

Der Apple Pencil registriert Druck und kann so wie ein echter Stift benutzt werden.

Das iPad Pro ist ab November in den Farben Silber, Dunkelgrau und Gold erhältlich. Deutsche Preise gibt es noch nicht. In den USA gibt es das Tablet ab 799 US-Dollar für die Version mit 32 GB Speicher. Wer mehr Platz braucht, kauft die 949 US-Dollar die Variante mit 128 GB. Für 1079 US-Dollar gibt es das 128-GB-Modell inklusive LTE. Zu diesen Preisen sind allerdings weder Tastatur noch Stift enthalten. Sie müssen einzeln gekauft werden. Für das Keyboard werden 169 Dollar fällig, der Stift kostet noch einmal ganze 99 US-Dollar.

Zukunft ungewiss

Ob Apple mit dem Fokus auf den Profimarkt das zuletzt immer weiter einbrechende Tablet-Geschäft retten kann, muss sich zeigen. Im medizinischen Bereich, in der Industrie und auch bei Kreativen hat der Konzern gar nicht so schlechte Chancen. Im echten büro- und Industrie-Alltag dürfte nach wie vor Microsofts Surface die Nase vorn haben. Darauf kann man echte Windows-Anwendungen ausführen - kein unwichtiger Punkt für viele Unternehmen. Doch vielleicht liegt die Zukunft des Tablets ja tatsächlich nicht im Wohnzimmer - sondern am Arbeitsplatz.

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