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Netzanbieter: Kabel Deutschland liebäugelt mit Großkunden

Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) erwägt den Einstieg in neue Geschäftsfelder. "In anderen Ländern bedienen Kabelkonzerne Geschäftskunden im großen Stil. Auch wir sehen hier Potenzial", sagte KDG-Chef Adrian von Hammerstein.

Von Astrid Maier (München)

Zudem treibt der Kabelbetreiber seine Pläne voran, ins Mobilfunkgeschäft einzusteigen. "Wir führen Gespräche mit Mobilfunkern. Die Entscheidung, ob und mit welchem Partner wir aktiv werden, wird 2008 fallen", sagte von Hammerstein vor Journalisten in München. Als potenzieller Partner von KDG galt bereits Anfang des Jahres der Anbieter E-Plus. Von Hammerstein wollte indes keine näheren Angaben dazu machen.

Branchenexperten sagen voraus, dass mittelfristig alle Kabelnetzbetreiber Bündelangebote aus TV, Internet, Festnetz- und Mobilfunktelefonie anbieten werden. Damit soll die Kundenbindung gesteigert werden. Vorbilder dazu gibt es bereits im Ausland. Auch haben die Konkurrenten im Wettkampf um neue Kunden für schnelle Internetanschlüsse wie etwa Hansenet bereits Mobilfunk im Angebot.

Geschäftskunden könnten die Kabelanbieter vor allem mit größerer Netzkapazität locken. Laut KDG erreicht die maximale Leistung der Netze eine Größe von bis zu fünf Gigabyte. Zum Vergleich: Das superschnelle Glasfasernetz der Telekom hat Angaben von KDG zufolge eine Kapazität von 0,1 Gigabyte. Auch sei KDG technisch in der Lage, Großkunden integrierte Lösungen etwa aus E-Mail und Mailbox anzubieten - reale Angebote existieren indes noch nicht.

Der KDG-Chef investiert 500 Millionen. Euro in den Netzausbau, um bis März 2009 mehr als 15 Millionen Haushalten neue Bündelangebote bereitstellen zu können. Derzeit bietet KDG bereits sogenannte Triple-Play-Angebote aus TV, Internet und Festnetztelefonie. Das Geschäft gilt als Wachstumstreiber, allerdings ist KDG hier vergleichsweise spät eingestiegen.

Das Unternehmen gehört dem Finanzinvestor Providence. Dieser hat KDG rund 2,4 Milliarden Euro Schulden aufgebürdet. Von Hammerstein war es gelungen, im ersten Quartal den Nettoverlust auf 4,3 Millionen Euro zu reduzieren. Ein Jahr zuvor waren es noch 13,1 Mi´llionen Euro gewesen. Im August hatte der KDG-Chef zudem bekräftigt, ab 2008 Gewinn machen zu wollen. Allerdings könnte nun ein 585 Millionen Euro schwerer Kundenzukauf von Konkurrent Orion die Bilanz drücken.

Entsprechend vorsichtig geht KDG bei der Vergabe der Pay-TV-Liverechte für die Fußballbundesliga vor: "Wir werden Fußball für unsere Kunden bereitstellen. Kaufmännische Vorsicht ist aber das Wichtigste." Derzeit kooperiert KDG mit Premiere als technischer Dienstleister, der Kundenkontakt bleibt aber allein Premiere vorbehalten. "Entscheidend ist, dass unsere Kunden Livefußball bekommen können. Wenn wir das weiter mit Premiere sicherstellen können, ist uns das recht. Die Spielregeln haben sich aber deutlich geändert", sagte von Hammerstein.

Die Deutsche Fußball Liga und ihr Vermarktungspartner Leo Kirch wollen künftig für das Pay-TV fertig produzierte Sendungen verkaufen. Die Hoffnung ist, Konkurrenten zum bisherigen Rechteinhaber Premiere zu finden, etwa Kabelnetzbetreiber. Die dafür gegründete Vermarktungsagentur Sirius sei aber noch nicht an KDG herangetreten, sagte von Hammerstein.

FTD