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Oneplus: Durch Plastik und Kleidung: Smartphone-Hersteller verbaut versehentlich Kamera mit Röntgenblick

Das können sonst nur Superhelden: Das Smartphone Oneplus 8 kann mit seiner Kamera durch Plastik fotografieren - und sogar Kleidung transparent machen. Vermutlich handelt es sich aber um ein Versehen.

Ein iPhone sieht den Deckel der Nagellackflasche in solidem Schwarz - wie das menschliche Auge auch. Das Oneplus 8 kann aber teilweise hindurchsehen

stern.de

Es wirkt ein bisschen unwirklich: Noch eben schimmerte das schwarze Plastik der Fernbedienung in der Hand, alles sieht ganz normal aus. Auf dem Bildschirm des Smartphones zeichnet sich ein ganz anderes Bild. Die Rückseite schimmert milchig, deutlich sind die Batterien und Kontakte im Innern zu sehen. Es klappt wirklich: Das Oneplus 8 kann durch Feststoffe hindurchsehen. In der Fotostrecke unten sehen Sie Beispielbilder.

Das ist vermutlich keine Absicht. Die Röntgensicht wird nicht als solche beworben, sie verbirgt sich hinter einem klassischen Filter-Effekt in der Kamera-App des Smartphones. Entdeckt wurde sie durch Zufall. Der Smartphone-Experte Ben Geskin hatte bei Twitter als erster Bilder von plötzlich durchsichtigen Plastikgehäusen gepostet, nachdem er mit einem Testgerät des Oneplus 8 Pro herumgespielt hatte.

Röntgen-Blick im Smartphone: So schaut das Oneplus 8 durch Plastik und Textilien

Die Fernbedienung eines Amazon Fire TV Stick ohne und mit Monochromfilter: Das eigentlich undurchsichtige Gehäuse gibt beim Einschalten des Filters auf einmal den Blick auf die Innereien frei. 

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Mit Infrarotlicht zum Röntgenblick

Seine Clips erklären auch, wie der Röntgen-Effekt entsteht. Der Monochrom-Filter der Oneplus-Kamera scheint schlicht Infrarot-Strahlung einzufangen. Zu sehen ist das etwa, wenn Geskin auch die Punkteraster der iPhone-Gesichtserkennung Face ID sichtbar macht. Das funktionierte auch im Test des stern. Apples Technologie nutzt unsichtbare Infrarot-Raster, um Tiefendaten für den 3D-Scan des Gesichts abzugleichen. 

Richtet man die Infrarot-Kamera dann auf dünne, dunkle bis schwarze Plastikobjekte, die nicht gegen Infrarotstrahlung isoliert wurden, erlaubt das plötzlich, die durch das Gehäuse tretende Infrarotstrahlung sichtbar zu machen - und damit den Blick ins Innere. Dass manche Hersteller auf die Isolation verzichten, hat zum einen Kostengründe, zum anderen kann es aber dabei helfen, die Wärme im Inneren des Gerätes besser austreten zu lassen.

Keine Spanner-Gefahr

Tatsächlich ist die Anwendung überschaubar. Vor allem bei technischen Geräten wie bei Fernbedienungen erlaubt der Röntgenblick interessante Einsichten, die meisten Plastikobjekte ließen sich bei einem Suchen in einer normalen Wohnung aber nicht durchschauen. Zwar gelang es uns - wie teilweise berichtet - tatsächlich auch durch schwarze Textilien die Schrift auf einer eigentlich durch die Kleidung nicht sichtbaren Postkarte sichtbar machen, die Konturen des Körpers oder die Unterwäsche blieben aber verborgen. Für Spanner ist das Oneplus 8 also zum Glück nicht geeignet.

Wie lange der Effekt funktioniert, wird sich zeigen müssen. Die meisten Hersteller verzichten bei ihren Kameras bewusst darauf, die Infrarot-Daten mit sichtbar zu machen. Gut möglich, dass auch Oneplus bald mit einem Update nachlegt. Eine Folge wie bei Sony ist aber wohl nicht zu erwarten: Ende der Neunziger hatte der Konzern eine Video mit Nachtmodus herausgebracht, bei dem erst im Nachhinein bemerkt wurde, dass er auch durch Kleidung filmte. Sony musste die Kamera vom Markt nehmen.

Quelle: Twitter

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