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Sim-Karte gestohlen: Wie Handydiebe Stefan K. 90.000 Euro klauten

Stefan K. will in Barcelona Urlaub machen, doch der Städtetrip wird zum Albtraum: Diebe klauen sein Handy und verursachen eine Telefonrechnung in Höhe von 90.000 Euro. So legten ihn die Betrüger rein.

Von Christoph Fröhlich

Jedes Jahr zieht es Millionen von Touristen nach Barcelona. Sie genießen die Sonne an den Stränden der katalonischen Hauptstadt, besuchen die Kunst- und Kultur-Museen oder versacken in den zahlreichen Tapas-Oasen und Spelunken. Auch Stefan K. aus Gehrden bei Hannover reiste Ende März gemeinsam mit seiner Partnerin Elisabeth L. in die Mittelmeerstadt.

Am Abend des 24. März sitzt das Paar in einer Altstadtkneipe und schaut sich Urlaubsbilder auf dem Handy an. Als K. gegen 23.15 Uhr auf die Toilette geht, rempelt er versehentlich eine Gruppe von vier jungen Männern an. Der Vorfall dauert nur wenige Sekunden, nichtsahnend macht sich K. anschließend mit seiner Partnerin auf den Weg zu seiner Unterkunft. Erst am nächsten Morgen bemerkt er, dass sein Handy gestohlen wurde. Sofort lässt K. die SIM-Karte sperren. Doch es ist zu spät, die Diebe haben bereits zugeschlagen. Dabei hatten sie es nichtmal auf sein Handy abgesehen.

Als Stefan K. kurz darauf nichtsahnend die Mobilfunkrechnung erhält, gibt es eine böse Überraschung: Die Rechnung ist 33 Seiten lang, es gibt 3974 aufgelistete Anrufe, jedes Mal ist es eine Nummer in Weißrussland. Der Provider Mobilcom Debitel fordert 89.956,81 Euro. K. ist geschockt: "Wenn Sie so eine Handyrechnung bekommen, dann schlafen Sie die Nacht mit Sicherheit nicht mehr", erzählt er dem Sat.1-Magazin "Akte 20.14". K. und seine Partnerin arbeiten beide im Lebensmitteleinzelhandel, 90.000 Euro können Sie niemals bezahlen. K. kontaktiert seinen Provider, doch der beharrt auf seinen Forderungen.

In seiner Verzweiflung wendet sich der 48-Jährige an die Sat.1-Reporter. Die recherchieren in Barcelona und stellen fest: Stefan K. ist kein Einzelfall. Vor wenigen Wochen wurde eine Bande festgenommen, die Handybetrug im großen Stil begangen hat. Die Masche der Diebe ist dreist: In einem unbemerkten Augenblick stehlen sie zunächst das Handy der Opfer, dann entnehmen sie die SIM-Karte und knacken die PIN. Thomas Köhler, IT-Fachmann und Spezialist für Computer und Handys, erklärt: "Die Rechnung kommt zustande, indem Rufumleitungen auf die Telefonnummer eingerichtet werden, die dann in hoher Frequenz angerufen wurden."

Ein Blick auf die Rechnung zeigt: Die teure Premium-Nummer in Weißrussland wurde von den Dieben im Vier- bis Fünf-Sekunden-Takt angerufen. Jeder einzelne Anruf dauerte knapp zehn Minuten und kostete um die 25 Euro. Mit der geklauten SIM-Karte wurde also mehrfach gleichzeitig telefoniert. Der Inhaber der Premiumnummer kassierte in knapp neun Stunden zigtausende Euro, die Handybetrüger in Barcelona wurden vermutlich an den Umsätzen beteiligt.

Für Stefan K. hat die Geschichte letztlich doch ein gutes Ende genommen: Nachdem "Akte 20.14" bei Mobilcom Debitel nachgehakt hatte, erließ der Mobilfunkprovider aus Kulanz die geforderte Rechnungssumme.

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Hier können Sie den Beitrag in voller Länge in der Sat.1-Mediathek ansehen.