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Steve Jobs' Nachfolger: Wer ist Tim Cook?

Sein Vater war Werftarbeiter, er selbst ist ein hochgefragter Topmanager, der schon lange den Kurs von Apple mitbestimmt. Ein Porträt des neuen Apple-Chefs Tim Cook.

Der Kronprinz ist gekrönt. Tim Cook übernimmt nach dem Rücktritt der IT-Legende Steve Jobs die Führung von Apple. Eine Ära ist beendet - ob eine neue beginnt, ist noch offen. Denn im Vergleich zu seinem langjährigen Chef ist Cook geradezu unauffällig. Der 50-Jährige aus Alabama hat bislang weder die Showtalente seines Chefs erkennen lassen noch dessen visionäre Gabe. Von der Internetseite des Unternehmens lächelt die bisherige Nummer zwei die Kundschaft in einem geschäftsmäßigen hellblauen Hemd an. Doch Cook, der seit langem das Tagesgeschäft bei Apple verantwortet und den Konzern faktisch seit Januar führt, sollte nicht unterschätzt werden. Als er während einer früheren Auszeit von Jobs das Ruder übernahm, legte die Apple-Aktie rund 60 Prozent zu.

Neben Steve Jobs gilt der 50-Jährige als einer der wichtigsten Architekten des wirtschaftlichen Erfolgs des iPhone- und iPad- Herstellers. Als für das tägliche Geschäft zuständiger Chief Operating Officer (COO) hatte er dafür zu sorgen, dass nach der Umsetzung der kühnen Visionen am Ende des Tages schwarze Zahlen in den Büchern stehen. Das US-Magazin "Fortune" würdigte Cook #link;http://money.cnn.com/2008/11/09/technology/cook_apple.fortune/index.htm;als "das Genie hinter Steve"#.

Cook - der Aufräumer

Jobs holte den IBM- und Compaq-Manager 1998 zu Apple - und Cook griff beim damals ums Überleben kämpfenden Unternehmen schnell durch. Er schloss eigene Produktionswerke und setzte auf Auftragsfertiger. Er ließ die Lagerbestände von Monaten auf Tage schmelzen. Das half Apple, bei dem schnellen Modellwechsel in der Elektronik-Branche keine Auslaufgeräte als Altlasten herumliegen zu haben. Cook stieg 2005 zum COO auf. In dieser Position war er etwa für den Vertrieb und die komplizierte Zulieferkette des Hightech-Konzerns zuständig. Dies ist ein entscheidender Teil des Geschäfts, denn Apple baut seine Geräte nicht mehr selbst, sondern vergibt Aufträge: "Entworfen von Apple in Kalifornien. Zusammengesetzt in China" - dieses Etikett prangt auf vielen Produkten der Marke. Cook war für die Outsourcing-Verträge mit Zulieferern zuständig, um die traditionell ein großes Geheimnis gemacht wird. Zudem verantwortete er die traditionelle PC-Sparte mit den Mac-Rechnern.

Cook sei seine beste Personalentscheidung gewesen, habe Jobs einmal geschwärmt, erinnert sich der Headhunter, der damals den Kontakt angebahnt hatte. Die beiden hätten sich vom ersten Moment an verstanden, erzählte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Viel arbeiten, im Geheimen leben

Ähnlich wie Jobs gilt Cook als öffentlichkeitsscheuer Workaholic, der lange im Büro bleibt, viel Zeit im Flieger verbringt und auch mal E-Mails mitten in der Nacht verschickt. Außerdem soll er oft ähnlich schwierig im Umgang sein. Cooks Managementstil illustrierte "Fortune" mit folgender Anekdote aus den 90er Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. "Das ist schlimm", sagt er. "Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern." Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: "Warum sind Sie eigentlich noch hier?"

Privat weiß man über Cook wenig. Der Sohn eines Werftarbeiters kommt aus einer Kleinstadt im US-Staat Alabama und schirmt sein Privatleben extrem von der Öffentlichkeit ab. Immerhin ist bekannt, dass er Sportfan ist und oft schon am frühen Morgen im Fitnessstudio auftaucht.

Der Manager gehört inzwischen zu den begehrtesten Spitzenkräften der Branche. 2010 etwa kursierte das Gerücht, Cook solle Chef bei Hewlett-Packard werden. Die Apple-Aktie drehte umgehend ins Minus und fing sich erst wieder, als der Manager höchst persönlich dementierte.

san/DPA/Reuters / DPA / Reuters