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Smarter Trick Warum Ihr iPhone bei Timern eine falsche Zeit anzeigt

Der Timer des iPhones trickst die Nutzer aus
Der Timer des iPhones trickst die Nutzer aus
© Farknot_Architect / Getty Images
Smartphones haben in den meisten Haushalten längst die Eieruhr ersetzt. Doch wer sich beim iPhone einen Timer stellt, bekommt dort nicht die korrekte Zeit angezeigt. Dahinter steckt allerdings eine smarte Idee.

Es ist ein enorm praktisches Feature: Will man die Eier oder die Nudeln pünktlich aus dem Wasser holen, stellt man sich auf dem Smartphone einfach einen Timer. Die digitale Eieruhr dürfte im Alltag einer der häufigsten Befehle für die iPhone-Assistentin Siri sein. Doch wenn der Timer dann langsam herunterzählt, zeigt er nicht korrekt die vergangene Zeit an. Ein Fehler ist das aber nicht.

Auf das merkwürdige Zeitverhalten des iPhones machte vor einigen Tagen der deutsche Entwickler Lukas Hermann aufmerksam. Er stieß beim Entwickeln seiner App Stagetimer.io darauf. Die App erlaubt es, sich automatisch die Zeit zu einem Event herunterzählen zu lassen. "Wenn der Countdown 5 Sekunden anzeigt, sollte man annehmen, dass noch 5 Sekunden übrig sind. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit", erklärt er in seinem Blog

Mit Tricks zum natürlichen Zeitempfinden

Denn: "Das iPhone zeigt streng genommen nicht die korrekt abgelaufene Zeit an, sondern rechnet 500 Millisekunden - oder anders gesagt eine halbe Sekunde - hinzu", erklärt Hermann. Das hat einen Zweck: "Es tut das, weil sich das Ablesen der Zeit dadurch für Menschen intuitiver anfühlt." Das Ende des Timers sei dadurch aber nicht beeinflusst, er klingele immer zur korrekten Zeit, betont der Entwickler.

In einem Beispiel zeigt Hermann, warum Apple sich dieses Kniffs bedient. Das Problem: Startet man einen digitalen Timer, etwa auf fünf Sekunden, springt der quasi sofort auf 4 Sekunden - weil weniger als fünf Sekunden verbleiben. Dafür zeigt er aber schon fast eine ganze Sekunde vor Ablauf eine 0 an. Das liegt daran, dass die digitale Zeitanzeige anders funktioniert, als die analoge. Software wie Javascript nutze gerne Millisekunden und ziehe dann immer einfach 10 ms ab, erläutert Hermann. Nimmt man einen Timer, der Zehntelsekunden anzeigt, ist der Unterschied dann schnell deutlich: Statt einer 4, springt er zuerst auf die 4,9, die letzte Sekunde ist keine solide 0 sondern läuft für den Menschen sichtbar von 0,9 herunter. 

Will man aber keine Nachkommastellen, muss man tricksen. Und das tut Apple auch, wie Hermann entdeckte. Indem einfach eine halbe Sekunde eingebaut wird, ist die Zeitanzeige für den Menschen "realistischer". Die iPhone-Uhr zeigt dann einfach eine halbe Sekunde lang die Startzeit, bevor sie anfängt, sichtbar herunterzuzählen. Bei fünf Sekunden ist dann kurz die Ziffer 5 zu sehen, bevor sie auf die 4 wechselt. Zum Ausgleich wird die 0 am Ende "abgekürzt" - und ist nur für eine halbe Sekunde zu sehen. So fühlt sich der Start und das Ende für den Menschen natürlicher und weniger abrupt an. Der Timer selbst zählt im Hintergrund aber genau.

Das Problem besteht übrigens nur beim Abwärtszählen, betont Hermann. Zählt man normal nach oben, wundert man sich nicht, dass man bei Null beginnt - und die Verzögerung beim Umspringen entspricht dem eigenen Zeitgefühl.

Quelle:Blogpost


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