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"Komm in die Gruppe": Von wegen schnelles Geld: Warum Sie sich vor Trading-Gruppen bei Whatsapp hüten sollten

Sie versprechen bündelweise Geld, dicke Uhren und noch dickere Autos: So genannte Trading-Gruppen bei Whatsapp locken mit dem großen Glück. Der Gewinner ist aber nur der Betreiber.

Whatsapp Trading Markus Komm in die Gruppe

"Markus" verspricht das schnelle Geld. Doch von der Whatsapp-Gruppe profitiert er wohl vor allem selbst

Sie wedeln mit Geldbündeln, protzen mit Mercedes AMG und Lamborghini - und erklären, wie einfach sie es zu Geld gebracht haben. 200.000 Euro soll man in einem halben Jahr verdienen, verspricht "Markus" in einem Youtube-Video. Um mitzumachen muss der Zuschauer nur einer Whatsapp-Gruppe beitreten. "Komm in die Gruppe", heißt es immer wieder. Doch bei genauerem Hinsehen kann man davon nur abraten.

Illegal ist das was dort passiert zwar nicht, riskant aber allemal. Das hat eine Recherche des "Standard" ergeben. Einmal der Gruppe beigetreten, erhalten die Nutzer regelmäßig Investitions-Tipps. Dabei geht es nach Angabe von "Markus" um das Handeln "mit Währungspaaren", er bezeichnet das als Trading. Die Tipps stammen seinen Angaben zufolge von "mehreren Profis", die ihn mit "Live Trends Analysen und Signalen" auf lohnende Geschäfte hinweisen.

Unüberschaubare Finanzwette

Bei genauer Betrachtung steckt hinter dem Trading aber etwas anderes: Die Nutzer werden ermutigt, auf steigende oder sinkende Kurse zu setzen. Entwickelt sich der Kurs dann wie vorhergesagt, verdient man Geld. Die offizielle Bezeichnung dafür ist "Differenzkontrakt". Solche Kontrakte können - wenn alles richtig läuft - tatsächlich Gewinn bringen. Mit Pech zahlt man aber nur drauf. "Das sind bessere Wettanbieter", fasst es ein österreichischer Verbraucherschützer gegenüber dem "Standard" zusammen. 

Dabei schwanken viele der Tipps zwischen nutzlos und falsch. So riet jemand in der Gruppe, auf den steigenden Bitcoin zu setzen. Er sei nun bei 18.000 Dollar, bald werden die 100.000 geknackt, so die selbstbewusste Empfehlung im Dezember. Seitdem ist der Kurs eingebrochen, hat sich knapp halbiert. Wer auf den Tipp hörte, hat Geld verloren. Ein Hinweis auf dieses Risiko gibt es zwar - er findet sich aber ganz am Anfang des Whatsapp-Chats. Wer spät einsteigt, muss also ganz nach vorne scrollen, um gewarnt zu werden.

Es gibt nur einen echten Gewinner

Risikofreies Geld verdienen nur die Betreiber der Gruppe. Die Nutzer bekommen das nicht mal unbedingt mit. In den Nachrichten mit den Tipps befinden sich nach Angaben des "Standard" auch Kurzlinks, die auf die beiden Handelsbörsen BDSwiss und 24Option führen. In den Links ist eine ID untergebracht, mit der die Börsen erkennen, wer Nutzer zu ihnen schickt ("Affiliate Link"). Melden die sich dann an und setzen Geld um, wird der Versender des Links beteiligt. Entweder mit einer Pauschale oder gar einer Gewinnbeteiligung. Das dürfte sich sehr lohnen: Zwei der Links wurden bereits über 13.000 Mal aufgerufen. Hat sich auch nur die Hälfte der Interessierten angemeldet, dürfte das eine hübsche Summe gebracht haben.

Illegal ist das "Trading" aber nicht - weswegen der "Komm in die Gruppe"-Clip sogar ganz offiziell von Youtube als Werbung gespielt wurde. Richtig glücklich scheint die Google-Tochter dabei aber nicht zu sein. Mehrere Videos von "Markus" wurden bereits gelöscht - um an anderer Stelle einfach wieder aufzutauchen. Die Jagd auf das schnelle Geld geht weiter.