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Whatsapp-Übernahme: Die schizophrene Welt der Facebook-User

Facebook ist böse. Whatsapp war bislang gut. Ist es aber nicht mehr - denn es wurde von dem Netzwerk geschluckt. Deswegen sprechen viele über Alternativen. Wo? Im Reich des Bösen: auf Facebook.

Von Carsten Heidböhmer

Seit Donnerstagmorgen spielt meine Facebook-Timeline verrückt. Anstelle von lustigen Internet-Fundstücken, dem neuesten Gossip zu Borussia Dortmund oder coolen Musiktipps lese ich ständig von Threema. Zunächst hatte ich gar keine Ahnung, worum es da geht. Ich dachte zunächst, es handele sich um diese amerikanische Fernsehserie, aber die heißt ja "Treme".

Den vielen Postings konnte ich entnehmen, dass es sich um eine Kurznachrichten-App handelt, die ihre Botschaften verschlüsselt übermittelt und auch verschlüsselt auf den Servern speichert und damit eine gute Alternative zu Whatsapp ist. Ich nutze dieses Programm zwar nicht, aber es leuchtet mir schon ein, wieso Threema irgendwie ganz praktisch und vorteilhaft ist. Doch wieso entdecken alle an diesem Morgen ihr Herz für diesen Dienst?

Alternativen zum Facebook-Imperium

Die Antwort ist ganz einfach: In der Nacht zuvor war bekannt geworden, dass der Kurznachichtendienst Whatsapp für einen Kaufpreis von 19 Milliarden Dollar an Facebook verkauft wurde. Und Facebook ist ja - wie wir alle wissen - eine ganz böse Datenkrake, die unser aller Nutzerdaten zu Geld macht. Und nun ist Whatsapp ein Teil dieses Giganten geworden. Das kann man als kritisch denkender Mensch - und sind wir das nicht alle? - natürlich nicht gutheißen. Also teilen wir allen mit, dass es tolle Alternativen zu dem bösen Facebook-Imperium gibt. Beispielsweise Threema.

So weit, so gut. Doch ist das wirklich unser Ernst? Kotzen wir auf Facebook darüber ab, wie böse Whatsapp ist, weil es jetzt, genau: zu Facebook gehört? Bemerkt irgendjemand den Widerspruch?

Seit Donnerstagmorgen hat sich noch kein einziger meiner seit neuestem WhatsApp-hassenden Facebook-Freunde aus dem sozialen Netzwerk des Imperators Mark Zuckerberg abgemeldet. Es scheint also alles mal wieder ein kleines Stürmchen im Wasserglas zu sein. Hauptsache, wir fühlen uns hinterher alle besser.

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